Urin-Teststreifen weisen bestimmte Stoffe nach, indem sich ein Feld auf dem Streifen verfärbt. Je nach Test misst das Feld zum Beispiel Glukose, Ketone oder Eiweiß. Bei Diabetes können die Ergebnisse Hinweise geben. Sie ersetzen aber weder eine Blutzuckermessung noch ärztliche Untersuchungen.

Editorial illustration for Urin-Teststreifen bei Diabetes: Möglichkeiten und Grenzen

Ein auffälliges Farbfeld stellt keine Diagnose. Der Test erfasst nur bestimmte Stoffe im Urin. Das Ergebnis hängt unter anderem davon ab, wie die Probe beschaffen ist und welcher Teststreifen verwendet wird. Auch der Zeitpunkt des Ablesens spielt eine Rolle. Eine Ärztin oder ein Arzt sollte den Befund beurteilen und bei Bedarf mit einer passenden Untersuchung überprüfen.

Was die Testfelder anzeigen

Ein Glukosefeld zeigt, ob sich Zucker im Urin nachweisen lässt. Daraus lässt sich kein bestimmter Blutzuckerwert ableiten. Auch Diabetes lässt sich damit weder feststellen noch ausschließen. Für die Diagnose werden Blutzuckerwerte im Blutplasma oder der Langzeitblutzuckerwert HbA1c herangezogen. Die American Diabetes Association empfiehlt Uringlukose auch nicht als Ersatz für regelmäßige Blutzuckermessungen.

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Ein Ketonfeld weist vor allem Acetoacetat nach. Acetoacetat ist einer von mehreren Ketonkörpern. Bei einer diabetischen Ketoazidose, einer gefährlichen Stoffwechselentgleisung, spielt im Blut besonders der Ketonkörper β‑Hydroxybutyrat eine wichtige Rolle. Ein Urinstreifen misst diesen Stoff nicht direkt. Ketone im Urin treten auch beim Fasten auf.

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Ein Eiweißfeld zeigt deutlich erhöhte Eiweißmengen an. Herkömmliche Streifen erkennen frühe, geringere Mengen des Eiweißstoffs Albumin jedoch oft nicht. Bei Diabetes lässt sich Albumin im Urin mit dem Albumin-Kreatinin-Quotienten beurteilen, kurz UACR. Dafür wird die Albuminmenge mit der Kreatininmenge verglichen. So berücksichtigt der UACR Unterschiede darin, wie stark der Urin verdünnt ist, besser als ein Streifentest allein.

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Weitere Felder können Blut, Leukozyten, Nitrit, den Säuregrad oder die Konzentration des Urins anzeigen. Diese Befunde hängen nicht speziell mit Diabetes zusammen und können verschiedene Ursachen haben. Deshalb sollte eine Ärztin oder ein Arzt ein auffälliges Feld zusammen mit Beschwerden, der Krankengeschichte und gegebenenfalls weiteren Laborwerten beurteilen.

So wenden Sie Streifen an

Je nach Produkt unterscheiden sich die Handhabung und der Zeitpunkt, zu dem Sie das Ergebnis ablesen. Folgen Sie deshalb der Packungsbeilage des verwendeten Tests. Allgemein gehen Sie so vor:

  1. Verwenden Sie eine frische Urinprobe in einem sauberen, trockenen Gefäß.
  2. Befeuchten Sie das Testfeld nach Anleitung. Entfernen Sie überschüssigen Urin, wenn die Anleitung es verlangt.
  3. Lesen Sie das Ergebnis erst nach der angegebenen Zeit ab. Eine spätere Farbänderung zählt nicht automatisch zum Ergebnis.
  4. Prüfen Sie Verfallsdatum und Lagerungshinweise. Feuchtigkeit oder eine nicht richtig verschlossene Verpackung können die Testfelder beeinträchtigen.

Vergleichen Sie die Farbe nur mit der Skala des verwendeten Produkts und zum angegebenen Zeitpunkt. Die Farbstufen sind nicht bei allen Produkten gleich. Ändern Sie Medikamente oder Insulin nicht allein aufgrund eines Streifenergebnisses.

Warum ein Farbfeld täuschen kann

Ein Streifen misst nur bestimmte Stoffe und zeigt nicht genau, wie viel davon im Urin ist. Bei einer beginnenden Ketoazidose kann ein Urintest die Ketone unterschätzen, weil er β‑Hydroxybutyrat nicht erfasst. Wenn sich eine Ketoazidose bessert, kann der Urintest noch erhöhte Werte anzeigen. Dabei wird ein Teil des β‑Hydroxybutyrats zu Acetoacetat umgewandelt. Ein Bluttest auf β‑Hydroxybutyrat liefert direktere Informationen zur Beurteilung und zur Kontrolle des Verlaufs.

Ein auffälliger Albuminwert im Urin muss nicht dauerhaft erhöht bleiben, denn die Albuminausscheidung schwankt. Fieber, eine Infektion und starke körperliche Belastung können den UACR vorübergehend erhöhen. Das gilt auch für ausgeprägte Überzuckerung, Menstruation und stark erhöhten Blutdruck. Die ADA-Leitlinie für 2026 empfiehlt deshalb, bei erhöhten Werten zwei von drei Urinproben innerhalb von drei bis sechs Monaten zu berücksichtigen, bevor von einer anhaltenden Albuminurie ausgegangen wird.

Auch Urinfarbe, Medikamente, Lagerung und Zeitpunkt des Ablesens können das Ergebnis beeinflussen. Manche Hersteller nennen Störfaktoren für ihre Produkte. Diese Angaben gelten nicht automatisch für alle Teststreifen. Ein einzelner Farbwechsel zeigt deshalb nicht sicher, was die Ursache ist oder wie schwer der Befund ist.

Welche Untersuchungen weiterhelfen

Bei Diabetes messen Ärztinnen und Ärzte den Blutzucker mit passenden Bluttests. Für die Nierenfunktion prüfen sie vor allem den UACR und die eGFR. Die eGFR ist ein Schätzwert dafür, wie viel Blut die Nieren pro Minute filtern. Ein gewöhnlicher Eiweißstreifen ersetzt diese Messungen nicht.

Deutsche Fachgesellschaften empfehlen teilweise unterschiedliche Abstände für Nierenuntersuchungen bei Menschen mit Typ‑2‑Diabetes. Die Nationale VersorgungsLeitlinie Typ‑2‑Diabetes beschreibt diese Unterschiede. Ein einzelner Urinstreifen kann eine Nierenerkrankung in keinem Fall klären.

Wann Hilfe nötig ist

Bei Diabetes sind Ketone zusammen mit Übelkeit, Erbrechen oder Bauchschmerzen ein Warnsignal. Auch tiefe oder schnelle Atmung sowie starke Benommenheit oder Verwirrtheit gehören zu diesem Warnsignal. Warten Sie dann nicht auf eine weitere Urinmessung. Holen Sie sofort medizinische Hilfe. Ein Urinketonstreifen kann eine Ketoazidose weder sicher bestätigen noch ausschließen.

Lassen Sie auch ein Feld, das wiederholt auffällig ist, ärztlich beurteilen, selbst wenn Sie keine akuten Beschwerden haben. Je nach Befund kommen eine neue Urinprobe, ein UACR oder Blutuntersuchungen infrage. Welche Untersuchung geeignet ist, hängt davon ab, welches Feld auffällig war und ob Sie Beschwerden haben.