Wer starken Durst hat, häufig Wasser lassen muss oder sich ungewöhnlich erschöpft fühlt, sollte erhöhte Blutzuckerwerte ärztlich abklären lassen. Solche Beschwerden können auf Diabetes mellitus hinweisen, beweisen die Erkrankung aber nicht. Besonders Typ-2-Diabetes und Schwangerschaftsdiabetes verlaufen häufig lange ohne deutliche Symptome.

Bei Diabetes mellitus bleibt dauerhaft zu viel Zucker im Blut. Es gibt mehrere Formen, deren Ursachen und Behandlungen sich unterscheiden: Bei Typ 1 fehlt Insulin, bei Typ 2 wirkt es zunächst schlechter, und Schwangerschaftsdiabetes entsteht durch Veränderungen während der Schwangerschaft. Eine Blutuntersuchung klärt die Diagnose; die Behandlung richtet sich nach der Diabetesform und der persönlichen Gesundheit.

Welche Symptome auftreten

Starker Durst und häufiges Wasserlassen gehören zu den typischen Beschwerden eines erhöhten Blutzuckers. Weitere mögliche Anzeichen sind Müdigkeit, Schwäche, Übelkeit oder Schwindel. Die Beschwerden können sich bei einem rasch beginnenden Typ-1-Diabetes deutlich zeigen. Typ 2 entwickelt sich dagegen oft schleichend und bleibt mitunter über Jahre unbemerkt. Auch Schwangerschaftsdiabetes verursacht meist keine spürbaren Symptome.

Symptomfreiheit schließt Diabetes deshalb nicht aus. Bei auffälligem Durst, häufigem Wasserlassen oder anhaltender Erschöpfung ist eine ärztliche Untersuchung sinnvoll. Eine Bewusstseinsstörung bei sehr hohen Blutzuckerwerten ist ein Notfall: Dann sofort den Rettungsdienst rufen.

Wie sich die Diabetesformen unterscheiden

Bei Typ-1-Diabetes greift das Immunsystem die insulinbildenden Zellen der Bauchspeicheldrüse an. Insulin ist ein Hormon, das Zucker aus dem Blut in die Körperzellen bringt. Werden die Zellen zerstört, entsteht ein ausgeprägter Insulinmangel. Eine genetische Veranlagung kann das Risiko erhöhen. Ob Infektionen oder andere Umweltfaktoren Typ 1 auslösen, ist nicht sicher geklärt. Typ 1 entsteht nicht durch einen ungesunden Lebensstil.

Editorial illustration for Diabetes mellitus: Symptome, Ursachen und Therapiewege

Bei Typ-2-Diabetes reagieren die Körperzellen zunehmend schlechter auf Insulin. Die Bauchspeicheldrüse produziert zunächst mehr davon, kann den Bedarf im Verlauf aber nicht immer decken. Übergewicht und wenig Bewegung erhöhen das Risiko. Auch Rauchen sowie eine ballaststoffarme Ernährung mit viel Fett oder Zucker steigern das Risiko. Auch Veranlagung und bestimmte Medikamente spielen eine Rolle. Auch mit einem Risikofaktor erkrankt nicht zwangsläufig jede Person.

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Schwangerschaftsdiabetes entsteht, wenn schwangerschaftsbedingte Veränderungen die Wirkung von Insulin beeinträchtigen. Übergewicht und höheres Alter erhöhen das Risiko. Das gilt auch für einen früheren Schwangerschaftsdiabetes oder Diabetes bei nahen Angehörigen. Der Test findet üblicherweise zwischen der 24. und 27. Schwangerschaftswoche statt. Schwangerschaftsdiabetes bildet sich nach der Geburt häufig zurück, erhöht aber das spätere Risiko für Typ-2-Diabetes.

Wie Ärztinnen und Ärzte Diabetes feststellen

Die Diagnose stützt sich auf qualitätsgesicherte Laborwerte aus venösem Blut. Ein Blutzuckermessgerät für den Hausgebrauch eignet sich nach der Nationalen VersorgungsLeitlinie (NVL) normalerweise nicht, um Diabetes festzustellen.

Eine venöse Blutprobe wird in einem Labor für eine diagnostische Untersuchung vorbereitet.
Zur Diabetesdiagnose dienen qualitätsgesicherte Laborwerte aus venösem Blut.

Für Typ-2-Diabetes nennt die NVL diese diagnostischen Grenzwerte: ein Nüchternblutzucker von mindestens 126 mg/dl (7,0 mmol/l), ein Langzeitblutzuckerwert HbA1c von mindestens 6,5 Prozent (48 mmol/mol) oder ein unabhängig von einer Mahlzeit gemessener Blutzuckerwert von mindestens 200 mg/dl (11,1 mmol/l). Der HbA1c-Wert zeigt, wie hoch der Blutzucker in den vergangenen zwei bis drei Monaten durchschnittlich war. Bestimmte gesundheitliche Einflüsse können seine Aussagekraft einschränken.

