Nach einer kohlenhydrathaltigen Mahlzeit steigt der Blutzucker. Die Bauchspeicheldrüse gibt daraufhin Insulin ab, ein Hormon, das dem Körper hilft, Glukose aus dem Blut in die Zellen aufzunehmen. Wenn der Blutzucker nach dem Essen weniger stark steigt, brauchen manche Menschen möglicherweise weniger blutzuckersenkende Behandlung. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass die Bauchspeicheldrüse dauerhaft weniger Insulin produziert oder sich erholt.

Editorial illustration for Blutzucker senken: So entlasten Sie Ihre Insulinproduktion

Im Alltag hilft es, weniger süße Getränke und stark verarbeitete kohlenhydrathaltige Lebensmittel zu wählen und häufiger Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkorn und ganze Früchte zu essen. Manche Menschen entscheiden sich für eine kohlenhydratarme Ernährung, nötig ist sie jedoch nicht. Wenn Sie Diabetes haben, stimmen Sie Änderungen beim Essen mit Ihrer Behandlung ab. Passen Sie Insulin oder andere Arzneimittel nicht selbst an.

Ersetzen Sie süße Getränke

Limonade, gesüßter Tee und Fruchtsaft liefern schnell verfügbare Kohlenhydrate. Wasser oder ungesüßte Getränke sind im Alltag ein einfacher Ersatz. Beginnen Sie zum Beispiel damit, ein regelmäßig getrunkenes süßes Getränk durch Wasser zu ersetzen.

Eine Hand stellt ein Glas Wasser neben ein süßes Getränk und greift zum Wasser.
Ein regelmäßig getrunkenes süßes Getränk lässt sich durch Wasser ersetzen.

Ganze Früchte unterscheiden sich von Saft: Sie enthalten Ballaststoffe und müssen gekaut werden. Die American Diabetes Association (ADA) empfiehlt Menschen mit Diabetes und erhöhtem Diabetesrisiko, Saft durch Wasser oder ungesüßte Getränke zu ersetzen. Dieser Tausch unterstützt eine bessere Blutzuckerkontrolle, ersetzt bei bestehendem Diabetes aber keine Behandlung.

Wählen Sie Kohlenhydrate gezielter

Kohlenhydrate beeinflussen den Blutzucker besonders direkt. Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte liefern Ballaststoffe; raffinierte Getreideprodukte und Süßigkeiten enthalten häufig weniger davon und lassen sich leichter in größeren Mengen essen. Tauschen Sie zum Beispiel häufig Weißbrot oder süßes Gebäck gegen Vollkornbrot oder Haferflocken aus. Bohnen, Linsen und Kichererbsen liefern ebenfalls Kohlenhydrate und Ballaststoffe.

Die ADA empfiehlt Erwachsenen mit Diabetes kein einheitliches Verhältnis von Kohlenhydraten, Eiweiß und Fett. Für manche kann eine geringere Kohlenhydratzufuhr sinnvoll sein. Studien zeigen jedoch keinen klaren langfristigen Vorteil kohlenhydratarmer Ernährung gegenüber anderen ausgewogenen Ernährungsformen für alle Menschen. Sie müssen Kohlenhydrate deshalb nicht vollständig streichen. Eine passende Portion und die Auswahl weniger stark verarbeiteter Lebensmittel sind meist alltagstauglicher als pauschale Verbote.

Bauen Sie Mahlzeiten ausgewogen auf

Eine praktische Mahlzeit kann reichlich nicht stärkehaltiges Gemüse, eine passende Portion Hülsenfrüchte oder Vollkorn und eine geeignete Eiweißquelle enthalten. Das kann etwa ein Linsengericht mit Gemüse oder eine Mahlzeit mit Vollkornreis, Gemüse und einer Eiweißquelle sein. Entscheidend ist, dass die Portionen zu Ihrem Bedarf und Ihrer Behandlung passen.

Eine Mahlzeit mit Gemüse, Linsen und einer Eiweißquelle, in alltagstauglicher Anrichtung auf einem Teller.
Gemüse, Hülsenfrüchte oder Vollkorn und eine Eiweißquelle lassen sich in einer Mahlzeit kombinieren.

Ein einzelnes Lebensmittel verhindert keine Blutzuckerspitzen zuverlässig. Messwerte hängen auch von Bewegung und Stress ab. Krankheit, Schlaf und Medikamente spielen ebenfalls eine Rolle. Falls Sie Ihren Blutzucker ärztlich überwachen, helfen die Werte dabei, persönliche Reaktionen auf Mahlzeiten zu erkennen. Routinemäßiges Messen ist nicht für alle Menschen nötig.

Gewichtsabnahme kann helfen

Wenn Übergewicht oder Adipositas vorliegt, kann eine nachhaltige Gewichtsabnahme die Behandlung von Typ-2-Diabetes unterstützen. Die ADA nennt für Menschen mit Typ-2-Diabetes und Übergewicht ein Ziel von mindestens 5 bis 7 Prozent des Ausgangsgewichts. Das ist eine mögliche Orientierung und keine Pflicht. Strukturierte Programme verbinden Ernährung und Bewegung mit Unterstützung dabei, Gewohnheiten zu ändern. Die genannten Gewichtsziele sind kein Aufruf, die Kalorienzufuhr eigenständig stark einzuschränken.

Eine Ernährungsberatung kann helfen, Portionsgrößen und Lebensmittel so anzupassen, dass sie zu Ihren Vorlieben, Messwerten und Medikamenten passen. Bei Typ-1-Diabetes ist die erforderliche Insulinbehandlung weiterhin nötig. Ernährung ersetzt sie nicht.

Stimmen Sie Änderungen mit Medikamenten ab

Wenn Sie Insulin oder bestimmte blutzuckersenkende Medikamente nehmen, verändert eine deutliche Verringerung der Kohlenhydrate die Abstimmung zwischen Essen und Behandlung. Ändern Sie deshalb weder die Insulindosis noch andere Medikamente ohne Rücksprache mit Ihrer behandelnden Praxis.

Eine Patientin bespricht mit einer medizinischen Fachperson einen Ernährungsplan und ihre Medikamente.
Größere Ernährungsänderungen sollten mit der behandelnden Praxis abgestimmt werden.

Besondere Vorsicht gilt bei SGLT-Hemmern, einer Gruppe von Diabetesmedikamenten, die die Ausscheidung von Zucker über den Urin erhöhen. Sehr kohlenhydratarme oder ketogene Ernährung kann bei Einnahme dieser Medikamente das Risiko einer diabetischen Ketoazidose erhöhen. Eine gefährliche Ketoazidose kann dabei auch auftreten, wenn der Blutzucker nicht sehr hoch ist. Eine ketogene Ernährung sollten Sie in dieser Situation nicht ohne ärztliche Beratung beginnen. Bei Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen oder ungewöhnlich tiefer und schneller Atmung brauchen Sie sofort medizinische Hilfe.