Durchfall und Unterzuckerung treten bei Menschen mit Diabetes gelegentlich gleichzeitig auf. Durchfall ist kein typisches Warnzeichen einer Unterzuckerung, kann aber indirekt mit niedrigen oder stark schwankenden Blutzuckerwerten zusammenhängen: Bei einer Magen-Darm-Erkrankung essen Betroffene weniger, während blutzuckersenkende Medikamente weiterwirken. Eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) liegt nach dem Richtwert von diabetesDE vor, wenn der Blutzucker unter 70 mg/dl beziehungsweise 3,9 mmol/l fällt.
Was als Unterzuckerung gilt
Die American Diabetes Association (ADA) nennt als mögliche Zeichen einer Unterzuckerung unter anderem Zittern, Schwitzen, Herzklopfen, Schwindel, Hunger, Übelkeit, Schwäche und Verwirrtheit. Durchfall erscheint in dieser Liste nicht. Durchfall kann zusammen mit einer Unterzuckerung vorkommen, ist aber allein kein verlässlicher Hinweis auf einen niedrigen Blutzucker.
Die Symptome fallen von Person zu Person unterschiedlich aus und hängen auch von der Vorgeschichte ab. Ein einzelnes Gefühl ersetzt deshalb keine Messung. Wer unsicher ist, ob der Wert gerade niedrig liegt, sollte den Blutzucker messen oder die Daten des kontinuierlichen Glukosemonitorings (CGM) prüfen. Der Richtwert von unter 70 mg/dl beziehungsweise 3,9 mmol/l ist eine Orientierung; die individuellen Zielbereiche können davon abweichen.
Wie Durchfall und Blutzucker zusammenhängen
Durchfall kann auf indirektem Weg das Risiko für niedrige Werte erhöhen. Bei einer Magen-Darm-Erkrankung fällt das Essen schwer, manchmal fällt eine Mahlzeit ganz aus. Nimmt der Körper weniger Nahrung auf, während Insulin oder bestimmte blutzuckersenkende Tabletten weiterwirken, entsteht ein Missverhältnis zwischen Medikamentenwirkung und verfügbarer Glukose. Die ADA nennt zu wenig oder verspätetes Essen als mögliche Auslöser niedriger Werte und weist darauf hin, dass Insulin und bestimmte Diabetesmedikamente Unterzuckerungen verursachen können. Auch diabetesDE führt Erbrechen und Durchfall als Situationen auf, in denen Unterzuckerungen möglich sind.
Daraus folgt keine automatische Kausalität. Ob der Blutzucker fällt, hängt von der Nahrungsaufnahme, dem Verlauf der Erkrankung und der Therapie ab. Durchfall führt nicht zwangsläufig zu niedrigen Werten.
Gleichzeitig kann eine Erkrankung den Blutzucker auch erhöhen. Infekte lösen Stressreaktionen aus, bei denen der Körper Hormone ausschüttet, die den Blutzucker ansteigen lassen. Die ADA beschreibt diese krankheitsbedingte Hormonausschüttung als möglichen Grund für erhöhte Werte. diabetesDE berichtet bei Infekten, einschließlich Magen-Darm-Infekten, sowohl von hohen als auch von niedrigen Werten und von starken Schwankungen. Diese Aussagen widersprechen sich nicht: Sie beschreiben unterschiedliche Einflüsse, die gleichzeitig wirken können. Durchfall sagt deshalb nicht zuverlässig voraus, in welche Richtung der Blutzucker gerade tendiert.
Weitere mögliche Ursachen von Durchfall
Als Durchfall gelten nach der Definition des National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases (NIDDK) drei oder mehr lockere, wässrige Stühle am Tag, oder eine deutliche Abweichung vom persönlichen Normalzustand. Durchfall bei Diabetes hat nicht immer einen direkten Zusammenhang mit dem Blutzucker. Infekte, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, funktionelle Darmerkrankungen und Medikamente kommen als Ursachen infrage. Das NIDDK nennt Medikamente allgemein als mögliche Durchfallursache und beschreibt einen Zusammenhang zwischen Metformin und Durchfall. Eine ältere deutsche Patientenleitlinie führt Magen-Darm-Beschwerden einschließlich Durchfall ebenfalls als mögliche Nebenwirkung von Metformin auf.
Eine Arzneimittel-Nebenwirkung erklärt für sich genommen nicht, warum der Blutzucker niedrig ist. Die Unterzuckerungsgefahr hängt vom Wirkstoff und der übrigen Behandlung ab. diabetesDE unterscheidet Behandlungen mit Insulin oder Sulfonylharnstoffen, bei denen Unterzuckerungen häufiger auftreten können, von einer alleinigen Metformin-Therapie. Diese Unterscheidung lässt sich nicht ohne Weiteres auf Kombinationstherapien übertragen.
Bei länger bestehendem Diabetes können zudem Nervenschäden eine Rolle spielen. Eine autonome Neuropathie, also eine Schädigung der unbewusst arbeitenden Nerven, kann die Verdauung beeinträchtigen und die Wahrnehmung von Unterzuckerungen vermindern. Das NIDDK führt Durchfall, teils nachts oder im Wechsel mit Verstopfung, als mögliche Verdauungsbeschwerde bei autonomer Neuropathie auf. Dieselbe Quelle erklärt, dass autonome Neuropathie die Wahrnehmung von Unterzuckerungssymptomen abschwächen kann. Die Ursachenlage ist jedoch unsicher: Das NIDDK nennt Infektionen, Medikamente und Reizdarm als weitere mögliche Erklärungen und hält die Häufigkeit eines rein autonom bedingten diabetischen Durchfalls für unklar. Aus zwei Symptomen lässt sich deshalb keine Diagnose ableiten.
Wann ärztliche Abklärung nötig ist
Symptome allein unterscheiden nicht zuverlässig zwischen Infekt, Medikamentennebenwirkung, Unverträglichkeit und Nervenschädigung. Wer wiederholt Durchfall hat oder die Kombination aus Durchfall und unklaren Blutzuckerwerten erlebt, sollte die Ursache ärztlich abklären lassen.
Einige Situationen erfordern rasche medizinische Hilfe. Verwirrtheit, Bewusstlosigkeit und Krampfanfälle sind Notfallzeichen einer schweren Unterzuckerung. Auch bei deutlicher Austrocknung oder wenn Flüssigkeit nicht behalten werden kann, ist ärztliche Unterstützung nötig. Die ADA empfiehlt, Fragen zu Krankheitstagen nicht erst während einer Erkrankung zu klären, sondern vorher mit dem Behandlungsteam einen persönlichen Plan zu besprechen. Dazu gehört, wann gemessen wird, wie mit Mahlzeiten umgegangen wird und wann Hilfe geholt werden sollte. Eine Änderung von Insulin- oder Tablettendosen gehört nicht in einen allgemeinen Ratgeber, sondern in die Absprache mit der behandelnden Person.