Grundsätzlich sollen zwei auffällige Laborwerte die Diagnose absichern. Bei einem grenznahen Ergebnis kann die Ärztin oder der Arzt eine Messung wiederholen oder eine weitere Untersuchung veranlassen. Ein einzelner Wert aus einer Selbstmessung ersetzt diese Abklärung nicht.

Welche Behandlung bei Typ 1 hilft

Menschen mit Typ-1-Diabetes benötigen Insulin, weil der Körper nicht mehr genügend eigenes Insulin herstellt. Die Behandlung passt die Insulinmenge an den Alltag, die Ernährung und die Bewegung an. Dafür kommen Insulinpens oder Insulinpumpen infrage. Geräte zur kontinuierlichen Glukosemessung messen den Zuckerwert fortlaufend und können die Behandlung unterstützen.

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Die konkrete Insulintherapie legt das Behandlungsteam gemeinsam mit der betroffenen Person fest. Wer neu diagnostiziert wurde, sollte zeitnah Betreuung durch eine auf Diabetes spezialisierte Praxis und eine Schulung zur sicheren Anwendung von Insulin erhalten.

Wie Typ 2 behandelt wird

Bei Typ-2-Diabetes gehören passende Ernährung und regelmäßige Bewegung zur Behandlung. Welche Veränderung sinnvoll ist, hängt von der persönlichen Lebenslage ab. Reicht das allein nicht aus oder ist ein Medikament angezeigt, berücksichtigt die Ärztin oder der Arzt die Begleiterkrankungen und Risiken der Person sowie mögliche Nebenwirkungen. Auch die Ziele der betroffenen Person fließen ein.

Die NVL empfiehlt für Menschen ohne hohes Herz-Kreislauf-Risiko zunächst Metformin als einzelnes Medikament. Bei einer medizinisch bedeutsamen Herz-Kreislauf-Erkrankung kann die Ärztin oder der Arzt zusätzlich einen SGLT2-Hemmer oder einen GLP-1-Rezeptoragonisten anbieten. Das sind zwei Medikamentengruppen, die den Blutzucker auf unterschiedliche Weise beeinflussen. Für Menschen mit mehreren Risikofaktoren ist der Nutzen einer sofortigen Kombination nicht in jeder Situation eindeutig geklärt. Bei bestimmten Krankheitsverläufen wird auch Insulin notwendig.

Die NVL-Version 3 zum Typ-2-Diabetes wurde im Mai 2023 veröffentlicht und ist laut Leitlinienportal bis Mai 2028 gültig. Die Auswahl eines Medikaments bleibt eine individuelle ärztliche Entscheidung. Betroffene sollten Medikamente weder eigenständig beginnen noch absetzen.

Was bei Schwangerschaftsdiabetes geschieht

Bei Schwangerschaftsdiabetes reichen eine Ernährungsberatung und Anpassungen beim Essen häufig aus; mehr Bewegung kann die Behandlung ergänzen. Bleiben die Blutzuckerwerte erhöht, kann Insulin erforderlich sein. Regelmäßige Kontrollen während der Schwangerschaft helfen, die Behandlung an die Messwerte anzupassen.

Nach der Geburt sind weitere Blutzuckerkontrollen wichtig. Auch wenn sich die Werte häufig normalisieren, bleibt ein erhöhtes Risiko für späteren Typ-2-Diabetes bestehen. Die behandelnde Praxis kann erklären, wann eine Nachkontrolle nötig ist.

Warum Verlaufskontrollen wichtig sind

Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte können große und kleine Blutgefäße schädigen. Zu den möglichen Folgen zählen Herzinfarkt, Schlaganfall und Durchblutungsstörungen; auch Schäden an Augen, Nerven und Nieren sowie schlecht heilende Wunden an den Füßen gehören dazu. Ein hoher Blutdruck kann das Risiko bei Typ 2 zusätzlich erhöhen. Diese Folgen treten nicht zwangsläufig bei allen Betroffenen auf.

Regelmäßige ärztliche Kontrollen helfen, Blutzucker und weitere Gesundheitsrisiken im Blick zu behalten. Bei Typ 2 gehören dazu auch Blutdruck und mögliche Folgeerkrankungen. Wer eine neue oder sich verschlechternde Beschwerde bemerkt, sollte sie beim nächsten Termin ansprechen, statt ausschließlich auf den HbA1c-Wert zu schauen.

Das Robert Koch-Institut berichtete für 2024, dass 10,3 Prozent der Erwachsenen in Deutschland einen ärztlich diagnostizierten Diabetes angaben. Die Zahl beruht auf Selbstauskünften und schließt Schwangerschaftsdiabetes aus. Sie erfasst bislang unerkannte Fälle nicht zuverlässig.