Ein erhöhter Blutzuckerwert bei einer Untersuchung bedeutet noch nicht automatisch Diabetes. Diabetes mellitus ist eine Erkrankung, bei der dauerhaft zu viel Glukose (Zucker) im Blut bleibt. Ein einzelner Messwert vom Finger reicht für die Diagnose meist nicht aus. Die Ärztin oder der Arzt beurteilt dafür geeignete Laborwerte.

Die wichtigsten Formen sind Typ-1-Diabetes, Typ-2-Diabetes, andere spezifische Diabetesformen und Schwangerschaftsdiabetes. Welche Form vorliegt, bestimmt die weitere Abklärung und Behandlung. Die folgenden Grenzwerte gelten für Erwachsene außerhalb einer Schwangerschaft.

Was bei Diabetes passiert

Das Hormon Insulin hilft dabei, Glukose aus dem Blut in die Körperzellen zu bringen. Dort dient sie als Energiequelle. Bei Diabetes stellt der Körper zu wenig Insulin her, die Zellen reagieren nicht ausreichend darauf oder beides tritt zusammen auf. Dadurch steigt der Blutzucker.

Schematische Illustration: Insulin unterstützt den Transport von Glukose aus einem Blutgefäß in eine Körperzelle; bei gestörter Insulinwirkung bleibt mehr Glukose im Blut.
Insulin unterstützt die Aufnahme von Glukose in die Körperzellen.

Bleibt der Blutzucker über längere Zeit erhöht, kann das Blutgefäße und Organe schädigen, darunter Augen, Nieren, Nerven und Herz. Eine frühe Diagnose hilft, den Blutzucker zu kontrollieren und solche Folgeprobleme zu vermeiden oder hinauszuzögern.

Welche Formen es gibt

Typ-1-Diabetes entsteht meist, weil das Immunsystem die insulinbildenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse angreift. Dadurch fehlt dem Körper sehr viel Insulin. Typ 1 kann in jedem Lebensalter auftreten. Die Beschwerden entwickeln sich häufig innerhalb kurzer Zeit.

Editorial illustration for Diabetes verständlich erklärt

Typ-2-Diabetes beginnt meist schrittweise. Die Körperzellen reagieren zunehmend schlechter auf Insulin; mit der Zeit kann auch die Insulinproduktion nachlassen. Veranlagung, Alter und Lebensumstände wirken dabei zusammen. Zu viel Zucker allein verursacht Typ 2 nicht; anfangs bleibt die Erkrankung oft unbemerkt.

Andere Diabetesformen können durch genetische Veränderungen oder Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse entstehen. Auch hormonelle Erkrankungen und bestimmte Medikamente kommen als Ursachen infrage. Bei Schwangerschaftsdiabetes wird während der Schwangerschaft eine Störung des Zuckerstoffwechsels festgestellt. Dafür gelten eigene Untersuchungsregeln und Grenzwerte.

Welche Beschwerden auftreten

Starker Durst und häufiges Wasserlassen können auf Diabetes hinweisen. Auch Müdigkeit, verschwommenes Sehen und ungewollter Gewichtsverlust sind mögliche Hinweise. Bei Typ 2 sind die Beschwerden manchmal mild oder fehlen ganz. Deshalb schließt ein gutes Allgemeinbefinden die Erkrankung nicht aus.

Bei Typ 1 treten Beschwerden oft rascher auf. Übelkeit, Erbrechen oder beschleunigte Atmung bei sehr hohem Blutzucker sind Warnzeichen für eine mögliche akute Stoffwechselentgleisung. In diesem Fall ist sofortige medizinische Hilfe nötig. Bei schwerer Atemnot oder Bewusstseinsstörungen sollte sofort der Rettungsdienst gerufen werden.

Wie die Diagnose gestellt wird

Für die Diagnose verwendet die Ärztin oder der Arzt standardisierte Laboruntersuchungen aus venösem Blut, also Blut aus einer Vene. Ein Blutzuckermessgerät für den Fingerstich eignet sich in der Regel nicht, um Diabetes erstmals festzustellen. Auch ein Urinteststreifen ersetzt die Labordiagnostik nicht.

Medizinisches Fachpersonal nimmt venöses Blut für eine Laboruntersuchung ab.
Für die Erstdiagnose sind standardisierte Laboruntersuchungen wichtig.

