Wer Gesundheitsartikel auf Deutsch schreibt, muss bei jeder Aussage prüfen, auf welche Diabetesform und welche Personengruppe sie zutrifft und welche Quelle sie belegt. Empfehlungen für Typ-2-Diabetes gelten nicht automatisch für Typ 1 oder Schwangerschaftsdiabetes. Gute Gesundheitsinformationen erklären, was gut belegt ist, wo Unsicherheit besteht und welche Entscheidungen von der persönlichen Situation abhängen.
Mit dieser Checkliste erkennen Sie vom ersten Themenentwurf bis zur Freigabe pauschale Aussagen, missverständliche Zahlen und unpassende Behandlungsempfehlungen.
Thema und Zielgruppe festlegen
Legen Sie zuerst fest, welche Frage der Beitrag beantwortet und wer ihn lesen soll. Ein Text für Menschen mit Typ-1-Diabetes setzt andere Schwerpunkte als ein Beitrag über die Diagnose von Typ-2-Diabetes oder Schwangerschaftsdiabetes. Wenn der Beitrag mehrere Diabetesformen behandelt, nennen Sie die Unterschiede dort, wo sie für die jeweilige Aussage wichtig sind.

Klären Sie auch, für wen und wo die Empfehlung gilt. Bezieht sie sich auf Deutschland, auf Erwachsene oder auf einen bestimmten Zeitraum? Die Versorgung und die Empfehlungen unterscheiden sich von Land zu Land. Neue Leitlinien können sie ändern. Vereinfachen Sie Fachbegriffe, ohne den Inhalt zu verfälschen, und erklären Sie Begriffe, die Sie nicht vermeiden können, gleich bei der ersten Verwendung.
- Diabetesform und behandelte Fragestellung sind klar benannt.
- Zielgruppe und Land stehen fest, gegebenenfalls auch die Altersgruppe.
- Aussagen zu mehreren Diabetesformen sind sauber voneinander abgegrenzt.
- Fachbegriffe werden verständlich erklärt.
Jede Aussage passend belegen
Prüfen Sie jede medizinische Aussage einzeln, besonders wenn es um Diagnose, Behandlung, Nebenwirkungen, Risiken oder Folgeerkrankungen geht. Die Quelle muss genau zu der Aussage passen. Eine Studie zu einer bestimmten Altersgruppe oder Behandlung belegt nicht automatisch eine Aussage über alle Menschen mit Diabetes.

Nutzen Sie für Behandlungsempfehlungen zuerst Leitlinien und systematische Übersichten, also Zusammenfassungen, die Ergebnisse mehrerer Studien auswerten. Bei Typ-2-Diabetes bietet die Nationale VersorgungsLeitlinie Orientierung zur Behandlung dieser Erkrankung. Version 3 erschien am 15. Mai 2023. Auf der Leitlinienseite ist sie bis zum 15. Mai 2028 als gültig ausgewiesen. Die Leitlinie wird in einzelnen Modulen überarbeitet. Prüfen Sie deshalb vor der Veröffentlichung, ob das passende Modul vorliegt und ob es eine Aktualisierung gibt.
Erfahrungsberichte zeigen, wie Menschen mit Diabetes ihren Alltag erleben, belegen allein aber nicht, dass eine Behandlung wirkt. Wenn die Studienlage begrenzt oder widersprüchlich ist, sagen Sie das ausdrücklich. Stellen Sie eine plausible Vermutung nicht als gesichertes Wissen dar.
- Jede wichtige medizinische Behauptung ist einer geeigneten Quelle zugeordnet.
- Bezugsgruppe, Diabetesform, Behandlung und Zeitraum der Quelle müssen zur Aussage passen.
- Leitlinienstand und einschlägiges Modul wurden geprüft.
- Erfahrungsberichte werden als persönliche Perspektive, nicht als Wirksamkeitsnachweis verwendet.
- Unsicherheit und fehlende Evidenz sind kenntlich gemacht.
Zahlen richtig einordnen
Eine Prozentzahl ist nur verständlich, wenn klar ist, für welche Gruppe sie gilt, wann sie erhoben wurde und was gezählt wurde. Laut RKI berichteten im RKI-Panel 2024 10,3 Prozent der Erwachsenen, dass bei ihnen ärztlich Diabetes diagnostiziert worden war. Schwangerschaftsdiabetes war ausgenommen. Die Zahl gibt an, wie viele Erwachsene in dieser Gruppe von einer ärztlichen Diabetesdiagnose berichteten. Sie erfasst nicht automatisch alle unentdeckten Fälle und gilt nicht für Minderjährige.

