In Deutschland leben mehr Menschen mit Typ-2-Diabetes als früher. Die künftige Zahl hängt davon ab, wie viele Menschen neu erkranken, wie sich die Altersstruktur der Bevölkerung entwickelt und wie lange Menschen mit der Diagnose leben. Die jüngste Projektion des Robert Koch-Instituts (RKI) schätzt für 2022 rund 6,05 Millionen diagnostizierte Fälle. Bis 2050 könnte die Zahl je nach Annahme weiter steigen.

Die Inzidenz bezeichnet die Zahl der Neuerkrankungen in einem Zeitraum. Die Prävalenz gibt an, wie viele Menschen zu einem bestimmten Zeitpunkt mit der Krankheit leben. Eine steigende Prävalenz bedeutet deshalb nicht automatisch, dass jedes Jahr mehr Menschen neu erkranken.
Wie stark die Zahl steigen könnte
Die RKI-Projektion von 2025 berechnet mehrere Szenarien und zeigt, wie stark die Ergebnisse davon abhängen, ob sich die Neuerkrankungsrate verändert:
Die Werte für 2050 sind Szenarien, keine sicheren Vorhersagen. Sie beruhen auf festgelegten Annahmen. Wenn Menschen mit Diabetes länger leben, steigt die Zahl der Menschen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt mit Diabetes leben.
Eine weitere Projektion, die 2025 veröffentlicht wurde, zeigt die Unsicherheit für die Entwicklung bis 2040. Je nachdem, ob die Inzidenz auf dem beobachteten Stand bleibt oder der Trend von 2015 bis 2021 anhält, errechnet sie 10,9 oder 14,2 Millionen Fälle. Die abweichenden Zahlen beruhen auf anderen Zeiträumen und Annahmen und lassen sich nicht direkt mit der RKI-Projektion vergleichen.
Warum die Prävalenz wächst
Die Alterung der Bevölkerung trägt zum Anstieg bei, weil Typ-2-Diabetes im mittleren und höheren Erwachsenenalter häufiger ist. Laut RKI-Daten für 2022 hatten rund 20 Prozent der Menschen ab 65 Jahren einen bekannten Diabetes. Bei den 45- bis 64-Jährigen waren es 10,7 Prozent und bei den 18- bis 44-Jährigen 2,7 Prozent. Diese Werte umfassen alle Diabetesformen, nicht nur Typ 2.

Wenn Betroffene länger mit der Erkrankung leben, steigt ebenfalls die Prävalenz. Wenn weniger Betroffene vorzeitig sterben, bleibt die Zahl der Menschen mit Diabetes höher, selbst wenn die Zahl der Neuerkrankungen nicht im gleichen Maß steigt. Die RKI-Projektion berücksichtigt daher sowohl neue Fälle als auch die Übersterblichkeit, also eine erhöhte Sterblichkeit im Vergleich zu Menschen ohne Diabetes.
Welche Rolle Risikofaktoren spielen
Adipositas erhöht das Risiko für Typ-2-Diabetes. Nach einer RKI-Auswertung stieg der Anteil der Erwachsenen mit Adipositas in Deutschland von 12,2 Prozent im Jahr 2003 auf 19,7 Prozent im Jahr 2023. Bewegungsmangel und ungünstige Ernährungsgewohnheiten zählen ebenfalls zu den beeinflussbaren Risikofaktoren. Auch die genetische Veranlagung spielt eine Rolle.

Adipositas und Diabetes nehmen parallel zu. Dieser Gleichlauf belegt jedoch nicht, dass Adipositas allein die wachsende Zahl der Diabetesfälle verursacht. Das RKI weist für die künftige Entwicklung keine Anteile einzelner Risikofaktoren aus. Wer persönlich vorbeugen möchte, sollte beeinflussbare Risiken mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen. Die steigenden Fallzahlen lassen sich nicht auf einen einzigen Faktor zurückführen.

Die sozialen Unterschiede zeigen sich auch bei bekanntem Diabetes: 2022 berichteten 18,3 Prozent der Erwachsenen in der niedrigen Bildungsgruppe von einem bekannten Diabetes, gegenüber 7,7 Prozent in der mittleren und 5,0 Prozent in der hohen Bildungsgruppe. Die Zahlen umfassen alle Diabetesformen. Sie zeigen, dass Vorbeugung und Versorgung auch die Lebensbedingungen berücksichtigen müssen. Sie können sich nicht allein auf das Verhalten einzelner Menschen stützen.
Steigen die Neuerkrankungen jedes Jahr?
Nein. Die Neuerkrankungsrate stieg in den vergangenen Jahren nicht durchgehend. Eine Auswertung von Daten aus der Gesundheitsversorgung für 2015 bis 2021 zeigte zunächst einen Rückgang bis etwa 2017. Danach stieg die Rate in vielen Altersgruppen leicht. Während der Pandemie könnte der Rückgang 2020 teilweise mit weniger Arztkontakten und späteren Diagnosen zusammenhängen. Der Anstieg 2021 könnte deshalb zum Teil nachgeholte Diagnosen abbilden. Anhand der Daten lässt sich nicht eindeutig sagen, ob Diagnosen nur später gestellt wurden oder sich das Erkrankungsrisiko tatsächlich verändert hat.
Eine Untersuchung aus Bayern zeigte für 2012 bis 2021 ebenfalls einen Rückgang der Inzidenz, der sich nach 2017 verlangsamte. Da sie nur Abrechnungsdaten aus Bayern untersuchte, lässt sich das Ergebnis nicht ohne Weiteres auf ganz Deutschland übertragen.
Gleichzeitig nahm der Anteil der Erwachsenen mit bekanntem Diabetes langfristig zu: laut RKI von 5,8 Prozent im Jahr 2003 auf 10,2 Prozent im Jahr 2022. Diese Zahlen beziehen sich auf diagnostizierten Diabetes insgesamt und nicht nur auf Typ 2.
Was die Zahlen für die Zukunft bedeuten
Die Prognosen beschreiben diagnostizierte Fälle. Menschen mit noch nicht erkanntem Diabetes sind darin nicht vollständig enthalten. Studien verwenden unterschiedliche Daten, Altersgruppen und Definitionen. Ihre Gesamtzahlen sollten daher nur zusammen mit der jeweiligen Methode und dem Bezugsjahr betrachtet werden.
Für die weitere Entwicklung zählt vor allem, ob die Zahl der Neuerkrankungen sinkt. Einzelne Menschen können etwas für ihre Gesundheit tun, etwa indem sie mit medizinischer Unterstützung Bewegung, Ernährung oder ihr Gewicht angehen. Eine ärztliche Beratung hilft, persönliche Risikofaktoren einzuordnen und passende Vorsorge zu besprechen. Wirksame Präventionsangebote brauchen außerdem gute Zugänge für Menschen mit unterschiedlichen sozialen und gesundheitlichen Voraussetzungen.