Die wichtigsten Untersuchungen sind:

  • Nüchtern-Plasmaglukose: Der Blutzucker wird gemessen, nachdem die Person mindestens acht Stunden nichts gegessen hat.
  • HbA1c: Der Wert zeigt den durchschnittlichen Blutzucker der letzten etwa acht bis zwölf Wochen. Für die Messung ist Nüchternheit nicht nötig.
  • Oraler Glukosetoleranztest (oGTT): Nach einer standardisierten Zuckerlösung wird der Blutzucker erneut gemessen. Der Test hilft, wenn andere Ergebnisse unklar sind oder sich widersprechen.
  • Gelegenheits-Plasmaglukose: Diese Messung erfolgt unabhängig vom Zeitpunkt der letzten Mahlzeit. Bei typischen Beschwerden kann diese Messung zur Diagnose beitragen. Ein unauffälliger Wert schließt Diabetes damit aber nicht aus.

Welche Grenzwerte gelten

Die folgende Übersicht zeigt die Grenzwerte aus der Nationalen VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes für Erwachsene außerhalb einer Schwangerschaft. Ein Wert im Diabetesbereich muss ärztlich eingeordnet werden. Er allein bestätigt die Diagnose nicht automatisch.

Untersuchung Diabetesbereich Bereich eines erhöhten Risikos
Nüchtern-Plasmaglukose mindestens 126 mg/dl (7,0 mmol/l) erhöht, aber unterhalb des Diabetesbereichs
HbA1c mindestens 6,5 % (48 mmol/mol) 5,7 bis unter 6,5 %
Gelegenheits-Plasmaglukose mindestens 200 mg/dl (11,1 mmol/l) kein allgemeiner Zwischenbereich
Zwei-Stunden-Wert im 75-g-oGTT mindestens 200 mg/dl (11,1 mmol/l) 140–199 mg/dl (7,8–11,0 mmol/l)

Fachgesellschaften bewerten Nüchternwerte im erhöhten Risikobereich unterschiedlich: Einige ordnen bereits niedrigere Werte als erhöhtes Risiko ein, andere setzen die Grenze höher an. Die Grenze für Diabetes liegt bei beiden Einschätzungen bei 126 mg/dl. Ein erhöhter Risikowert bedeutet noch keine Diabetesdiagnose.

Warum ein Wert bestätigt wird

Die Nationale VersorgungsLeitlinie empfiehlt im Regelfall, die Diagnose erst nach mindestens zwei Laborwerten im Diabetesbereich zu stellen. Bei typischen Beschwerden und einem eindeutig krankhaften Laborwert kann nach der Leitlinie ein einzelner Wert ausreichen. Sind die Ergebnisse uneinheitlich oder grenzwertig, folgt je nach Situation eine weitere Messung oder ein oGTT.

Der HbA1c-Wert muss im Zusammenhang mit möglichen Einflussfaktoren beurteilt werden. Blutarmut, Blutverlust und Schwangerschaft können das Ergebnis beeinflussen. Das gilt auch für bestimmte Nieren- oder Lebererkrankungen und Veränderungen des roten Blutfarbstoffs. Die Ärztin oder der Arzt berücksichtigt deshalb Beschwerden, Krankengeschichte und weitere Befunde.

Was in der Schwangerschaft gilt

Ein besonderes Testverfahren klärt Schwangerschaftsdiabetes ab. Dabei gelten niedrigere, schwangerschaftsspezifische Grenzwerte als bei der üblichen Diabetesdiagnostik für Erwachsene. Ein normaler Nüchternwert außerhalb einer Schwangerschaft schließt Schwangerschaftsdiabetes daher nicht aus. Die betreuende Praxis oder Hebamme informiert darüber, welche Untersuchung vorgesehen ist.

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Wie häufig Diabetes ist

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts berichteten 2024 rund 10,3 Prozent der Erwachsenen in Deutschland von einem ärztlich diagnostizierten Diabetes; Schwangerschaftsdiabetes war dabei ausgeschlossen. Mehr als 90 Prozent der Diabetesfälle entfallen auf Typ 2. Die Zahl erfasst bekannte Diagnosen. Wie viele Menschen unerkannten Diabetes haben, lässt sich mit den aktuellen bevölkerungsweiten Daten nicht vollständig beziffern.