Neue Forschung zu Diabetes zeigt, dass sich die Behandlung stärker an den biologischen Unterschieden zwischen Menschen orientiert. Bei Typ-2-Diabetes spielt neben der Insulinresistenz, also einer verminderten Wirkung von Insulin, auch die Funktion der Betazellen eine Rolle. Diese Zellen in der Bauchspeicheldrüse bilden Insulin. Bei manchen Menschen lässt sich ihre Funktion teilweise erholen, und eine Remission wird möglich. Das bedeutet, dass der Blutzucker ohne blutzuckersenkende Medikamente unter dem Diabetesbereich liegt. Eine dauerhafte Heilung ist damit nicht gemeint.

Die folgenden Befunde stammen aus Diabetologia, dem Fachjournal der European Association for the Study of Diabetes. Sie reichen von Studien mit Menschen bis zu Tierversuchen. Diese beiden Arten von Studien beantworten unterschiedliche Fragen: Eine kleine klinische Studie liefert erste Hinweise zur Anwendung bei Menschen. Ein Tierversuch zeigt mögliche Abläufe im Körper, belegt aber keine Wirkung beim Menschen.
Remission bleibt schwer zu halten
Eine Übersichtsarbeit in Diabetologia beschreibt, wie sich das Verständnis von Typ-2-Diabetes erweitert hat. Neben einer verminderten Insulinwirkung kann eine gestörte Insulinproduktion durch Betazellen den Blutzucker erhöhen. Bei einigen Menschen verbessert sich die Betazellfunktion, wenn die Stoffwechselbelastung sinkt. Wann die Betazellstörung im Krankheitsverlauf entsteht und welche Faktoren sie auslösen, ist noch nicht abschließend geklärt.

Ein erheblicher Gewichtsverlust kann bei manchen Menschen mit Typ-2-Diabetes eine Remission ermöglichen. Im strukturierten DiRECT-Programm erreichten 46 Prozent der Teilnehmenden nach einem Jahr eine Remission. Bei der Nachbeobachtung nach fünf Jahren waren es 13 Prozent der Teilnehmenden, die weiter beobachtet wurden. Das entsprach 7 Prozent der ursprünglich dem Programm zugeteilten Gruppe. Das zeigt zugleich, wie schwierig es ist, eine Remission langfristig aufrechtzuerhalten.
Der ADA/EASD-Konsensbericht von 2026 empfiehlt keine einheitliche Diät für alle. Eine Ernährungsweise sollte im Alltag umsetzbar sein und individuelle Vorlieben sowie kulturelle Gegebenheiten berücksichtigen. Für Menschen mit Typ-2-Diabetes und Übergewicht oder Adipositas kann eine intensive Lebensstilbehandlung mit dem Ziel eines Gewichtsverlusts von mindestens zehn Prozent als Möglichkeit zur Remission besprochen werden. Nahrungsergänzungsmittel sind laut Bericht keine belegte Behandlung zur Blutzuckersenkung; auch Vitamin D wird dafür nicht empfohlen.
Wer eine Remission anstrebt, sollte Gewichtsabnahme und Veränderungen der Medikamente mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt planen. Sinkt der Blutzucker, kann sich der Medikamentenbedarf ändern. Medikamente eigenständig abzusetzen ist keine sichere Vorgehensweise. Auch nach einer Remission bleibt regelmäßige Kontrolle sinnvoll.
Insulinsteuerung bei Nierenerkrankung
Eine Studie aus dem Jahr 2026 untersuchte die automatisierte Insulinabgabe bei Menschen mit Diabetes und fortgeschrittener chronischer Nierenerkrankung. Bei 40 ausgewerteten Personen stieg der Anteil der Zeit, in der ihre Blutzuckerwerte im Zielbereich lagen, von 60 Prozent bei üblicher Versorgung auf 73 Prozent mit automatisierter Insulinabgabe. Die mittlere Verbesserung betrug 13,7 Prozentpunkte. Die Häufigkeit niedriger Blutzuckerwerte unterschied sich zwischen den beiden Behandlungen statistisch nicht signifikant.

