Für Diabetes-Fachtexte brauchen Sie verschiedene Quellen: Leitlinien geben Empfehlungen zur Versorgung, PubMed hilft bei der Suche nach Fachartikeln, Studienregister informieren über Untersuchungen und das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlicht Gesundheitsdaten. Jede Quelle beruht auf einer eigenen Datengrundlage.
Notieren Sie, welche Aussage Sie prüfen, für welche Gruppe sie gilt und wie aktuell die Quelle ist. So können Sie im Text klar zwischen gesicherten Erkenntnissen, offenen Fragen und Entscheidungen für einzelne Patientinnen und Patienten unterscheiden.
Mit Leitlinien beginnen
Wenn es um die Versorgung in Deutschland geht, ist die Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Typ-2-Diabetes ein guter Startpunkt. Ihre Version 3 erschien am 15. Mai 2023 und ist laut Leitlinienseite bis zum 15. Mai 2028 gültig. Die NVL wird kapitelweise überarbeitet. Prüfen Sie deshalb vor der Recherche, ob es zu Ihrem Thema ein neueres Kapitel oder eine neue Fassung gibt.

Lesen Sie neben der Kurzfassung auch die Langfassung und den Leitlinienreport. Er beschreibt, wie Fachleute die wissenschaftlichen Belege bewertet und sich auf Empfehlungen geeinigt haben. Lesen Sie den Report besonders dann, wenn die Sicherheit der wissenschaftlichen Belege für eine Empfehlung wichtig ist oder Fachgesellschaften die Lage unterschiedlich einschätzen. Die NVL weist außerdem darauf hin, dass nur die auf ihrer Website bereitgestellten Dokumente als autorisierte Fassungen gelten.
DDG-Praxisempfehlungen ergänzen die NVL. Sie beantworten aber nicht unbedingt dieselbe Frage. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) veröffentlicht jährliche Empfehlungen; die Ausgabe 2025 berücksichtigte unter anderem neue randomisierte Studien und Metaanalysen. Notieren Sie zu jeder Empfehlung den Namen des Dokuments, das Jahr, die Zielgruppe und den Bereich, für den sie gilt. So vermeiden Sie, eine Aussage zu Typ-2-Diabetes auf Typ-1-Diabetes oder auf alle Menschen mit Diabetes zu übertragen.
Studien gezielt suchen
Mit PubMed können Sie kostenlos nach biomedizinischen Fachartikeln suchen. Laut der US-amerikanischen National Library of Medicine enthält PubMed mehr als 40 Millionen Literaturangaben und Zusammenfassungen. PubMed stellt jedoch nicht für jeden Treffer den Volltext bereit. Mit Filtern für Datum, Sprache und Publikationstyp können Sie die Suche eingrenzen. Sie können dabei aber relevante Arbeiten verpassen, wenn ein Eintrag noch nicht vollständig in PubMed aufgenommen wurde. Halten Sie Suchbegriffe, Datum und Filter fest, statt Filter als Beleg für eine vollständige Recherche zu behandeln.

Cochrane-Reviews fassen Studien zu einer Gesundheitsfrage nach einem festen Verfahren zusammen. So lassen sich einzelne Studien im Zusammenhang mit der gesamten Forschung betrachten. Prüfen Sie, welche Personengruppe und welche gesundheitlichen Ergebnisse der Review untersucht, welche Studien er einbezieht und ob seine Suche für Ihre Frage noch aktuell genug ist. Ein Review beantwortet nicht zwangsläufig eine enger gefasste redaktionelle Frage.
Starten Sie mit einer präzisen Frage. Legen Sie fest, ob es um Diagnose, Prävention, Behandlung, Alltag oder Versorgung geht. Legen Sie außerdem fest, um welchen Diabetes-Typ, welches Alter oder welche Risikogruppe es geht und womit Sie vergleichen und welchen Zeitraum Sie betrachten. Bei einem Artikel über Früherkennung ist zum Beispiel wichtig, ob es um eine systematische Untersuchung der gesamten Bevölkerung (Screening) oder um Untersuchungen bei Menschen mit erhöhtem Risiko geht.
Studienregister richtig einordnen
ClinicalTrials.gov und das europäische Studieninformationssystem CTIS zeigen Informationen zu laufenden oder abgeschlossenen klinischen Studien. CTIS enthält öffentliche Angaben zu EU- und EWR-Studien, etwa Studiennummer, Sponsor und Rekrutierungs- oder Studienzeiträume. Für bestimmte Studien, die vor dem 31. Januar 2023 nach älterem EU-Recht begonnen haben, verweist die Europäische Arzneimittel-Agentur auf das EU Clinical Trials Register.
Ein Registereintrag beschreibt eine Studie, belegt für sich allein aber nicht, dass eine Behandlung wirkt. Suchen Sie nach veröffentlichten Ergebnissen und prüfen Sie, ob sie Ihre Frage beantworten. Achten Sie dabei auf die untersuchte Gruppe, den Vergleich und die gemessenen gesundheitlichen Ergebnisse. Auch ein positives Ergebnis beantwortet nicht ohne Weiteres, ob es für andere Gruppen gilt oder welche Bedeutung es für einzelne Leserinnen und Leser hat.
Diabetes-Zahlen aus Deutschland prüfen
Daten aus der Diabetes-Surveillance des RKI helfen dabei, Aussagen zur Gesundheit der Bevölkerung einzuordnen. Für den Zeitraum 2015 bis 2024 umfasste die Surveillance 40 Indikatoren beziehungsweise Indikatorgruppen in vier Handlungsfeldern. Die Faktenblätter erläutern, wie die jeweiligen Daten zustande kamen. Ein Projektzeitraum sagt jedoch nicht automatisch aus, dass jede Kennzahl danach in derselben Form weiter aktualisiert wird.
Notieren Sie zu jeder Zahl mindestens das Bezugsjahr, die untersuchte Gruppe, die Definition und die Methode der Datenerhebung. Eine Diagnose, die in Abrechnungsdaten erfasst ist, lässt sich nicht direkt mit einer Angabe vergleichen, die eine Person in einer Befragung selbst gemacht hat. Ebenso dürfen Angaben zur Zahl der Menschen mit Diabetes nicht ohne Prüfung gleichgesetzt werden, wenn sie verschiedene Diabetes-Typen oder Erhebungszeiträume umfassen. Die DDG-Praxisempfehlung 2025 nennt für 2024 mindestens 9,1 Millionen Menschen mit dokumentiertem Typ-2-Diabetes in Deutschland. Verwenden Sie diese Zahl nur mit dieser Definition und dem Bezugsjahr.
Wenn zwei Quellen unterschiedliche Zahlen zum Anteil der Menschen mit Diabetes in der Bevölkerung nennen, rechnen Sie daraus keinen vermeintlich einheitlichen Wert. Erklären Sie stattdessen, worauf die Angaben beruhen und weshalb sie voneinander abweichen können. Für die hier beschriebenen Quellen liegt keine vollständig harmonisierte Gegenüberstellung vor, die Befragungen, Routinedaten und andere Schätzungen für denselben Zeitraum abschließend vergleichbar macht.
Aussagen in einer Quellenmatrix festhalten
Mit einer Quellenmatrix halten Sie fest, welche Quellen die Aussagen im späteren Text stützen. So sehen Sie, ob eine Aussage auf einer Leitlinie, einer einzelnen Studie, einem Review, einem Register oder einer Bevölkerungsstatistik beruht. Mit dieser Vorlage können Sie jede zentrale Aussage prüfen:

