Kohlenhydrate können bei Diabetes grundsätzlich Teil der Ernährung bleiben. Für den Blutzucker zählen sowohl die Menge als auch die Lebensmittelqualität. Auch die Behandlung spielt eine Rolle. Kohlenhydrate stecken zum Beispiel in Brot, Kartoffeln, Obst, Hülsenfrüchten und süßen Getränken. Der Körper baut sie zu Glukose ab, die in den Blutkreislauf gelangt.

Wählen Sie öfter ballaststoffreiche, wenig verarbeitete Lebensmittel und achten Sie auf passende Portionen. Ballaststoffe kommen in pflanzlichen Lebensmitteln vor und werden vom Körper nicht vollständig verdaut. Sie stecken zum Beispiel in Gemüse, Bohnen, Linsen, Hafer und Vollkornprodukten. Welche Ernährung passt, hängt auch von der Diabetesform, den persönlichen Blutzuckerwerten und den Medikamenten ab.

Welche Kohlenhydrate häufiger wählen?

Bohnen, Linsen und Erbsen, Vollkornbrot, Haferflocken, Vollkornnudeln, Gemüse und ganzes Obst sind sinnvolle Kohlenhydratquellen und liefern neben Kohlenhydraten weitere Nährstoffe. Hülsenfrüchte, Gemüse und Vollkorn enthalten außerdem Ballaststoffe. Auch sie beeinflussen den Blutzucker. Wie stark, hängt unter anderem von der Portion und der persönlichen Reaktion ab.

Editorial illustration for Blutzucker senken: Kohlenhydrate bei Diabetes richtig auswählen

Ein einfacher Tausch im Alltag ist, Weißbrot öfter durch ein tatsächlich vollkornreiches Brot zu ersetzen oder gezuckerte Frühstücksflocken durch Haferflocken. Die Farbe eines Brotes verrät nicht zuverlässig, ob es aus Vollkorn besteht. Ein Blick auf Zutatenliste und Ballaststoffangabe hilft bei der Auswahl.

Eine Person prüft im Laden die Zutatenangaben auf einer unmarkierten Brotverpackung; daneben liegen verschiedene Brotsorten.
Bei Brot helfen Zutatenliste und Ballaststoffangabe mehr als die Farbe allein.

Menschen mit Diabetes müssen ganzes Obst nicht grundsätzlich meiden. Saft, Smoothies und Trockenobst enthalten Zucker oft in konzentrierterer Form oder liefern ihn in kürzerer Zeit. Wasser und ungesüßter Tee eignen sich besser als Durstlöscher als Limonade, gesüßter Kaffee oder Fruchtsaft.

Süßigkeiten und stark gezuckerte Produkte oder Produkte aus raffiniertem Getreide müssen nicht verboten sein. Meist ist es hilfreicher, sie seltener zu essen und den größten Teil der täglichen Ernährung aus Lebensmitteln mit vielen Nährstoffen zusammenzustellen.

Portionen passend gestalten

Die Menge der Kohlenhydrate beeinflusst den Blutzucker. Das Tellermodell bietet eine einfache Orientierung für eine Hauptmahlzeit. Ungefähr die Hälfte des Tellers besteht aus nicht stärkehaltigem Gemüse. Ein Viertel ist für eine Eiweißquelle wie Fisch, Ei oder Tofu vorgesehen, das letzte Viertel für eine kohlenhydrathaltige Beilage wie Vollkorngetreide oder Kartoffeln. Das ist eine Schätzilfe, kein persönlicher Ernährungsplan.

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So wird aus einer großen Portion Nudeln eine ausgewogenere Mahlzeit: etwas weniger Nudeln, dazu mehr Gemüse und eine Eiweißquelle. Hülsenfrüchte können ebenfalls Teil der Mahlzeit sein. Sie liefern sowohl Kohlenhydrate als auch Eiweiß und Ballaststoffe; ihre Kohlenhydrate zählen bei einer Insulintherapie mit.

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft empfiehlt für Menschen mit Typ-2-Diabetes, Kohlenhydrate bevorzugt aus Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und Nüssen zu beziehen. Für die Ballaststoffzufuhr nennen verschiedene Empfehlungen unterschiedliche Orientierungswerte. Deshalb gibt es keinen einzelnen Tageswert, der für alle Menschen mit Diabetes verbindlich ist. Wer bisher wenig Ballaststoffe isst, kann nach und nach mehr Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte einbauen.

