Wer mit Diabetes lebt, braucht eine Ernährung, die zu den eigenen Vorlieben und zur Behandlung passt. Die Europäische Gesellschaft für Diabetesforschung (EASD) empfiehlt deshalb keine einheitliche Diät und legt auch keine feste Kohlenhydratmenge für alle fest. Sie empfiehlt eine abwechslungsreiche Ernährung mit vielen pflanzlichen Lebensmitteln, die wenig verarbeitet sind.

Konkret heißt das: öfter Vollkornprodukte, Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse und ganze Früchte wählen. Zuckerhaltige Getränke, Süßigkeiten und stark raffinierte Getreideprodukte sollten seltener auf dem Speiseplan stehen. Wer Insulin zu den Mahlzeiten spritzt oder Gewicht verlieren möchte, sollte größere Ernährungsänderungen mit der behandelnden Fachperson abstimmen.
Welche Lebensmittel bilden die Grundlage?
Die Qualität der Lebensmittel zählt mehr als ein starres Ernährungsschema. Vollkornbrot, Haferflocken, Bohnen und Linsen liefern beispielsweise mehr Ballaststoffe als Weißbrot oder stark ausgemahlene Getreideprodukte. Ganze Früchte sind im Alltag eine bessere Wahl als Saft: Sie enthalten Ballaststoffe, während Saft weniger von der ursprünglichen Fruchtstruktur bietet.

Praktische Änderungen können so aussehen:
- Weißbrot häufiger durch Vollkornbrot ersetzen und raffinierte Beilagen öfter gegen Bohnen, Linsen oder Vollkornprodukte tauschen.
- Gemüse zu den Mahlzeiten ergänzen und ganze Früchte statt Saft wählen.
- Nüsse, Samen sowie Raps- oder Olivenöl statt eines Teils der Lebensmittel mit viel gesättigtem Fett verwenden.
- Zuckerhaltige Getränke, Süßigkeiten sowie rotes und verarbeitetes Fleisch seltener verzehren.
Die Empfehlungen geben Orientierung und schreiben keine Portionsgrößen vor. Auch vegetarische, mediterrane und nordische Ernährungsweisen können passen. Die Empfehlungen belegen nicht, dass eine bestimmte Ernährungsform für alle Menschen mit Diabetes besser ist.
Wie viele Kohlenhydrate sind sinnvoll?
Eine für alle passende Kohlenhydratmenge gibt es laut EASD nicht. Kohlenhydrate müssen bei Diabetes nicht vollständig gemieden werden. Sinnvoll ist, stärker auf ihre Quellen zu achten und häufiger ballaststoffreiche, wenig verarbeitete Lebensmittel zu wählen. Eine Ernährung mit niedrigem glykämischem Index kann ebenfalls infrage kommen. Der glykämische Index beschreibt, wie stark ein kohlenhydrathaltiges Lebensmittel den Blutzucker beeinflusst; entscheidend bleibt, dass die gesamte Ernährung ausgewogen ist.
Für die Ballaststoffzufuhr nennt die EASD mindestens 35 Gramm pro Tag. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) führt in einer Empfehlung von 2023 dagegen 30 Gramm täglich oder 15 Gramm je 1.000 Kilokalorien als praktisches Beratungsziel an und weist darauf hin, dass die Belege für genau diesen Zielwert begrenzt sind. Die Zahlen legen also keinen einheitlichen europäischen Grenzwert fest. Zu den Quellen zählen Vollkorngetreide und Hülsenfrüchte. Ballaststoffe finden sich außerdem in Gemüse, Nüssen und Samen sowie in ganzen Früchten.
Wer zu den Mahlzeiten Insulin spritzt, kann Kohlenhydrate zählen, um die Insulindosis abzustimmen. Das Kohlenhydratzählen ist eine mögliche Behandlungsmethode, die nicht alle anwenden müssen. Die Berechnung sollte zur ärztlich vereinbarten Insulintherapie passen.
Welche Zucker und Fette empfiehlt die Leitlinie?
Die EASD empfiehlt, freie oder zugesetzte Zucker auf weniger als zehn Prozent der täglichen Energiezufuhr zu begrenzen. Das ist eine Obergrenze, kein anzustrebender Anteil. Besonders zuckerhaltige Getränke und Süßigkeiten sollten seltener konsumiert werden. Nicht kalorienhaltige Süßstoffe können Zucker in Getränken oder Lebensmitteln ersetzen.

Bei Fetten rät die Leitlinie vor allem zu Quellen einfach und mehrfach ungesättigter Fettsäuren. Dazu gehören Raps- und Olivenöl. Auch Nüsse und Samen liefern diese Fettsäuren. Begrenzt werden sollten Fette aus Butter, Fleisch und verarbeitetem Fleisch. Das gilt auch für Kokos- und Palmöl. Gesättigte Fette sollten auch nicht einfach durch Zucker oder schnell verdauliche Stärke ersetzt werden.
Ist eine kohlenhydratarme Ernährung geeignet?
Die Empfehlungen lassen verschiedene Kohlenhydratmengen zu. Eine moderat kohlenhydratärmere Ernährung kann daher eine Option sein, wenn sie insgesamt ausreichend Ballaststoffe enthält und nicht auf viel Zucker, gesättigtes Fett oder eine unausgewogene Lebensmittelauswahl hinausläuft. Sehr kohlenhydratarme ketogene Diäten empfiehlt die EASD nicht zur Gewichtsabnahme.
Wer deutlich weniger Kohlenhydrate isst, sollte die Behandlung berücksichtigen. Bei Insulin oder anderen blutzuckersenkenden Medikamenten können größere Veränderungen der Ernährung eine Anpassung der Medikamente erfordern. Deshalb sollten solche Änderungen vorher mit der behandelnden Fachperson besprochen werden.

Wann spielt Gewichtsabnahme eine Rolle?
Für Menschen mit Typ-2-Diabetes und Übergewicht oder Adipositas empfiehlt die EASD Unterstützung beim Gewichtsmanagement. Dafür gibt es keine vorgeschriebene Ernährungsform. Ein Plan sollte zum Alltag passen und sich langfristig umsetzen lassen.
Für Menschen mit Übergewicht oder Adipositas und einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes empfiehlt die Leitlinie eine Ernährung mit geringerer Energiezufuhr und mehr Bewegung. In den angeführten Präventionsprogrammen zielten die Teilnehmenden auf etwa fünf bis sieben Prozent Gewichtsverlust. Die dort berichtete geringere Zahl neuer Diabetesfälle lässt sich dem kombinierten Programm aus Ernährungsänderung und Bewegung zuordnen, nicht einer einzelnen Diät.
Auch eine Remission von Typ-2-Diabetes ist ein eigenes, medizinisch begleitetes Ziel. Die EASD empfiehlt dafür ein Programm mit Unterstützung durch geschulte Fachkräfte. Es zielt auf einen Gewichtsverlust von 10 bis 15 Prozent oder mehr. Remission bedeutet in diesem Zusammenhang einen HbA1c-Wert unter 6,5 Prozent ohne blutzuckersenkende Medikamente. Medikamente müssen dabei sorgfältig angepasst werden. Diese Empfehlungen gelten für Typ-2-Diabetes und lassen sich nicht auf Typ-1-Diabetes übertragen.