Wer wissen möchte, wie hoch das eigene Risiko für Typ-2-Diabetes ist, kann den Selbsttest von diabetesDE ausfüllen. Anhand persönlicher Angaben schätzt der Test, wie wahrscheinlich eine Person in den nächsten zehn Jahren an Typ-2-Diabetes erkrankt. Entwickelt wurde der Test vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE).
Das Ergebnis ist eine statistische Einschätzung, keine Diagnose: Ein hoher Wert bedeutet weder, dass Diabetes bereits vorliegt, noch, dass er sicher entstehen wird. Ein niedriger Wert schließt eine Erkrankung ebenfalls nicht aus. Bei erhöhtem Ergebnis empfiehlt diabetesDE, eine Blutzuckerprüfung in einer Arztpraxis zu besprechen.
Welche Angaben der Test erfasst
Der Fragebogen berücksichtigt elf Angaben. Dazu zählen Alter, Kaffeekonsum, Taillenumfang und Körpergröße. Er erfasst außerdem den Verzehr von Vollkornbrot und Müsli sowie von Rind-, Schweine- oder Lammfleisch. Weitere Angaben betreffen körperliche Aktivität, Bluthochdruck, Raucherstatus und Typ-2-Diabetes bei leiblichen Eltern oder Geschwistern.

Der Test addiert die Punkte der Antworten zu einem Gesamtwert; manche Antworten zählen stärker als andere. Ein Taillenumfang von mindestens 120 Zentimetern zählt im Fragebogen beispielsweise 40 Punkte, ein erkrankter Elternteil 6 und zwei erkrankte Elternteile 11. Die Punktzahlen fließen in die Berechnung ein und sind keine Prozentangaben.

Der Fragebogen legt auch fest, wo der Taillenumfang gemessen wird: in der Mitte zwischen dem untersten Rippenbogen und dem oberen Rand des Beckenknochens. Eine möglichst genaue Messung ist hilfreich, weil der Test Taillenumfang und Körpergröße getrennt berücksichtigt.
Was das Ergebnis aussagt
Der Test ordnet die Punktzahl einer geschätzten Wahrscheinlichkeit zu, in den kommenden zehn Jahren an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Im diabetesDE-Auswertungsbogen stehen 54 Punkte zum Beispiel für eine Gruppe, in der voraussichtlich 10 von 100 Personen innerhalb dieses Zeitraums Typ-2-Diabetes entwickeln.
Die Zahl beschreibt eine Gruppe von Menschen mit ähnlichen Angaben. Sie sagt nicht sicher voraus, ob eine einzelne Person erkrankt. Manche Menschen mit hohem Ergebnis bleiben gesund, während Menschen mit niedrigem Ergebnis erkranken können.
Der Fragebogen misst außerdem keinen aktuellen Blutzucker. Ohne diesen Wert kann er weder feststellen, ob Diabetes bereits besteht, noch die Erkrankung ausschließen. Wer bereits eine Diabetes-Diagnose erhalten hat, sollte den Test nicht zur Einschätzung der eigenen Erkrankung verwenden.
Wie der Test entwickelt wurde
Das DIfE entwickelte die Risikoberechnung anhand der Potsdamer EPIC-Studie, einer Langzeitstudie zu Ernährung und Gesundheit. Für die Zehn-Jahres-Version gewichteten die Forschenden die Angaben aus EPIC-Potsdam neu. Forschende überprüften das Modell anschließend in zwei weiteren deutschen Bevölkerungsstudien: EPIC-Heidelberg und GNHIES98. Die wissenschaftliche Veröffentlichung zur Zehn-Jahres-Version erschien 2022.

Die Studie untersuchte unter anderem, wie gut der Test Personen mit höherem und niedrigerem späterem Risiko voneinander unterscheiden kann. Dafür verwendeten die Forschenden den C-Index. Der C-Index misst diese Unterscheidungsfähigkeit.
Die Kalibrierung zeigt, ob die vorhergesagten Erkrankungshäufigkeiten zu den tatsächlich beobachteten passen. In EPIC-Potsdam passten die Vorhersagen der Zehn-Jahres-Version gut zu den beobachteten Erkrankungshäufigkeiten. In EPIC-Heidelberg lag das von der nichtklinischen Version vorhergesagte Risiko insgesamt zu hoch, besonders in der höchsten Risikogruppe. In GNHIES98 passten die vorhergesagten Erkrankungshäufigkeiten nach einer Anpassung des Modells gut zu den beobachteten. Damit hängt die Genauigkeit der konkreten Risikozahlen auch davon ab, auf welche Bevölkerungsgruppe das Modell angewendet wird.
Die Studie beschreibt auch eine klinische Variante, die zusätzlich den Langzeitblutzuckerwert HbA1c berücksichtigt. Dafür ist ein Laborwert nötig. Sie unterscheidet sich daher vom Fragebogen zum Selbst-Ausfüllen.
Was ein erhöhtes Ergebnis bedeutet
Bei erhöhtem Risiko empfiehlt der diabetesDE-Fragebogen, eine ärztliche Blutzuckerprüfung zu besprechen. Das Ergebnis ist ein Grund, den Blutzucker ärztlich prüfen zu lassen, ersetzt diese Prüfung aber nicht. Die Ärztin oder der Arzt kann aktuelle Blutwerte und die persönliche Situation beurteilen.

Der Test berücksichtigt Angaben zur Bewegung und Ernährung. Auch Rauchen und Taillenumfang zählen zu den Merkmalen. Sie belegen aber nicht, dass eine einzelne Antwort die Erkrankung verursacht. Alter und Familiengeschichte lassen sich nicht verändern; andere Angaben beziehen sich auf Verhaltens- oder Gesundheitsmerkmale. Veränderungen sollten zur jeweiligen gesundheitlichen Situation passen. Laut diabetesDE-Broschüre sollten Menschen über 65 Jahre ärztlichen Rat einholen, bevor sie versuchen, Gewicht oder Taillenumfang zu verringern.