Derzeit gibt es keine verlässliche Zahl dafür, wie viele Menschen in Deutschland Diabetes haben, ohne es zu wissen. Der häufig genannte Wert von 2 Prozent stammt aus einer repräsentativen historischen Untersuchung. Er gibt an, wie viele Menschen damals unerkannten Diabetes hatten. Auf heute lässt er sich nicht einfach übertragen.
Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der der Blutzucker dauerhaft erhöht ist. Eine Dunkelziffer bezeichnet hier die Fälle, die noch nicht ärztlich diagnostiziert wurden. Neuere Zahlen zur bekannten Erkrankung gibt es: 2024 berichteten 10,3 Prozent der Erwachsenen, eine Diabetesdiagnose erhalten zu haben. Diese Zahl schließt unerkannte Fälle nicht ein.
Wie groß war die Dunkelziffer?
Die RKI-Studie DEGS1 untersuchte Erwachsene. In der damaligen Erhebung hatten nach ihren Ergebnissen 7,2 Prozent einen bekannten und 2,0 Prozent einen unerkannten Diabetes. Zusammen lag die geschätzte Häufigkeit damit bei 9,2 Prozent. Die Forschenden bestimmten unerkannte Fälle anhand eines erhöhten HbA1c-Werts. HbA1c ist ein Blutwert, der Hinweise auf den durchschnittlichen Blutzucker der vergangenen Wochen gibt.

Eine weitere Auswertung derselben Erhebung betrachtete Menschen einer höheren Altersgruppe. In dieser Altersgruppe hatten 2,9 Prozent einen unerkannten Typ-2-Diabetes. Der Wert liegt höher, weil die Auswertung Menschen einer älteren und damit stärker gefährdeten Altersgruppe betrachtete. Etwa ein Viertel der Diabetesfälle in dieser Altersgruppe war damals unerkannt.
Diese Ergebnisse zeigen, dass es in Deutschland unentdeckten Diabetes gibt. Sie sagen nicht, wie viele Menschen heute betroffen sind. Eine aktuelle Schätzung erfordert repräsentative Untersuchungen mit Bluttests in der Bevölkerung; solche Daten fehlen.
Was aktuelle Zahlen messen
Die 10,3 Prozent aus dem Jahr 2024 stammen aus einer Befragung. Erwachsene gaben an, ob eine Ärztin oder ein Arzt bei ihnen Diabetes festgestellt hatte. Der Anteil steigt deutlich mit dem Alter.

Andere Erhebungen kommen auf abweichende Werte, weil sie andere Gruppen und Methoden verwenden. Befragungen erfassen selbst berichtete Diagnosen. Krankenkassendaten zählen dokumentierte Diagnosen bei Versicherten. Blutuntersuchungen können auch Fälle aufdecken, die noch niemand diagnostiziert hat. Deshalb lassen sich diese Zahlen nicht ohne Weiteres zu einer aktuellen Gesamtquote addieren.
Insbesondere wäre es nicht sachgerecht, die historischen 2,0 Prozent unerkannter Fälle einfach zu den 10,3 Prozent mit bekannter Diagnose aus dem Jahr 2024 hinzuzuzählen. Dafür fehlen vergleichbare Daten aus demselben Zeitraum und derselben Bevölkerungsgruppe.
Wie viele Fälle kommen jährlich hinzu?
Die Zahl neuer Diagnosen beschreibt die Inzidenz. Sie unterscheidet sich von der Prävalenz, also dem Anteil der Bevölkerung, der bereits mit Diabetes lebt. In einer Auswertung von Daten für rund 63 Millionen gesetzlich Versicherte wurden zwischen 2014 und 2019 neue Fälle von Typ-2-Diabetes erfasst.

Die Auswertung zählt neue Fälle, die nach einer festgelegten Methode in Krankenkassendaten erfasst wurden. Der Zeitpunkt, an dem eine Diagnose erstmals in den Daten erscheint, muss nicht dem Beginn der Erkrankung entsprechen. Insgesamt sank die Inzidenz in diesem Zeitraum. Die Entwicklung unterschied sich nach Altersgruppe.
Was Todeszahlen aussagen
Die Todesursachenstatistik zählt Todesfälle, bei denen Diabetes mellitus als Todesursache eingetragen wurde. Sie zählt nicht automatisch jeden Todesfall, bei dem Diabetes als Begleiterkrankung oder über Folgeerkrankungen eine Rolle spielte.
Eine RKI-Auswertung von Daten gesetzlich Versicherter für 2014 verglich die Gesamtsterblichkeit von Erwachsenen ab 30 Jahren mit und ohne dokumentierten Diabetes. Die Auswertung ist historisch und auf gesetzlich Versicherte begrenzt. Todesfälle mit Diabetes als eingetragener Ursache und die Gesamtsterblichkeit von Menschen mit Diabetes beantworten unterschiedliche Fragen.
Was Sie bei Sorgen tun können
Die Bevölkerungszahlen erlauben keine Aussage darüber, ob eine einzelne Person Diabetes hat. Wer sich wegen des eigenen Risikos oder möglicher Beschwerden Sorgen macht, kann das in einer Hausarztpraxis ansprechen. Dort lässt sich anhand der persönlichen Situation klären, ob eine Blutuntersuchung sinnvoll ist und welcher Test infrage kommt.

Die historische Dunkelziffer von 2 Prozent sagt nichts über das persönliche Risiko aus und gibt nicht an, wie häufig Diabetes heute diagnostiziert wird. Sie zeigt nur, dass bei der damaligen Untersuchung ein Teil der Erkrankungen noch unerkannt war.