Bis 2050 könnte weltweit etwa jeder achte Erwachsene zwischen 20 und 79 Jahren mit Diabetes leben. Der IDF Diabetes Atlas der International Diabetes Federation (IDF) schätzt für 2024 rund 589 Millionen Betroffene und für 2050 etwa 853 Millionen. Die Ausgabe erschien 2025.

Die Prognose bezieht sich auf den Anteil der Erwachsenen zwischen 20 und 79 Jahren, die dann Diabetes haben. Sie sagt nicht voraus, wie hoch das persönliche Erkrankungsrisiko jeder heute lebenden Person ist. Die Zahl stammt aus einer Modellrechnung und hängt von der Bevölkerungsentwicklung und weiteren Annahmen ab.
Die wichtigsten Zahlen
| Kennzahl | Schätzung oder Projektion |
|---|---|
| Erwachsene mit Diabetes 2024, 20 bis 79 Jahre | 588,7 Millionen |
| Anteil 2024 | 11,11 Prozent |
| Erwachsene mit Diabetes 2050, 20 bis 79 Jahre | 852,5 Millionen |
| Anteil 2050 | 12,96 Prozent |
| Zunahme der Fallzahl von 2024 bis 2050 | rund 45 Prozent |
| Davon 2024 nicht diagnostiziert | rund 252 Millionen |
Die Zahl der Fälle steigt laut Atlas damit stärker als die Weltbevölkerung. Für diese nimmt der Atlas im gleichen Zeitraum ein Wachstum von rund 25 Prozent an. Laut IDF-Schätzung wussten 2024 etwa 43 Prozent der Betroffenen nicht, dass sie Diabetes hatten. Fast neun von zehn nicht diagnostizierten Menschen lebten in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen.
Wo die Zahlen am stärksten steigen
Die Entwicklung fällt regional sehr unterschiedlich aus. Für Afrika erwartet der IDF-Atlas zwischen 2024 und 2050 den größten prozentualen Anstieg: von 24,6 auf 59,5 Millionen Erwachsene, ein Plus von 142 Prozent. Im Nahen Osten und Nordafrika steigt die projizierte Zahl von 84,7 auf 162,6 Millionen, entsprechend 92 Prozent.

| IDF-Region | 2024 | 2050 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Afrika | 24,6 Mio. | 59,5 Mio. | +142 % |
| Europa | 65,6 Mio. | 72,4 Mio. | +10 % |
| Naher Osten und Nordafrika | 84,7 Mio. | 162,6 Mio. | +92 % |
| Nordamerika und Karibik | 56,2 Mio. | 68,1 Mio. | +21 % |
| Süd- und Mittelamerika | 35,4 Mio. | 51,5 Mio. | +45 % |
| Südostasien | 106,9 Mio. | 184,5 Mio. | +73 % |
| Westpazifik | 215,4 Mio. | 253,8 Mio. | +18 % |
Ein großer prozentualer Anstieg bedeutet nicht automatisch, dass dort die meisten Menschen mit Diabetes leben. Die Region Westpazifik hatte 2024 mit rund 215 Millionen die meisten Betroffenen. In Afrika waren laut Atlas auch besonders viele Betroffene nicht diagnostiziert: 72,6 Prozent. Neben dem erwarteten Anstieg bleibt daher wichtig, ob Menschen eine Diagnose und Versorgung erhalten.
Was die Prognose aussagt
Der IDF-Atlas berechnet die Zahl der Menschen mit Diabetes anhand von Daten aus Ländern und Territorien sowie statistischen Hochrechnungen. Für die Ausgabe 2025 wurden 246 Datenquellen aus 153 Ländern und Territorien ausgewertet. Für Länder ohne eigene geeignete Daten berechnete die IDF Werte anhand von Daten aus vergleichbaren Ländern.
Bevölkerungswachstum, eine älter werdende Bevölkerung und zunehmende Urbanisierung tragen zur erwarteten Entwicklung bei. Wie viele Menschen Diabetes haben, hängt auch davon ab, wie viele Menschen zur jeweiligen Altersgruppe gehören. Die Zahl der Betroffenen sagt deshalb nicht aus, wie hoch das Erkrankungsrisiko einer einzelnen Person ist.
Die 2050-Zahl ist eine Projektion unter bestimmten Annahmen, keine sichere Vorhersage. Sie zeigt auch nicht, wie stark einzelne künftige Maßnahmen die Entwicklung verändern. Der Atlas schätzt, dass 95 Prozent des Anstiegs der Fallzahl in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen stattfinden werden.
Warum andere Prognosen abweichen
Das internationale Projekt Global Burden of Disease (GBD) schätzt Krankheiten und Gesundheitsrisiken. Eine 2023 veröffentlichte Analyse des Projekts erwartete für 2050 rund 1,31 Milliarden Menschen mit Diabetes. Dieser Wert liegt deutlich über der IDF-Schätzung. Ein direkter Vergleich ist jedoch nicht möglich, weil sich die Modelle, Ausgangsjahre und Altersgruppen unterscheiden.
Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Forschungsgruppe NCD-RisC schätzten für 2022 weltweit 828 Millionen Erwachsene ab 18 Jahren mit Diabetes. Die IDF-Projektion für 2024 umfasst dagegen Erwachsene von 20 bis 79 Jahren und beruht auf einer anderen Datengrundlage. Die unterschiedlichen Zahlen bedeuten daher weder einen Rückgang noch einen Widerspruch. Deshalb sollten bei jeder Zahl das Bezugsjahr und die Altersgruppe stehen.
Was die Zahlen für Einzelne bedeuten
Typ-2-Diabetes bleibt lange unbemerkt. Starker Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit, verschwommenes Sehen oder unbeabsichtigter Gewichtsverlust können bei Diabetes auftreten. Diese Beschwerden reichen allein nicht für eine Diagnose. Wer solche Symptome bemerkt oder sich Sorgen macht, sollte sie ärztlich abklären lassen. Ein Blutzuckertest hilft, Diabetes festzustellen.

Regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung, ein gesundes Körpergewicht und der Verzicht auf Tabak können dazu beitragen, Typ-2-Diabetes vorzubeugen oder den Ausbruch zu verzögern. Die WHO nennt mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche als Richtwert. Das ist keine Garantie: Auch genetische und soziale Faktoren beeinflussen das Erkrankungsrisiko. Typ-1-Diabetes lässt sich nach heutigem Wissen nicht vorbeugen; er sollte daher nicht mit Typ 2 gleichgesetzt werden.

Die WHO berichtet, dass 2022 mehr als die Hälfte der Erwachsenen ab 30 Jahren mit Diabetes keine Diabetesmedikamente einnahm. Laut IDF waren 2024 rund 43 Prozent der Betroffenen nicht diagnostiziert. Das zeigt, dass neben der Vorbeugung auch eine frühe Diagnose und der Zugang zu Behandlung wichtig bleiben.