| Prüffeld | Eintrag |
|---|---|
| Zu prüfende Aussage | |
| Zielgruppe und Diabetes-Typ | |
| Quelle und Dokumenttyp | |
| Version, Veröffentlichungs- und Abrufdatum | |
| Population, Vergleich und Zeitraum | |
| Endpunkt und Ergebnis | |
| Unsicherheit und Einschränkungen | |
| Finanzierung oder Interessenkonflikte laut Quelle | |
| Geplante Formulierung | |
| Offene Rückfrage |
Bei einer Zahl notieren Sie außerdem, was gezählt wird und welche Gruppe den Nenner bildet. Halten Sie auch fest, wie die Daten erhoben wurden. Bei einer Aussage zu einer Behandlung prüfen Sie, ob der Text Nutzen, mögliche Schäden und Unsicherheit richtig beschreibt. Die Formulierung darf nicht stärker ausfallen als die zugrunde liegende Quelle.
Unsicherheit verständlich beschreiben
Unterscheiden Sie zwischen einem fehlenden Nachweis für einen Nutzen und einem Nachweis, dass kein Nutzen besteht. Die NVL zeigt diesen Unterschied beim Screening auf Typ-2-Diabetes: Für eine systematische Untersuchung der Bevölkerung fand die strukturierte Recherche keinen Beleg für einen Nutzen bei langfristigen Ergebnissen, die für Patientinnen und Patienten wichtig sind. Laut Leitlinie reichten die wissenschaftlichen Belege nicht aus, um die Frage für ein Screening bei Risikopersonen abschließend zu beantworten. Eine allgemeine Aussage wie „Screening wirkt“ oder „Screening wirkt nicht“ würde diesen Unterschied verdecken.
Erklären Sie auch, wenn Empfehlungen voneinander abweichen. Prüfen Sie, ob sie dieselbe Gruppe und denselben Zweck betreffen und auf denselben wissenschaftlichen Belegen beruhen. Unterschiede können entstehen, weil die Empfehlungen für verschiedene Bereiche gelten oder Fachleute eine begrenzte Zahl von Studien unterschiedlich bewerten. Wenn die Evidenz offenbleibt, benennen Sie diese Unsicherheit, statt eine eindeutige Antwort zu konstruieren.
Verständlich und sicher schreiben
Für die sprachliche Prüfung können Sie sich an der Guten Praxis Gesundheitsinformation des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin orientieren. Sie hilft dabei, verständliche und geprüfte Gesundheitsinformationen zu erstellen. Eine Leitlinie speziell zu Diabetes ersetzt sie nicht. Gesundheitsinformation.de des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) ist ein weiteres Beispiel für unabhängige, evidenzbasierte Information für die Öffentlichkeit.
Erklären Sie Fachbegriffe bei der ersten Verwendung und machen Sie deutlich, für wen eine Aussage gilt. Vermeiden Sie Formulierungen, die Menschen für ihre Erkrankung verantwortlich machen oder aus einem allgemeinen Studienergebnis eine persönliche Empfehlung ableiten. Eine Gesundheitsredaktion informiert, stellt aber keine Diagnose, nennt keine individuelle Dosierung und leitet niemanden dazu an, eine Behandlung zu beginnen, abzusetzen oder zu ändern. Bei akuten Risiken muss der Text klar benennen, wann ärztliche Hilfe nötig ist oder der Notruf gewählt werden soll.
Vor der Veröffentlichung prüfen
Prüfen Sie kurz vor der Veröffentlichung noch einmal die verwendeten Leitlinienfassungen und die laufend aktualisierten Studienregister. Halten Sie den Abrufstand fest. Prüfen Sie außerdem, ob die angegebene Quelle die zentrale Aussage stützt, ob Zahlen mit Bezugsjahr und Datengrundlage erscheinen und ob offene Fragen zur Beweislage erkennbar bleiben. Bei regelmäßig aktualisierten Praxisempfehlungen gehört der Versionscheck zur Schlussredaktion.