Wenn Sie einen Diabetes-Erklärtext für ein deutsches Gesundheitsportal redigieren, sollten Sie medizinische Informationen so erklären, dass Leserinnen und Leser sie verstehen, einordnen und im Gespräch mit Fachleuten nutzen können. Die Checkliste hilft Ihnen bei der Prüfung. Sie ist eine redaktionelle Arbeitshilfe und keine wissenschaftlich geprüfte Bewertungsskala.

Verständlichkeit hängt auch von Aufbau, Zahlen, Quellen und konkreten Alltagshinweisen ab. Ein allgemeiner Text ersetzt weder eine Diagnose noch eine persönliche Therapieentscheidung.

Ziel und Diabetesform klären

Klären Sie vor der Prüfung, für wen der Text geschrieben wurde und welche Frage er beantwortet. Aussagen über Typ-2-Diabetes gelten nicht automatisch auch für Typ 1, Schwangerschaftsdiabetes oder Kinder.

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  • Nennt der Text seine Zielgruppe, zum Beispiel Erwachsene mit einer neuen Diagnose oder Angehörige?
  • Ist klar, um welche Diabetesform es geht?
  • Werden Alter und Versorgungssituation eingegrenzt, wenn sie für die Aussage wichtig sind?
  • Erfahren Leserinnen und Leser früh, ob der Text Grundlagen erklärt, eine Behandlung beschreibt oder auf ein Gespräch vorbereitet?
  • Wird deutlich, dass der Text keine individuelle Diagnose oder Therapieentscheidung ersetzt?

Prüfen Sie auch, ob die Leitlinie für die beschriebene Gruppe gilt. Die Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes empfiehlt, die Vor- und Nachteile von Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten verständlich zu erklären. Diese Empfehlung gilt für Erwachsene mit Typ-2-Diabetes. Für einen Text über Typ 1 oder Schwangerschaftsdiabetes brauchen Sie passende Quellen.

Fachbegriffe verständlich erklären

Erklären Sie Fachwörter, wenn sie zum ersten Mal vorkommen. Erklären Sie auch bekannte Begriffe wie „Blutzuckerwert“, wenn der Text daraus eine konkrete Aussage ableitet.

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  • Werden Fachbegriffe beim ersten Auftreten in Alltagssprache erklärt?
  • Steht die Hauptaussage eines Abschnitts früh?
  • Behandelt jeder Absatz im Wesentlichen einen Gedanken?
  • Sind Zwischenüberschriften so konkret, dass Leserinnen und Leser die gesuchte Information finden?
  • Werden Abkürzungen, lange Satzverschachtelungen und unnötiger Passivstil vermieden?
  • Erklären Grafiken ihre Einheiten, Achsen und Vergleichsgruppen?

Ein Computerprogramm kann lange Sätze oder komplizierte Wörter markieren. Das zeigt aber nicht, ob Leserinnen und Leser die Aussage verstanden haben.

Studien und Zahlen einordnen

Jede wichtige medizinische Aussage braucht eine passende Quelle. Bei Studien sollten der Zeitraum, die untersuchte Gruppe und die Grenzen der Studie erkennbar sein. Eine einzelne Studie belegt nicht automatisch, dass ein Ergebnis für alle Menschen mit Diabetes gilt.

  • Ist erkennbar, ob eine Aussage aus einer Leitlinie, einer Einzelstudie oder einer Experteneinschätzung stammt?
  • Sind bei Zahlen die untersuchte Gruppe und der Zeitraum genannt?
  • Werden Vergleiche so erklärt, dass klar ist, worauf sie sich beziehen?
  • Sind Nutzen und mögliche Schäden mit passenden Bezugsgrößen dargestellt?
  • Werden Unsicherheiten und Einschränkungen der Forschung offen benannt?
  • Werden Ergebnisse aus einer Diabetesform nicht unmarkiert auf eine andere übertragen?

Deutsche Erhebungen zur Gesundheitskompetenz kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Sie befragen unterschiedliche Gruppen, nutzen verschiedene Befragungsmethoden und messen Gesundheitskompetenz auf unterschiedliche Weise. Ihre Werte lassen sich nicht zu einer einzigen Zahl zusammenrechnen. Sie zeigen auch nicht direkt, ob Menschen einen bestimmten Diabetesartikel verstehen. Ein Text sollte daher nicht behaupten, ein bestimmter Prozentsatz der Bevölkerung könne Diabetesinformationen grundsätzlich nicht verstehen.

Nutzen und Risiken abwägen

Ein Text über eine Behandlung sollte ihren möglichen Nutzen, aber auch Nebenwirkungen, Belastungen und andere passende Behandlungsmöglichkeiten nennen. So können Leserinnen und Leser die Behandlung besser einordnen. Über die individuelle Behandlung entscheiden Patientinnen und Patienten gemeinsam mit den behandelnden Fachleuten.

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  • Werden die für die Frage wichtigen Behandlungsoptionen dargestellt?
  • Nennt der Text neben dem möglichen Nutzen auch Risiken und Belastungen?
  • Werden Zahlen so erklärt, dass Leserinnen und Leser die Größenordnung einschätzen können?
  • Wird vermieden, eine allgemeine Information als persönliche Empfehlung zu formulieren?
  • Ist erkennbar, welche Aussagen für eine bestimmte Diabetesform oder Personengruppe gelten?

