Ob ein Blutzuckerwert aussagekräftig ist, hängt vom Messzeitpunkt, vom Messverfahren und von Ihrer persönlichen Situation ab. Nüchtern, nach dem Essen, bei bekanntem Diabetes oder in der Schwangerschaft gelten unterschiedliche Grenzwerte.
Die Tabelle trennt Diagnosebereiche, Therapieziele und Warnwerte. So ordnen Sie Werte aus Labor, Blutzuckermessgerät oder Sensor richtig ein. Drucken Sie die Tabelle aus und besprechen Sie auffällige Werte mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Diagnosewerte für Erwachsene
Die Werte in dieser Tabelle gelten für Erwachsene ohne bekannte Diabeteserkrankung und ordnen Laborwerte ein. Sie ersetzen keine ärztliche Diagnose. Ein einzelner erhöhter Messwert aus dem Heimgerät begründet keine Diabetesdiagnose. Dafür ist ein venöser Laborwert oder ein standardisierter Test nötig.
| Situation | mg/dl | mmol/l | Einordnung |
|---|---|---|---|
| Nüchtern, unauffällig | unter 100 | unter 5,6 | kein erhöhter Nüchternwert |
| Nüchtern, erhöhtes Risiko | 100–125 | 5,6–6,9 | ärztlich abklären lassen |
| Nüchtern, Diabetesgrenze | ab 126 | ab 7,0 | Laborbestätigung nötig |
| 2 Stunden nach Zuckerbelastungstest, unauffällig | unter 140 | unter 7,8 | normale Glukosetoleranz |
| 2 Stunden nach Zuckerbelastungstest, erhöhtes Risiko | 140–199 | 7,8–11,0 | gestörte Glukosetoleranz möglich |
| 2 Stunden nach Zuckerbelastungstest, Diabetesgrenze | ab 200 | ab 11,1 | ärztlich abklären |
| Gelegenheitswert mit typischen Symptomen | ab 200 | ab 11,1 | dringende ärztliche Abklärung |
Der 2-Stunden-Wert nach einem Zuckerbelastungstest (75-g-oGTT) ist nicht dasselbe wie ein Wert, den Sie zwei Stunden nach einem normalen Essen messen. Der Test läuft unter standardisierten Bedingungen in der Arztpraxis ab.
In Deutschland legen Fachgesellschaften den erhöhten Nüchternblutzucker unterschiedlich fest. Die hier verwendete Einteilung setzt die obere Grenze des unauffälligen Bereichs bei 100 mg/dl an, in Anlehnung an die Deutsche Diabetes Gesellschaft. Einige Fachgesellschaften setzen die Grenze bei 110 mg/dl an. Beide Ansätze stehen in der Nationalen VersorgungsLeitlinie.
Therapieziele bei bekanntem Diabetes
Bei Menschen mit diagnostiziertem Diabetes gelten andere Zielwerte als die Diagnosegrenzen. Ein Nüchternwert von 100 bis 125 mg/dl ist ohne Diabetes ein Risikobereich, kann bei bekanntem Typ-2-Diabetes aber ein vereinbartes Therapieziel sein. diabetesDE nennt diese Orientierungsgrößen:
| Messzeitpunkt | Orientierungsbereich |
|---|---|
| Nüchtern beziehungsweise vor dem Essen | 100–125 mg/dl / 5,6–6,9 mmol/l |
| 1–2 Stunden nach einer Mahlzeit | 140–199 mg/dl / 7,8–11,0 mmol/l |
| HbA1c (Langzeitblutzucker) | 6,5–7,5 % / 48–58 mmol/mol |
Diese Werte sind keine allgemeingültigen Vorgaben. Die persönlichen Zielwerte hängen von Alter, Begleiterkrankungen, Diabetesdauer, Therapieform und Unterzuckerungsrisiko ab. Sie werden individuell mit dem Behandlungsteam vereinbart. Ändern Sie Insulin- oder Medikamentendosen niemals allein anhand einer allgemeinen Tabelle.
