Menschen mit Diabetes müssen ihre Ernährung nicht nach einer allgemeinen Liste erlaubter und verbotener Lebensmittel ausrichten. Hilfreicher ist der Blick auf das, was regelmäßig auf dem Teller liegt: Welche Lebensmittel kommen häufig vor, wie sind die Mahlzeiten zusammengestellt und welche Portionen passen in den persönlichen Alltag? Die Wirkung eines Lebensmittels auf den Blutzucker hängt auch von der Menge und davon ab, was sonst gegessen wird.

Editorial illustration for Ernährung bei Diabetes: Muster statt Verbotslisten

Das bedeutet nicht, dass Menge und Art der Lebensmittel bedeutungslos wären. Besonders Kohlenhydrate beeinflussen den Blutzucker. Die Empfehlungen der American Diabetes Association halten zugleich fest, dass es keine ideale Verteilung von Kohlenhydraten, Eiweiß und Fett gibt, die für alle Menschen mit Diabetes passt. Entscheidend sind unter anderem die persönliche Gesundheitssituation, Vorlieben und Behandlungsziele.

Was ein Ernährungsmuster ausmacht

Ein Ernährungsmuster umfasst alle Lebensmittel und Getränke, die eine Person regelmäßig zu sich nimmt. Deshalb richten sich Empfehlungen für Menschen mit Diabetes danach, was sie im Alltag immer wieder essen, und nicht danach, ob ein einzelnes Lebensmittel als gut oder schlecht gilt.

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Als Orientierung nennen die Empfehlungen der American Diabetes Association Gemüse, ganzes Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse und Samen. Zugesetzte Zucker, raffinierte Getreideprodukte und stark verarbeitete Lebensmittel sollen seltener auf dem Speiseplan stehen. Auch zuckergesüßte Getränke sollte man nur begrenzt trinken. Das beschreibt eine Richtung für die Auswahl und Häufigkeit, keine starre Verbotsliste.

So ist es hilfreicher, auf die regelmäßige Zusammensetzung des Essens zu achten, als ein einzelnes Lebensmittel pauschal als geeignet oder ungeeignet einzustufen. Ein Vollkornbrot und ein süßes Getränk liefern zum Beispiel beide Kohlenhydrate, unterscheiden sich aber in ihrer Zusammensetzung und darin, wie sie in eine Mahlzeit eingebettet sind.

Vollkornbrot und ein süßes Getränk stehen neben weiteren Bestandteilen einer Mahlzeit auf einem Tisch.
Der Mahlzeitenkontext und die Zusammensetzung zählen mit.

Warum Portion und Mahlzeit zählen

Für die Einordnung zählt auch die Menge: Eine kleinere Portion eines kohlenhydrathaltigen Lebensmittels ist anders zu bewerten als eine größere Portion desselben Lebensmittels. Auch die übrigen Bestandteile der Mahlzeit und der persönliche Alltag spielen eine Rolle. Deshalb lässt sich allein am Namen eines Lebensmittels nicht erkennen, welche Portion passt.

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Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung weist darauf hin, dass ihre Portions-Orientierungswerte Größenordnungen für gesunde Erwachsene sind und keinen individuellen Speiseplan darstellen. Ihre aktuellen lebensmittelbezogenen Empfehlungen richten sich an gesunde Erwachsene, die Mischkost essen. Sie sind daher keine speziellen Portionsvorgaben für Menschen mit Diabetes.

Im Alltag hilft es, nicht nur zu fragen, ob ein Lebensmittel „erlaubt“ ist, sondern auch, wie häufig und in welcher Menge es gegessen wird. Konkrete Portionsziele lassen sich daraus für einzelne Personen nicht pauschal festlegen.

Kohlenhydrate differenziert betrachten

Kohlenhydrate kommen unter anderem in Getreideprodukten, Hülsenfrüchten, Obst, Süßigkeiten und süßen Getränken vor. Ihre Art und Menge sind für den Blutzucker relevant. Daraus folgt weder, dass alle Kohlenhydrate gleich wirken, noch dass jede Person mit Diabetes sie grundsätzlich reduzieren muss.

Eine Übersichtsarbeit von 2023 untersuchte verschiedene Ernährungsmuster bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes. In den einbezogenen Studien war eine kohlenhydratarme Ernährung mit einem durchschnittlich um 0,47 Prozentpunkte niedrigeren HbA1c-Wert verbunden. HbA1c ist ein Blutwert, der den längerfristigen Blutzucker abbildet. Die Zahl beschreibt den Durchschnitt der untersuchten Studien und sagt nicht voraus, welches Ergebnis eine einzelne Person erreicht. Zudem gelten die ausgewerteten Befunde für Typ-2-Diabetes und lassen sich nicht ohne Weiteres auf andere Diabetesformen übertragen.

Die Ergebnisse zeigen, dass eine Kohlenhydratreduktion für manche Menschen eine mögliche Ernährungsform sein kann. Sie belegen keine allgemeine Pflicht dazu. Auch die Empfehlungen der American Diabetes Association legen keine einheitliche Verteilung der Nährstoffe für alle fest.

Was zur persönlichen Ernährung gehört

Eine Ernährungsweise muss zur Gesundheit und zum Alltag der betroffenen Person passen. Neben den Vorlieben zählen dazu auch die Esskultur, andere Erkrankungen und die finanziellen und praktischen Möglichkeiten. Eine Empfehlung hilft wenig, wenn sie sich im Alltag nicht umsetzen lässt.

Auch die Art des Diabetes ist relevant. Ein Teil der genannten Studienergebnisse betrifft ausschließlich Erwachsene mit Typ-2-Diabetes. Daraus folgt keine direkte Ernährungsvorgabe für Menschen mit Typ-1-Diabetes, Schwangerschaftsdiabetes oder für Kinder. Wer persönliche Mengen oder eine passende Ernährungsweise klären möchte, sollte dafür qualifizierte medizinische oder ernährungsfachliche Beratung nutzen.