Wer auf Instagram, TikTok oder Facebook nach Diabetes-Tipps sucht, findet hilfreiche Erfahrungsberichte. Daneben stehen Heilungsversprechen, unbelegte Mittel und falsche Behauptungen über Medikamente. Forschende des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) warnen vor solchen Gesundheitsinformationen, wenn sie Menschen dazu bringen, ihre Behandlung ohne ärztliche Rücksprache zu ändern.

Editorial illustration for Falschinformationen über Diabetes erkennen

Zu den Beispielen des DDZ gehörten angebliche Leberreinigungen, Behauptungen über wirkungslose Diabetes-Medikamente und die Aussage, Typ-1-Diabetes lasse sich allein durch Ernährung heilen. Solche Beispiele zeigen Warnmuster, belegen aber nicht, wie häufig falsche Diabetes-Beiträge in sozialen Medien vorkommen. Eine repräsentative Zahl für deutschsprachige Beiträge liegt nicht vor.

Welche Warnzeichen zählen?

Prüfen Sie zuerst, was ein Beitrag behauptet und ob jemand davon profitiert. Besonders genau sollten Sie hinsehen, wenn ein Video eine schnelle Heilung verspricht, Medikamente pauschal als unnötig darstellt oder zum Kauf eines bestimmten Mittels auffordert. Das DDZ berichtete 2026 auch über Kanäle, die behaupten, unterdrücktes Wissen zu vermitteln, oder bekannte Personen in künstlich erzeugten Videos nachahmen. Solche manipulierten Videos werden als Deepfakes bezeichnet.

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Achten Sie beim Prüfen auf diese Punkte:

  • Wer macht die Aussage? Suchen Sie nach dem Namen, der konkreten Qualifikation und einer nachvollziehbaren beruflichen Zugehörigkeit. Ein Titel oder ein professionell gestaltetes Profil belegt allein keine Fachkenntnis. Umgekehrt garantiert auch ein ärztlicher Titel keine richtige Aussage.
  • Wird etwas verkauft? Prüfen Sie, ob ein Nahrungsergänzungsmittel, ein Gerät oder ein kostenpflichtiges Programm beworben wird. Eine Verkaufsabsicht beweist nicht automatisch, dass die Aussage falsch ist. Prüfen Sie die Aussage deshalb anhand einer unabhängigen Quelle.
  • Wie groß ist das Versprechen? Eine angebliche Heilung, ein Wundermittel oder die Aufforderung, eine ärztlich verordnete Behandlung abzusetzen, sind deutliche Warnsignale. Für Typ-1-Diabetes ersetzt eine Ernährungskur die notwendige Insulinbehandlung nicht.
  • Worauf stützt sich der Beitrag? Eine persönliche Geschichte kann anderen Mut machen, belegt aber nicht, dass eine Behandlung wirkt oder für andere geeignet ist. Achten Sie darauf, ob der Beitrag überprüfbare Belege nennt und Grenzen oder Risiken anspricht.
  • Ist die Empfehlung echt? Prüfen Sie, ob Fachgesellschaften oder bekannte Fachleute tatsächlich hinter einer Empfehlung stehen. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft und weitere Verbände warnten 2025 vor gefälschten Logos, falschen Empfehlungen und irreführender Werbung für angebliche Wundermittel und Messgeräte.

Was tun vor einer Änderung?

Ändern oder beenden Sie Medikamente nicht aufgrund eines Beitrags in sozialen Medien. Besprechen Sie Änderungen an Medikamenten, Ihrer Ernährung oder Ihrem Alltag mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder dem Behandlungsteam. Das gilt auch dann, wenn ein Beitrag von einer Person stammt, die selbst mit Diabetes lebt oder eine medizinische Qualifikation angibt.

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Das nationale Diabetesinformationsportal diabinfo.de eignet sich zum Gegencheck. Es wird gemeinsam vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung, dem DDZ und Helmholtz Munich getragen; nach Angaben des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung prüfen medizinische und wissenschaftliche Fachleute die Inhalte. Prüfen Sie die konkrete Behauptung, statt nur nach einem ähnlichen Schlagwort zu suchen. Bei einem angebotenen Produkt sollten Sie außerdem prüfen, wer es verkauft und ob Kontakt- und Anbieterangaben nachvollziehbar sind.

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Was Zahlen aussagen

Eine Befragung der Technischen Universität München ergab für 2024, dass 75,8 Prozent der internetnutzenden Erwachsenen in Deutschland eine niedrige Gesundheitskompetenz aufwiesen. Gemeint sind Schwierigkeiten, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen oder anzuwenden. Die Zahl zeigt weder, wie viele Menschen falsche Informationen über Diabetes glauben, noch wie viele falsche Diabetes-Beiträge in sozialen Medien erscheinen.

Auch Studien zu einzelnen Plattformen lassen sich nur begrenzt übertragen. Eine Untersuchung bewertete 199 chinesischsprachige TikTok-Videos zu Diabetes: Die Informationsqualität war im Durchschnitt akzeptabel, unterschied sich aber je nach Quelle. Informationen zu Behandlungsentscheidungen schnitten schlechter ab. Das Ergebnis sagt nicht, wie gut deutschsprachige Videos sind. Es zeigt jedoch, dass soziale Medien nicht pauschal als unzuverlässig gelten müssen. Persönliche Erfahrungen können nützlich sein, ersetzen aber keine Belege für Wirkung und Sicherheit.