Bei Typ-1-Diabetes greift das Immunsystem die Betazellen an. Diese Zellen in der Bauchspeicheldrüse bilden Insulin. Dadurch produziert der Körper immer weniger Insulin. Dieses Hormon hilft, den Blutzucker zu steuern: Es bringt Glukose zu den Körperzellen, wo sie genutzt wird, und ermöglicht ihre Speicherung. Fehlt Insulin, steigt der Zuckergehalt im Blut. Typ-1-Diabetes kann in jedem Alter beginnen und erfordert eine Behandlung mit Insulin.
Der Unterschied zu Typ-2-Diabetes liegt vor allem darin, warum Insulin nicht ausreichend wirkt: Bei Typ 1 steht meist der Verlust der körpereigenen Insulinproduktion im Vordergrund. Bei Typ 2 reagieren Körpergewebe zunächst schlechter auf Insulin; später kann auch die Insulinproduktion nachlassen.
Wie Insulin den Blutzucker regelt
Nach einer Mahlzeit gelangt Glukose, also Traubenzucker, aus der Nahrung ins Blut. Insulin unterstützt unter anderem Muskel- und Fettgewebe dabei, Glukose aufzunehmen. Insulin beeinflusst auch, wie die Leber Glukose speichert oder ins Blut abgibt, und trägt so dazu bei, den Blutzucker in einem passenden Bereich zu halten.

Bei Typ-1-Diabetes greift das Immunsystem die Betazellen nach und nach an. Sie bilden dadurch immer weniger Insulin. Die genauen Ursachen sind nicht vollständig geklärt. Typ 1 gehört zu den Autoimmunerkrankungen, bei denen sich das Immunsystem gegen körpereigene Zellen richtet. Süßigkeiten und mangelnde Bewegung verursachen Typ 1 ebenso wenig wie eine bestimmte Ernährungsweise.

Warum der Blutzucker steigt
Wenn Insulin fehlt, kann der Körper Glukose nicht mehr wie gewohnt aufnehmen, nutzen und speichern. Zugleich gibt die Leber weiter Glukose ins Blut ab. Der Blutzucker steigt, obwohl Körpergewebe nicht ausreichend mit Energie versorgt werden.
Bei deutlich erhöhtem Blutzucker gelangt Glukose in den Urin und zieht dort Wasser mit sich. Betroffene müssen deshalb häufig Wasser lassen und bekommen starken Durst. Müdigkeit und ungewollter Gewichtsverlust können ebenfalls auftreten. Die Beschwerden entwickeln sich bei Typ 1 oft innerhalb von Tagen oder Wochen; bei Erwachsenen kann der Beginn langsamer verlaufen.

Fehlt sehr viel Insulin, baut der Körper vermehrt Fett ab, um Energie zu gewinnen. Dabei entstehen Ketonkörper, die bei starker Ansammlung das Blut übersäuern. Diese gefährliche Komplikation heißt diabetische Ketoazidose.
Typ 1 und Typ 2 im Vergleich
| Merkmal | Typ-1-Diabetes | Typ-2-Diabetes |
|---|---|---|
| Hauptmechanismus | Das Immunsystem schädigt die insulinbildenden Betazellen. | Körpergewebe reagieren zunächst schlechter auf Insulin. |
| Insulinproduktion | Sie nimmt ab; es entsteht ein ausgeprägter Insulinmangel. | Die Bauchspeicheldrüse bildet anfangs oft mehr Insulin. Später kann die Produktion nachlassen. |
| Typischer Verlauf | Beschwerden können rasch auftreten, der Beginn kann aber auch langsamer sein. | Die Erkrankung entwickelt sich häufig schleichend und bleibt lange unbemerkt. |
| Behandlung | Insulin muss zugeführt werden. | Je nach Situation helfen Änderungen des Lebensstils, Medikamente und gegebenenfalls Insulin. |
Beide Formen können in jedem Alter auftreten. Körpergewicht und Alter allein zeigen nicht, welcher Typ vorliegt. Typ 1 ist nicht auf Kinder beschränkt, und Typ 2 lässt sich nicht auf Körpergewicht oder Willenskraft reduzieren. Rund 90 Prozent der Diabetesfälle in Deutschland entfallen auf Typ 2.
Wie Ärztinnen und Ärzte den Typ bestimmen
Blutzucker- und HbA1c-Tests helfen, Diabetes festzustellen. Der HbA1c-Wert gibt Aufschluss über den durchschnittlichen Blutzucker der vergangenen Wochen. Diese Werte zeigen für sich allein jedoch nicht zuverlässig, ob Typ 1 oder Typ 2 vorliegt.
Für die Einordnung können Ärztinnen und Ärzte nach Autoantikörpern suchen. Das sind Abwehrstoffe, die sich gegen Bestandteile des eigenen Körpers richten. Ein weiterer möglicher Test misst das C‑Peptid, das Hinweise darauf gibt, wie viel Insulin der Körper selbst bildet. Beschwerden, Alter oder Gewicht reichen für eine sichere Zuordnung nicht aus. Bei starkem Durst, häufigem Wasserlassen und ungeklärtem Gewichtsverlust sollte eine ärztliche Abklärung zeitnah erfolgen.
Behandlung und akute Warnzeichen
Bei Typ-1-Diabetes ersetzt zugeführtes Insulin das fehlende körpereigene Hormon. Es wird zum Beispiel mit einem Insulinpen oder einer Pumpe verabreicht. Die benötigte Menge muss an die individuelle Situation angepasst werden: Zu wenig Insulin lässt den Blutzucker ansteigen, zu viel kann eine Unterzuckerung auslösen. Zur Behandlung gehören deshalb auch die Kontrolle des Blutzuckers und eine Schulung zum Umgang mit der Erkrankung.

Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, tiefe oder erschwerte Atmung, Benommenheit oder süßlich-fruchtiger Atem können auf eine Ketoazidose hinweisen. Bei Atemproblemen, Bewusstseinsstörungen oder schwerem Krankheitsgefühl ist sofort medizinische Hilfe nötig. In akuter Gefahr sollte der Rettungsdienst alarmiert werden. Eine mögliche Ketoazidose ist ein Notfall und sollte nicht selbst behandelt werden.