Unterzuckerung und Notfallhinweise
Ein Wert unter 70 mg/dl beziehungsweise 3,9 mmol/l gilt als Unterzuckerung (Hypoglykämie). Eine schwere Unterzuckerung ist nicht allein durch die Zahl definiert, sondern dadurch, dass die betroffene Person sich nicht mehr selbst helfen kann. Als grober Richtwert gelten Werte unter 40 mg/dl beziehungsweise 2,2 mmol/l.
Bei Bewusstlosigkeit oder schwerer Verwirrtheit wählen Sie den Notruf 112. Geben Sie einer bewusstlosen Person nichts zu essen oder zu trinken. Bei wiederholten Unterzuckerungen sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Der Bereich von 70 bis 180 mg/dl beziehungsweise 3,9 bis 10,0 mmol/l wird häufig als Zielbereich bei Diabetes genannt, etwa bei der Zeit im Zielbereich. Auch dieser Bereich gilt nicht automatisch für alle Menschen gleich.
Grenzwerte in der Schwangerschaft
In der Schwangerschaft gelten strengere Grenzen, sowohl für die Diagnose eines Schwangerschaftsdiabetes als auch für die Therapieziele. Diese Werte stehen nicht in der allgemeinen Tabelle, weil eine Vermischung zu Fehleinschätzungen führen würde.
Für die Diagnose wird ein standardisierter Zuckerbelastungstest durchgeführt. Ein Schwangerschaftsdiabetes liegt vor, wenn mindestens einer der folgenden Grenzwerte erreicht oder überschritten wird:
| Messzeitpunkt | Grenzwert |
|---|---|
| Nüchtern, vor dem Test | ab 92 mg/dl / ab 5,1 mmol/l |
| 1 Stunde nach Glukoseaufnahme | ab 180 mg/dl / ab 10,0 mmol/l |
| 2 Stunden nach Glukoseaufnahme | ab 153 mg/dl / ab 8,5 mmol/l |
Die Diagnose erfolgt nicht mit einem gewöhnlichen Heim-Messgerät. Bei bereits festgestelltem Schwangerschaftsdiabetes gelten als Therapieziele der Selbstkontrolle: nüchtern unter 95 mg/dl (5,3 mmol/l), eine Stunde nach Beginn der Mahlzeit unter 140 mg/dl (7,8 mmol/l) und zwei Stunden nach Beginn der Mahlzeit unter 120 mg/dl (7,2 mmol/l).
Umrechnung mg/dl und mmol/l
In Deutschland werden Blutzuckerwerte in zwei Einheiten angegeben. Die Umrechnung lautet: mg/dl geteilt durch 18 ergibt mmol/l, mmol/l mal 18 ergibt mg/dl. Gerundete Werte für den Alltag:
| mg/dl | mmol/l |
|---|---|
| 50 | 2,8 |
| 70 | 3,9 |
| 100 | 5,6 |
| 126 | 7,0 |
| 140 | 7,8 |
| 180 | 10,0 |
| 200 | 11,1 |
| 300 | 16,7 |
Richtig messen
Ein Messwert ist nur so zuverlässig wie die Messung selbst. Waschen Sie die Hände vor dem Messen und trocknen Sie sie gut ab. Rückstände von Lebensmitteln, Creme oder Desinfektionsmittel verfälschen das Ergebnis. Bei unplausiblen Werten messen Sie erneut. Lagern Sie Teststreifen trocken, lichtgeschützt und gemäß Herstellerangaben.
Sensorwerte von kontinuierlichen Glukosemesssystemen (CGM) messen die Glukose in der Gewebsflüssigkeit, nicht im Blut. Sie können zeitlich und systematisch von kapillären Messwerten abweichen. Passt ein Sensorwert nicht zu Ihren Symptomen, kontrollieren Sie mit einer kapillaren Messung nach.
Wann zum Arzt?
Suchen Sie ärztlichen Rat, wenn ein Nüchternwert wiederholt über 100 mg/dl liegt, ein Gelegenheitswert über 200 mg/dl anzeigt oder Sie typische Symptome wie starken Durst, häufiges Wasserlassen oder unerklärlichen Gewichtsverlust bemerken. Auch bei wiederholten Unterzuckerungen oder bei Schwangerschaft ist eine zeitnahe ärztliche Abklärung wichtig. Die Tabelle hilft bei der Einordnung, ersetzt aber keine Untersuchung und keine individuelle Beratung.