Bei Diabetes zeigt ein Glukosemesswert, wie viel Glukose im Blut oder im Gewebe vorhanden ist. Symptome zeigen, wie der Körper auf eine Veränderung reagiert. Messwerte und Beschwerden stimmen nicht immer überein: Beschwerden können auftreten, obwohl der Messwert nicht niedrig ist. Umgekehrt kann ein niedriger Wert ohne deutliche Warnzeichen bleiben.

Darum gehören Messwert, Messmethode, Symptome und der persönliche Plan zusammen. Die häufig genannte Grenze von 70 mg/dl (3,9 mmol/l) ist ein wichtiger Warnwert im Diabetesmanagement, aber keine universelle Grenze, ab der alle Menschen Beschwerden bekommen oder eine Unterzuckerung diagnostiziert werden kann.
Was Grenzwerte aussagen
Die US-amerikanische Diabetesgesellschaft ADA teilt niedrige Glukosewerte bei Menschen mit Diabetes in Stufen ein: Unter 70 mg/dl (3,9 mmol/l) beginnt Stufe 1, unter 54 mg/dl (3,0 mmol/l) Stufe 2. Diese Einteilung dient der Beurteilung und dem Management von Diabetes. Sie legt keine einheitliche Symptomgrenze für alle Menschen fest.

Die ADA bezeichnet außerdem ein Ereignis als Stufe 3, wenn eine Person wegen einer veränderten geistigen oder körperlichen Funktion Hilfe benötigt. Dabei ist der Messwert unerheblich. Bei Stufe 3 hängt die Einstufung vom Hilfebedarf ab, nicht vom Messwert; die Schwere lässt sich daher nicht allein an einer Zahl ablesen. Andere Informationsangebote verwenden teilweise eigene Zahlenwerte für schwere Unterzuckerungen. Solche Einteilungen sind nicht ohne Weiteres gleichzusetzen.
Auch bei Menschen mit Diabetes reagieren Beschwerden nicht stets bei demselben Wert. Wie der Blutzucker zuvor eingestellt war und ob es früher Unterzuckerungen gab, spielt dabei eine Rolle. Wiederholte Unterzuckerungen können dazu führen, dass Betroffene niedrige Werte schlechter bemerken. Ein Wert unter 70 mg/dl bleibt deshalb auch dann relevant, wenn keine Beschwerden auftreten.
Was Symptome zeigen
Zittern, Schwitzen, Heißhunger und Herzklopfen sind mögliche frühe Anzeichen. Bei einer stärker ausgeprägten Unterzuckerung können Verwirrtheit, Orientierungsprobleme, Sprach- oder Sehstörungen und Bewusstseinsstörungen auftreten. Diese Beschwerden sind nicht eindeutig: Sie können auch andere Ursachen haben und beweisen für sich allein keine Unterzuckerung.
Umgekehrt schließen fehlende Symptome einen niedrigen Wert nicht aus. Das ist besonders bedeutsam, wenn eine Person niedrige Werte schlechter wahrnimmt. Wer Diabetes hat, sollte Symptome und Messwerte samt Verlauf im Zusammenhang mit dem vereinbarten Plan beurteilen; weder Körpergefühl noch eine einzelne Messung genügt für sich allein.
Warum die Messmethode zählt
Ein Blutzuckermessgerät am Finger untersucht eine Blutprobe. Ein Sensor zur kontinuierlichen Glukosemessung, kurz CGM, erfasst Glukose in der Flüssigkeit zwischen den Zellen unter der Haut. Wenn die Glukose steigt oder fällt, zeigt der Sensor die Veränderung im Blut zeitverzögert an. Die deutsche S3-Leitlinie zum Typ-1-Diabetes nennt dafür einen natürlichen Zeitversatz von etwa 6 bis 10 Minuten.

Zum Beispiel spürt eine Person Beschwerden, während der Sensor einen unauffälligen Wert anzeigt. Bei raschen Veränderungen kann der Zeitversatz eine Rolle spielen. Auch bei fehlenden Sensordaten oder einem Wert, der nicht zum Befinden passt, sollte man die Anzeige zusammen mit den Beschwerden beurteilen. Welche Messung dann vorgesehen ist, hängt vom Gerät und vom persönlichen Plan ab. Eine Methode ist nicht in jeder Situation pauschal überlegen.
Was bei Beschwerden ohne Diabetes gilt
Bei Erwachsenen ohne Diabetes wird eine vermutete hypoglykämische Erkrankung anders abgeklärt als ein niedriger Wert im Diabetesmanagement. Ärztinnen und Ärzte können sich bei der Beurteilung an der sogenannten Whipple-Trias orientieren: Es treten passende Beschwerden auf, eine zuverlässige Labormessung zeigt einen niedrigen Glukosewert im Blutplasma, und die Beschwerden bessern sich, wenn die Glukose angehoben wird.
Ein einzelner Heimmesswert reicht für diese Diagnose nicht aus. Die Diagnose muss ebenfalls ärztlich gestellt werden. Wer wiederholt Beschwerden hat oder niedrige Werte vermutet, sollte das medizinisch abklären lassen, statt aus einer einzelnen Messung selbst eine Ursache abzuleiten.
Was der persönliche Plan festlegt
Im persönlichen Plan steht, wie Messwerte, Messmethode, Symptome und das individuelle Risiko zusammen zu bewerten sind. Mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt sollte festgelegt werden, welche Werte und Alarme wichtig sind, wie widersprüchliche Anzeigen und Beschwerden zu beurteilen sind und wann Unterstützung nötig ist. Nach einer schweren Episode oder wiederholt niedrigen Werten gehört auch eine Überprüfung des Behandlungsplans dazu.

CGM-Ziele, etwa der Anteil der Zeit unter bestimmten Werten, helfen dabei, Glukosewerte über einen Zeitraum auszuwerten. Sie sind keine pauschalen Grenzen für die Diagnose eines akuten Ereignisses. Die deutsche S3-Leitlinie zum Typ-1-Diabetes nennt solche Ziele für bestimmte Gruppen und betont, dass sie individuell angepasst werden.
Bei Bewusstseinsstörungen, einem Krampfanfall oder wenn eine Person sich nicht mehr selbst helfen kann, ist sofortige medizinische Hilfe nötig. In Deutschland muss der Rettungsdienst auch dann verständigt werden, wenn kein Messwert vorliegt.