Jardiance (Wirkstoff Empagliflozin) ist ein Medikament gegen Typ-2-Diabetes, das auch bei Herzschwäche und chronischer Nierenerkrankung eingesetzt wird und die Zuckerausscheidung über den Urin erhöht. Bei Diabetikern kann das zu einer moderaten Gewichtsabnahme führen. In Deutschland und der EU ist es jedoch nicht zur Behandlung von Übergewicht oder Adipositas zugelassen. Wer es dennoch zum Abnehmen einnimmt, riskiert Flüssigkeitsmangel, Genitalinfektionen und Ketoazidose, ohne dass ein gesicherter Nutzen belegt ist.
Wofür Jardiance zugelassen ist
Jardiance enthält den Wirkstoff Empagliflozin, einen sogenannten SGLT2-Hemmer. Das Medikament blockiert in den Nieren ein Transportprotein, das normalerweise Zucker aus dem Urin zurück ins Blut holt. Dadurch scheidet der Körper mehr Glukose aus, zusammen mit Natrium und Wasser. In der Europäischen Union ist Jardiance zugelassen für die Behandlung von Typ-2-Diabetes, chronischer Herzinsuffizienz und chronischer Nierenerkrankung. Die Standarddosis beträgt 10 mg einmal täglich.
Die deutsche Fachinformation beschreibt Jardiance als Ergänzung zu Diät und Bewegung bei unzureichend behandeltem Typ-2-Diabetes. Eine Zulassung zur Gewichtsreduktion bei Menschen mit Übergewicht oder Adipositas ohne Diabetes gibt es nicht. Die S3-Leitlinie zur Adipositas aus dem Jahr 2024 nennt für die medikamentöse Gewichtsreduktion Orlistat, Semaglutid, Liraglutid und die Kombination Naltrexon/Bupropion. Empagliflozin taucht dort nicht auf.
Wie Jardiance das Gewicht senkt
Der Körper scheidet mehr Zucker über den Urin aus, wodurch dem Stoffwechsel Kalorien verloren gehen und der Gewichtsverlust entsteht. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes lag die Glukoseausscheidung in einer pharmakologischen Bewertung bei durchschnittlich etwa 78 g pro Tag.
Wichtig ist, dass nicht der gesamte Gewichtsverlust auf Fettabbau zurückgeht. Empagliflozin erhöht auch die Ausscheidung von Natrium und Wasser. Ein Teil der frühen Gewichtsveränderung geht daher auf den Flüssigkeitshaushalt zurück. Die Produktinformation spricht von einer möglichen Abnahme von Körperfett und Körpergewicht, ohne den Anteil der Flüssigkeit genau anzugeben.
Wie viel Gewichtsverlust realistisch ist
Die belastbarsten Daten stammen aus Studien mit Menschen mit Typ-2-Diabetes. Eine Auswertung klinischer Studien mit mehreren tausend Teilnehmenden über 12 beziehungsweise 24 Wochen ergab gegenüber Placebo einen Gewichtsunterschied von 1,7 kg beziehungsweise 1,9 kg. Der Taillenumfang verringerte sich um jeweils etwa 1,3 cm. In einer 52-wöchigen Studie mit Insulin-Kombinationstherapie lag der Unterschied bei rund 2,4 bis 2,5 kg.
Eine große Meta-Analyse von 116 randomisierten Studien mit vielen tausend Teilnehmenden untersuchte SGLT-Hemmer verschiedener Wirkstoffe. Der durchschnittliche Gewichtsunterschied gegenüber Placebo betrug 1,79 kg, der BMI-Unterschied 0,71 kg/m². Diese Analyse umfasst verschiedene Wirkstoffe und Krankheitsgruppen und ist kein reiner Nachweis für Empagliflozin.
Daten für Menschen ohne Diabetes
Für Menschen mit Adipositas ohne Typ-2-Diabetes gibt es deutlich weniger belastbare Studien. In einer kleinen randomisierten Untersuchung mit 35 abgeschlossenen Teilnehmenden zeigte Empagliflozin über drei Monate beim Körpergewicht nur einen nicht signifikanten Trend zu stärkerem Gewichtsverlust. Eine andere Studie zur Leberfettveränderung berichtete zwar von etwa 2,97 kg Gewichtsverlust bei Teilnehmenden ohne Diabetes, doch einzelne Studien reichen nicht aus, um eine allgemeine Abnehmwirkung zu belegen.
Die Ergebnisse aus Diabetesstudien lassen sich nicht ohne Weiteres auf Menschen ohne Diabetes übertragen. Bei ausgeprägter Hyperglykämie scheidet der Körper ohnehin mehr Zucker aus, der zusätzliche Effekt des Medikaments fällt dort anders aus als bei normalen Blutzuckerwerten.
Vergleich mit Abnehmmedikamenten
Der Gewichtseffekt von Jardiance ist deutlich kleiner als der von spezifischen Adipositasmedikamenten. Die S3-Leitlinie nennt für Liraglutid eine zusätzliche Gewichtsabnahme von etwa 5,3 kg gegenüber Placebo, für Orlistat etwa 2,6 bis 3,1 kg. Diese Werte stammen aus Adipositasstudien mit zugelassenen Gewichtsreduktionsmedikamenten und sind nicht direkt mit den Diabetesstudien zu Jardiance vergleichbar.
Eine indirekte Meta-Analyse bei Typ-2-Diabetes mit zusätzlicher Metformintherapie verglich Semaglutid mit Empagliflozin. Semaglutid reduzierte das Gewicht nach etwa einem Jahr im Mittel um weitere 1,65 kg gegenüber Empagliflozin. Das zeigt die unterschiedliche Größenordnung der erwartbaren Gewichtsabnahme.
Risiken und Nebenwirkungen
Jardiance ist kein harmloses Mittel zum Abnehmen. Die deutsche Fachinformation nennt Genitalinfektionen bei etwa 4 Prozent der Behandelten gegenüber 1 Prozent unter Placebo, Harnwegsinfektionen bei 8,8 Prozent unter der 10-mg-Dosis und verstärkte Harnausscheidung bei 3,5 Prozent. Volumenmangelzustände traten bei 0,6 Prozent auf.
Besondere Vorsicht gilt bei älteren Menschen, bei niedrigem Blutdruck und bei Flüssigkeitsverlust durch Erbrechen oder Durchfall. Das gilt auch bei gleichzeitiger Einnahme von Diuretika und bei eingeschränkter Nierenfunktion. Die Fachinformation empfiehlt Kontrollen der Nierenfunktion vor Beginn und regelmäßig während der Behandlung.
SGLT2-Hemmer können selten eine diabetische Ketoazidose auslösen, eine gefährliche Übersäuerung des Blutes. Das Risiko steigt bei Krankheit, Fasten, deutlicher Kalorienrestriktion und Flüssigkeitsmangel. Operationen oder eine unangemessene Insulinreduktion erhöhen das Risiko ebenfalls. Wer eine starke Diät oder längeres Fasten plant, sollte eine eigenständige Einnahme von Empagliflozin nicht damit kombinieren. Die US-amerikanische Fachinformation empfiehlt, das Medikament vor Operationen vorübergehend abzusetzen.
Selten, aber schwerwiegend sind Fälle einer nekrotisierenden Fasziitis des Perineums, auch Fournier-Gangrän genannt. Bei Schmerzen, Rötung oder Schwellung im Genital- oder Dammbereich zusammen mit Fieber ist unverzüglich ärztliche Hilfe erforderlich.