Wenn Sie online Informationen zu Diabetes suchen, klären Sie zuerst Ihre Frage und die Diabetesform: Geht es um Typ-1-, Typ-2- oder Schwangerschaftsdiabetes? Suchen Sie Informationen zu Ernährung, Medikamenten oder einer bestimmten Untersuchung? Ein Artikel zu Typ-2-Diabetes lässt sich nicht automatisch auf andere Diabetesformen übertragen.

Editorial illustration for Wissenschaftlich geprüfte Diabetes-Ratgeber im Netz finden

Erste Anlaufstellen sind diabinfo.de, gesundheitsinformation.de und die Patienteninformationen zur Nationalen VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes. Prüfen Sie trotzdem jeden Text: Wer hat ihn veröffentlicht? Welche Belege nennt er, und wann wurde er aktualisiert? Erklärt er Nutzen, mögliche Schäden und Unsicherheiten verständlich? Ein hoher Platz in der Suchmaschine oder ein professionelles Erscheinungsbild belegt keine wissenschaftliche Qualität.

Wo die Suche beginnen kann

Das nationale Diabetesinformationsportal diabinfo.de bietet Informationen zu verschiedenen Diabetesformen, Behandlung und Alltag. Das Portal gibt an, dass Ärztinnen und Ärzte sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Inhalte prüfen. Das Deutsche Netzwerk Gesundheitskompetenz führt das Portal außerdem in seiner Initiative „Verlässliches Gesundheitswissen“. Bei dieser externen Prüfung wird bewertet, ob Anbieter nachvollziehbar auf Qualitätskriterien achten. Laut Netzwerk bestätigt sie jedoch nicht, dass jede einzelne Aussage richtig ist.

gesundheitsinformation.de wird vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) angeboten. Die Seite veröffentlicht allgemeinverständliche Gesundheitsinformationen und erklärt, woran sich gute Informationen erkennen lassen. Der Beitrag zu Typ-2-Diabetes nennt Quellen und ein Aktualisierungsdatum. Auf der geprüften Fassung der Seite stand als letztes Aktualisierungsdatum der 18. Oktober 2023; eine weitere Aktualisierung war für 2026 geplant. Der angekündigte Termin belegt nicht, dass die Seite bereits überarbeitet wurde. Prüfen Sie deshalb das Datum direkt auf der Seite.

Für konkrete Entscheidungen bei Typ-2-Diabetes bieten die Patientenblätter zur Nationalen VersorgungsLeitlinie (NVL) eine weitere Anlaufstelle. Eine medizinische Leitlinie bündelt Empfehlungen für die Versorgung und zeigt, welche Forschungsergebnisse diese Empfehlungen stützen. Die Patientenblätter bereiten ausgewählte Themen für Beratung und Gespräche auf. Die NVL Typ-2-Diabetes ist modular aufgebaut und behandelt nicht automatisch alle möglichen Folge- und Begleiterkrankungen. Achten Sie daher darauf, ob die Leitlinie Ihre Frage tatsächlich behandelt.

Woran Sie einen Artikel erkennen

Prüfen Sie zuerst, wer den Beitrag veröffentlicht hat und wer dafür verantwortlich ist. Gute Gesundheitsinformationen nennen den Betreiber, die Autorinnen und Autoren sowie die Finanzierung. Wenn Geldgeber, Werbung oder mögliche Interessenkonflikte nicht erkennbar sind, lässt sich schwer beurteilen, welche Interessen die Auswahl und Darstellung der Inhalte beeinflussen.

Editorial illustration for Wissenschaftlich geprüfte Diabetes-Ratgeber im Netz finden

Achten Sie dann auf die Belege. Leitlinien und systematische Übersichtsarbeiten, die Ergebnisse mehrerer Studien nach festen Regeln zusammenfassen, können einen breiten Überblick geben. Eine einzelne Studie beantwortet dagegen oft nur eine begrenzte Frage. Prüfen Sie, ob die genannten Quellen die konkrete Aussage stützen. Eine Quellenliste allein reicht nicht, wenn die Quellen veraltet sind oder etwas anderes untersuchen.

Editorial illustration for Wissenschaftlich geprüfte Diabetes-Ratgeber im Netz finden

Ein sorgfältiger Text erklärt, was eine Behandlung bewirken soll, welche Nebenwirkungen bekannt sind und was noch unklar ist. Er zeigt, ob eine Aussage Ergebnisse betrifft, die für Betroffene wichtig sind, oder vor allem einen Laborwert. Ein Versprechen wie „Diabetes heilen“ ohne nachvollziehbare Belege ist ein Warnsignal. Gleiches gilt für drängende Kaufaufforderungen und Werbung für ein Produkt, das im Beitrag als Lösung erscheint.

Eine kurze Prüfliste

Prüfen Sie einen Beitrag anhand dieser Fragen:

  • Ist klar, für welche Diabetesform und welche Personengruppe die Information gilt?
  • Sind Herausgeber, Autorinnen oder Autoren und Finanzierung erkennbar?
  • Belegen die genannten Quellen die Aussagen, und ist ein Aktualisierungsdatum angegeben?
  • Werden Nutzen, mögliche Nebenwirkungen und offene Fragen ausgewogen beschrieben?
  • Gibt es einen Verkaufsdruck oder ein Heilungsversprechen?

Fehlen wichtige Angaben, holen Sie eine weitere Einschätzung bei einer etablierten Gesundheitsredaktion ein oder suchen Sie in einer passenden Leitlinie nach Informationen. Bei diabinfo.de und gesundheitsinformation.de finden Sie außerdem eigene Erläuterungen zu Qualitätsmerkmalen von Gesundheitsinformationen. Auch eine Bewertung des gesamten Portals ersetzt allerdings nicht die Prüfung des konkreten Artikels.

Onlinewissen richtig nutzen

Ein guter Diabetesartikel hilft dabei, Begriffe zu verstehen und Fragen für einen Termin vorzubereiten. Er ersetzt keine Diagnose und keine individuelle Therapieentscheidung. Ändern Sie Medikamente oder Insulindosen nicht allein aufgrund eines Onlinebeitrags. Besprechen Sie solche Entscheidungen mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt, besonders wenn Sie mehrere Erkrankungen haben oder mehrere Medikamente einnehmen.

Editorial illustration for Wissenschaftlich geprüfte Diabetes-Ratgeber im Netz finden