Das Ergebnis ist für eine Gruppe relevant, die in Untersuchungen zu Diabetesgeräten oft wenig vertreten ist. Die Studie war jedoch klein. Von 43 Personen, die nach dem Zufallsprinzip einer Studiengruppe zugeteilt wurden, schlossen 40 mindestens eine Studienphase ab; 38 beendeten die gesamte Studie. Bereits in der Vorbereitung schieden außerdem 15 Personen aus, unter anderem weil sie die Schulungen oder Anforderungen nicht erfüllen konnten. Daher bleibt offen, wie gut sich das Ergebnis auf eine größere und vielfältigere Patientengruppe übertragen lässt.
Menschen mit Diabetes und fortgeschrittener Nierenerkrankung können mit ihrer behandelnden Fachperson besprechen, ob eine kontinuierliche Glukosemessung oder automatisierte Insulinabgabe zu ihrer Situation passt. Die Studie belegt keinen pauschalen Vorteil eines bestimmten Geräts für jede Person.
Typ-1-Prävention ist noch experimentell
Eine 2026 veröffentlichte Studie untersuchte bei weiblichen NOD-Mäusen eine Kombination aus niedrig dosiertem Anti-CD3 und GLP1-E2. Anti-CD3 beeinflusst eine bestimmte Immunreaktion; GLP1-E2 ist ein experimenteller Wirkstoff, der auf Betazellen zielt. Nach 30 Wochen hatten 38 Prozent der Mäuse in der Kombinationsgruppe Diabetes entwickelt. In der Kontrollgruppe waren es 77 Prozent. Die Erkrankung setzte in der Kombinationsgruppe im Mittel später ein.

Das Ergebnis weist auf eine mögliche Forschungsrichtung hin: Eine Behandlung könnte zugleich die Immunreaktion beeinflussen und Betazellen schützen. Die Untersuchung fand jedoch an Mäusen statt. Sie zeigt nicht, dass die Kombination Diabetes bei Menschen verhindert, und bietet keine Grundlage für eine Behandlung bei Menschen.
Dapagliflozin und Ketone
Eine kleine Studie prüfte Dapagliflozin zusätzlich zu Insulin bei 13 Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes. Die Teilnehmenden erhielten die Behandlung jeweils sieben Tage lang. Die Ketonwerte waren während der Einnahme höher als ohne Dapagliflozin. Ketone entstehen, wenn der Körper vermehrt Fett zur Energiegewinnung abbaut; stark erhöhte Werte können bei Diabetes mit einer Ketoazidose einhergehen.
Während der Studie trat keine diabetische Ketoazidose auf. Wegen der kleinen Teilnehmerzahl und der kurzen Behandlungsdauer beantwortet die Untersuchung jedoch nicht, wie Nutzen und Risiken langfristig ausfallen. Sie ist kein Grund, Dapagliflozin bei Typ-1-Diabetes allgemein einzusetzen oder Insulin zu verändern. Wer das Medikament bereits einnimmt, sollte Fragen zu Ketonen und möglichen Risiken mit der behandelnden Fachperson klären.
Genetik verspricht noch keinen Einzeltest
Forschende untersuchen inzwischen einzelne Zellen und grenzen genetische Risikosignale genauer ein. Außerdem nutzen sie maschinelles Lernen, bei dem Computerverfahren Muster in Daten erkennen. So wollen sie die Risikosignale bestimmten Genen und biologischen Abläufen zuordnen. Eine Übersichtsarbeit in Diabetologia beschreibt, wie diese Forschung langfristig zu einem genaueren Verständnis der unterschiedlichen Formen von Typ-2-Diabetes beitragen könnte.
Für einzelne Patientinnen und Patienten ergibt sich daraus derzeit noch keine verlässliche genetische Auswahl der Behandlung. Auch neue Medikamentenklassen werden in Studien geprüft, doch Ergebnisse aus frühen oder mittleren Studienphasen sind kein Versprechen für den persönlichen Behandlungserfolg. Ob ein Wirkstoff im Alltag infrage kommt, hängt davon ab, ob er zugelassen ist, welche Nebenwirkungen auftreten, wie lange die Studien dauern, welche Kosten entstehen und ob die Behandlung zugänglich ist.
Befunde richtig einordnen
Bei neuen Diabetesmeldungen helfen drei Fragen: Wurden Menschen oder Tiere untersucht? Wie viele Personen nahmen teil und wie lange dauerte die Studie? Wurde ein Nutzen für die Gesundheit gemessen oder nur ein biologischer Ablauf untersucht?
Die Remissionszahlen aus einem betreuten Gewichtsprogramm beschreiben eine bestimmte Studiengruppe. Die Insulinstudie bei Nierenerkrankung liefert einen ersten Hinweis für eine spezielle Patientengruppe. Der Präventionsansatz bei Typ-1-Diabetes bleibt ein Tierversuch. Für keine dieser Befunde folgt automatisch eine individuelle Therapieentscheidung.