Diabetes Typ 2 ist eine chronische Stoffwechselerkrankung: Der Körper nutzt das Hormon Insulin nicht richtig, stellt zu wenig davon her oder beides. Insulin öffnet die Zellen für den Zucker aus dem Blut; ohne funktionierendes Insulin bleibt der Zucker im Blut und der Blutzuckerspiegel steigt dauerhaft an. Die Krankheit entwickelt sich schleichend und bleibt oft jahrelang unbemerkt. Viele Betroffene erfahren erst durch Zufallsbefunde oder bereits eingetretene Folgeerkrankungen von der Diagnose. Behandelbar ist sie trotzdem: Mit angepasster Lebensweise, Medikamenten und regelmäßiger Kontrolle lässt sich der Blutzucker meist gut einstellen.

Was im Körper passiert, wenn Insulin nicht wirkt

Bei gesunden Menschen schüttet die Bauchspeicheldrüse Insulin aus, sobald der Blutzuckerspiegel nach dem Essen steigt. Das Insulin dockt an den Zellen an und bewirkt, dass diese Zucker aus dem Blut aufnehmen. Bei Diabetes Typ 2 reagieren die Körperzellen zunächst nur noch schwach auf das Insulin. Fachleute nennen das Insulinresistenz. Die Bauchspeicheldrüse gleicht das anfangs aus, indem sie mehr Insulin produziert. Mit der Zeit erschöpfen sich die insulinproduzierenden Zellen jedoch, und die Produktion sinkt. Bei den meisten Betroffenen wirken beide Störungen zusammen: Die Zellen sprechen schlecht auf Insulin an, und die Bauchspeicheldrüse produziert zu wenig davon.

Warum die Diagnose oft spät kommt

Diabetes Typ 2 verursacht über lange Zeit keine eindeutigen Beschwerden. Erhöhte Blutzuckerwerte verursachen keine Schmerzen und fallen im Alltag nicht auf. Wenn Symptome auftreten, sind sie unspezifisch: starker Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit, Sehstörungen oder eine erhöhte Infektanfälligkeit. Viele Menschen schieben diese Anzeichen auf Stress, Alter oder einen anstrengenden Alltag. Deshalb wird die Krankheit häufig bei Routineuntersuchungen entdeckt, etwa bei einer Blutabnahme im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung oder einer anderen Behandlung. Wer zur Risikogruppe gehört, sollte den Blutzucker regelmäßig kontrollieren lassen, auch ohne Beschwerden.

Wer besonders gefährdet ist

Das Risiko für Diabetes Typ 2 steigt mit Übergewicht, besonders mit viel Bauchfett. Auch Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung und familiäre Vorbelastung erhöhen das Risiko. Auch das Lebensalter spielt eine Rolle: Mit den Jahren nimmt die Insulinempfindlichkeit ab. Frauen, die in der Schwangerschaft einen Schwangerschaftsdiabetes hatten, tragen ebenfalls ein erhöhtes Risiko. Viele dieser Faktoren lassen sich beeinflussen. Wer sein Gewicht reduziert, sich regelmäßig bewegt und sich ausgewogen ernährt, senkt das Erkrankungsrisiko. Bei bestehendem Diabetes kann er den Krankheitsverlauf ebenfalls günstig beeinflussen.

So lässt sich Diabetes Typ 2 behandeln

Die Behandlung ist individuell und langfristig angelegt. Am Anfang stehen meist Veränderungen des Lebensstils: mehr Bewegung im Alltag, eine ausgewogene Kost mit wenig stark verarbeiteten Kohlenhydraten und eine Gewichtsabnahme, wenn Übergewicht vorliegt. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, kommen blutzuckersenkende Medikamente hinzu. Häufig wird zunächst Metformin eingesetzt, ein Wirkstoff, der die Zuckerfreisetzung aus der Leber hemmt und die Insulinempfindlichkeit der Zellen verbessert. Je nach Krankheitsverlauf kommen weitere Medikamente oder eine Insulintherapie dazu. Blutzuckerwerte, der Langzeitblutzuckerwert HbA1c, Blutdruck und Blutfette sollten in festen Abständen überprüft werden, weil Diabetes auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigt.

Was unbehandelter Diabetes anrichtet

Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte schädigen die Blutgefäße und Nerven. Daraus entstehen typische Folgeerkrankungen: Durchblutungsstörungen in den Beinen, Nierenschäden bis hin zur Dialysepflicht, Netzhautschäden mit Sehverlust und Nervenschäden, die sich als Kribbeln oder Taubheitsgefühl bemerkbar machen. Auch das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall steigt deutlich. Diese Schäden entstehen schleichend über Jahre. Eine gute Blutzuckereinstellung kann diese Schäden verzögern oder verhindern. Das gilt auch noch, wenn die Diagnose erst spät gestellt wurde. Je früher die Behandlung beginnt, desto größer die Chance, langfristig komplikationsfrei zu bleiben.