Die Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes bietet dafür eine Grundlage, gilt aber nur für die Gruppen und Fragen, die sie abdeckt. Auch die „Gute Praxis Gesundheitsinformation“ des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin empfiehlt, Nutzen, Schaden und Unsicherheit ausgewogen darzustellen.

Alltag und Sicherheit prüfen

Ein verständlicher Text erklärt, was eine Information im Alltag bedeutet und welche nächsten Schritte sinnvoll sind. Er sollte Leserinnen und Leser nicht dazu anleiten, ihre Behandlung selbst zu ändern, und ihnen keine Schuld zuweisen.

  • Können Leserinnen und Leser nach dem Abschnitt in eigenen Worten sagen, was die Information bedeutet?
  • Gibt es sichere nächste Schritte, etwa Fragen für das nächste Behandlungsgespräch?
  • Werden keine individuellen Dosierungen oder Anweisungen zum Beginnen, Absetzen oder Ändern einer Behandlung gegeben?
  • Beschreibt der Text, wann ärztlicher Rat nötig ist?
  • Nennt er bei akuten Gefahren klare Warnzeichen und verweist auf den Notruf?
  • Verwendet er respektvolle Sprache und vermeidet Schuldzuweisungen zu Lebensstil oder Selbstdisziplin?

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft weist in ihrem Positionspapier „Sprache und Diabetes“ darauf hin, dass die Wortwahl beeinflusst, wie Menschen mit Diabetes wahrgenommen werden. Schreiben Sie deshalb über Menschen mit Diabetes und reduzieren Sie sie nicht auf ihre Erkrankung. Beschreiben Sie ihr Verhalten sachlich und vermeiden Sie abwertende Bezeichnungen.

Quellen und Aktualität prüfen

Leserinnen und Leser sollten erkennen können, wer für den Text verantwortlich ist und wann er zuletzt geprüft wurde. Das ist besonders wichtig bei Aussagen zu Leitlinien, Behandlungen und Forschung, denn neue Erkenntnisse können diese Aussagen verändern.

  • Sind Autorenschaft und fachliche Prüfung sichtbar?
  • Werden mögliche Interessenkonflikte und kommerzielle Beziehungen offengelegt?
  • Stehen Belege nachvollziehbar bei den Aussagen, die sie stützen?
  • Sind Veröffentlichungs- oder Aktualisierungsdatum angegeben?
  • Gibt es einen Plan, veränderliche Aussagen regelmäßig zu prüfen?
  • Werden persönliche Erfahrungsberichte klar von wissenschaftlichen Belegen unterschieden?

Ein unabhängiges Gesundheitsportal sollte auch klar sagen, welche Rolle es hat. Leserinnen und Leser sollten erkennen können, ob das Angebot nur informiert oder auch Produkte bewirbt oder verkauft.

Mit Lesenden testen

Lassen Sie vor der Veröffentlichung eine Person aus der vorgesehenen Zielgruppe den Entwurf lesen. Fragen Sie nicht nur, ob der Text „verständlich“ war. Bitten Sie die Person, die Hauptaussage mit eigenen Worten zu erklären und eine Zahl oder Grafik zu erläutern. Wenn sie wichtige Informationen falsch versteht oder nicht findet, überarbeiten Sie den Abschnitt und lassen Sie ihn erneut testen.

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Das sagt mehr aus als ein Lesbarkeitsscore allein. In einer Untersuchung von Materialien für Diabetespatienten erfüllten nur 4 von 13 Materialien die Kriterien für Verständlichkeit. Nur eines erfüllte die Kriterien für Handlungsorientierung. In dieser kleinen Auswahl hingen die Bewertungen nicht signifikant mit dem Lesbarkeitswert zusammen. Die Ergebnisse bewerten nicht alle Diabetesartikel. Sie sprechen aber dafür, Verständlichkeit und praktische Nutzbarkeit getrennt zu prüfen.

Was Studien zu Diabetesinformationen zeigen

Eine RKI-Befragung aus dem Jahr 2017 untersuchte, welche Informationen Erwachsene mit und ohne diagnostizierten Diabetes suchten. Für Menschen mit Diabetes waren Behandlung und Therapie wichtige Themen. In beiden Gruppen fand etwa die Hälfte es schwierig, die Vertrauenswürdigkeit von Diabetesinformationen in den Medien einzuschätzen. Die Befragung passt direkt zum deutschen Diabeteskontext. Sie erfasst aber nur die Einschätzungen der Befragten aus dem Jahr 2017. Sie zeigt nicht, ob jemand einen bestimmten Artikel verstanden oder richtig angewandt hat.

Die genannten Untersuchungen reichen nicht aus, um die Qualität deutschsprachiger Diabetes-Erklärartikel aktuell und repräsentativ zu bewerten. Allgemeine Gesundheitsseiten und einzelne Diabetes-Materialien wurden auf unterschiedliche Weise untersucht. Die Checkliste dient deshalb als redaktionelle Orientierung, nicht als Rangliste oder Gütesiegel.