Unterschiedliche Ergebnisse aus Erhebungen widersprechen sich nicht zwangsläufig. Eine Befragung kann andere Werte ergeben als Abrechnungsdaten. Auch eine Untersuchung mit einer anderen Altersgruppe kann zu abweichenden Ergebnissen kommen. Gründe dafür sind unterschiedliche Bevölkerungsgruppen oder Definitionen. Fassen Sie solche Zahlen nicht ohne Erklärung zu einer gemeinsamen Zeitreihe zusammen.
Bei Behandlungseffekten zeigt eine relative Risikoreduktion allein oft nicht, wie groß der Nutzen ist. Die relative Risikoreduktion gibt an, um welchen Anteil das Risiko im Vergleich zum Ausgangsrisiko sinkt. Ergänzen Sie, wenn die Daten es erlauben, das Ausgangsrisiko und die absolute Veränderung. So sehen Leserinnen und Leser, wie viele Menschen in einer vergleichbaren Gruppe tatsächlich betroffen sind. Erklären Sie wichtige Zahlen zu diagnostischen Tests direkt, statt Leserinnen und Leser selbst rechnen zu lassen.
- Zu jeder Zahl stehen Bezugsgruppe, Zeitraum, Messgröße und Datenquelle.
- Erhebungsmethode und Definition sind geprüft.
- Vergleiche verwenden dieselben Bezugsgruppen oder erklären die Unterschiede.
- Behandlungseffekte nennen nach Möglichkeit sowohl relative als auch absolute Angaben samt Ausgangsrisiko.
- Zahlen aus dem RKI-Panel 2024 werden nicht als Gesamtzahl aller Diabetesfälle ausgegeben.
Behandlung als individuelle Entscheidung darstellen
Beschreiben Sie eine Leitlinienempfehlung als allgemeine Orientierung. Sie ist kein fertiger Behandlungsplan für jede Person. Bei Typ-2-Diabetes empfiehlt die Nationale VersorgungsLeitlinie, die Therapieziele gemeinsam festzulegen und an der Lebenssituation und den Bedürfnissen der Person auszurichten. Beschreiben Sie bei einer Behandlungsentscheidung auch sinnvolle Alternativen, mögliche Nachteile und den Nutzen der verschiedenen Möglichkeiten.

Prüfen Sie Aussagen zu Arzneimitteln kurz vor der Veröffentlichung anhand der aktuellen Leitlinien. Kontrollieren Sie auch, ob das Arzneimittel zugelassen ist und wie es derzeit verfügbar ist. Übernehmen Sie konkrete Behandlungsdetails nicht ungeprüft aus älteren Erklärseiten. Auch Diagnosewerte müssen richtig eingeordnet werden. Ein Ergebnis zeigt die Situation zum Zeitpunkt der Untersuchung. Liegt ein Wert nahe am Grenzwert, kann eine weitere Beurteilung nötig sein.
- Therapieziele werden nicht als für alle Menschen gleich dargestellt.
- Nutzen, mögliche Schäden und geeignete Alternativen sind berücksichtigt.
- Allgemeine Empfehlungen sind klar von individuellen Behandlungsentscheidungen getrennt.
- Arzneimittelaussagen wurden auf Aktualität geprüft.
- Diagnosewerte und mögliche Unsicherheit bei Grenzwerten sind verständlich erklärt.
Respektvoll und sicher formulieren
Schreiben Sie über Diabetes, ohne Menschen auf ihre Diagnose zu reduzieren oder ihnen pauschal mangelnde Disziplin vorzuwerfen. Ein Merkmal, das in einer Bevölkerungsgruppe mit einem höheren Erkrankungsrisiko verbunden ist, erklärt nicht automatisch, warum eine einzelne Person Diabetes bekommt. Beschreiben Sie Risiken sachlich und vermeiden Sie Schuldzuweisungen. Verzichten Sie auf Angstmache und darauf, Entscheidungsdruck aufzubauen.
Wenn der Beitrag akute Beschwerden oder Komplikationen behandelt, lassen Sie die Hinweise zur ärztlichen Hilfe fachlich prüfen. Sagen Sie klar, wie schnell Betroffene Hilfe brauchen. Bei lebensbedrohlichen Symptomen muss der Beitrag auf den örtlichen Notruf hinweisen. Allgemeine Informationen ersetzen weder eine individuelle Diagnose noch eine persönliche ärztliche Beratung.
- Der Text vermeidet Schuldzuweisungen und pauschale Aussagen über Verhalten.
- Risiken werden weder verharmlost noch dramatisiert.
- Akute Warnzeichen und passende Schritte sind fachlich geprüft.
- Bei lebensbedrohlichen Symptomen wird klar auf den Notruf verwiesen.
- Der Text enthält keine individuellen Dosierungsangaben und fordert nicht zum eigenständigen Beginnen, Absetzen oder Ändern einer Behandlung auf.
Quellen, Prüfung und Aktualität offenlegen
Machen Sie kenntlich, wer den Beitrag geschrieben und geprüft hat, wie er entstanden ist und wer ihn finanziert. Legen Sie wichtige Interessenkonflikte offen, besonders finanzielle Verbindungen zu erwähnten Produkten oder Leistungen. Nennen Sie außerdem das Veröffentlichungs- und Aktualisierungsdatum. Prüfen Sie den Beitrag erneut, wenn sich Leitlinien oder medizinische Angaben ändern.
Prüfen Sie auch die Darstellung. Überschriften müssen zum Inhalt passen, Grafiken müssen nennen, auf welche Gruppen oder Werte sie sich beziehen, und weiterführende Beratungs- oder Unterstützungsangebote müssen redaktionell geprüft sein. Eine klare Gliederung hilft Leserinnen und Lesern, Aussagen und Einschränkungen wiederzufinden.
- Autorenschaft, fachliche Prüfung und Finanzierung sind transparent.
- Interessenkonflikte sind geprüft und gegebenenfalls offengelegt.
- Quellen und Erstellungsweise sind nachvollziehbar beschrieben.
- Veröffentlichungsdatum und Aktualisierungsdatum sind sichtbar.
- Grafiken, Überschriften und weiterführende Angebote wurden geprüft.