Was der glykämische Index aussagt

Der glykämische Index, kurz GI, ordnet kohlenhydrathaltige Lebensmittel danach, wie stark sie den Blutzucker unter bestimmten Testbedingungen erhöhen. Für eine einzelne Mahlzeit sagt der GI den tatsächlichen Blutzuckerverlauf jedoch nur begrenzt voraus. Auch Portionsgröße und Verarbeitung spielen eine Rolle. Ebenso kommt es darauf an, mit welchen anderen Lebensmitteln die Mahlzeit kombiniert wird.

Die DDG bewertet den GI als ungenauen Einzelmaßstab und legt mehr Gewicht auf Vollkorn und die tatsächliche Ballaststoffzufuhr. Eine Übersichtsarbeit im BMJ fand zwar Verbesserungen der Blutzuckerkontrolle bei Ernährungsweisen mit niedrigem GI oder niedriger glykämischer Last. Die Ergebnisse variierten jedoch deutlich zwischen den Studien, an denen Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes teilnahmen. Deshalb kann der GI als zusätzlicher Anhaltspunkt dienen, sollte aber nicht allein über die Lebensmittelauswahl entscheiden.

Low-Carb individuell abwägen

Eine kohlenhydratarme Ernährung kann für manche Menschen mit Typ-2-Diabetes eine Möglichkeit sein, besonders wenn sie beim Abnehmen hilft und sich dauerhaft umsetzen lässt. Die American Diabetes Association berichtet, dass sehr kohlenhydratarme Ernährungsweisen den Langzeitblutzuckerwert HbA1c kurzfristig verbessern können. Über längere Zeit wird der Unterschied zu anderen Ernährungsformen weniger klar. Eine für alle passende Kohlenhydratmenge ist nicht festgelegt.

Wer weniger Kohlenhydrate isst, sollte auf die Qualität der übrigen Lebensmittel achten. Eine ausgewogene kohlenhydratärmere Ernährung setzt weiterhin auf Vollkorn, Gemüse und Hülsenfrüchte, statt diese durch vor allem stark verarbeitete, fettreiche Produkte zu ersetzen.

Eine starke Ernährungsumstellung gehört mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt beziehungsweise einer Diabetesberatung abgestimmt. Das gilt besonders bei mahlzeitenbezogenem Insulin: Wenn sich die Kohlenhydratmenge ändert, muss die Insulinbehandlung dazu passen. Eine kohlenhydratarme oder ketogene Ernährung ist außerdem für Menschen mit Diabetes, die SGLT2-Hemmer einnehmen und ein Risiko für eine Ketoazidose haben, nicht geeignet. Medikamente oder Insulindosen sollten nicht eigenständig geändert werden.

Blutzuckerverläufe berücksichtigen

Menschen reagieren unterschiedlich auf Lebensmittel und Mahlzeiten. Wer seinen Blutzucker misst oder ein Messgerät zur kontinuierlichen Glukosemessung nutzt, kann beobachten, wie sich eine konkrete Portion auswirkt. Wiederholt auffällige Werte nach bestimmten Mahlzeiten sind ein Anlass, die Portionsgröße und Zusammensetzung mit dem Diabetes-Team zu besprechen.

Eine Person betrachtet ein Glukosemessgerät am Arm und bespricht eine Mahlzeit mit einer medizinischen Fachkraft.
Messwerte und Mahlzeiten lassen sich gemeinsam mit dem Diabetes-Team einordnen.

Bei einer Insulinbehandlung hilft eine Schulung, die Kohlenhydratmenge einer Mahlzeit einzuschätzen. Diese Menge ist eine wichtige Grundlage für die Behandlung. Ein allgemeiner Ernährungsratgeber ersetzt keine persönliche Anweisung zur Dosierung.

Auch Bewegung nach dem Essen kann den Blutzucker nach einer Mahlzeit günstig beeinflussen. Ein Spaziergang in zügigem Tempo ist eine mögliche Ergänzung, ersetzt aber weder eine passende Ernährung noch verordnete Medikamente.