Wenn im Laborbefund oder im Arztgespräch von Blutzucker, Nüchternzucker und HbA1c die Rede ist, sind damit drei verschiedene Messgrößen gemeint. Sie beantworten unterschiedliche Fragen: Wie hoch ist die Glukose gerade im Blut? Wie hoch ist sie nach einer festgelegten Zeit ohne Essen? Und wie sah der Glukoseverlauf über die vergangenen Wochen aus?

Editorial illustration for HbA1c, Nüchternzucker und Glukose: Die wichtigsten Laborwerte erklärt

Glukose ist der Zucker, dessen Konzentration im Blut gemessen wird. Ein Nüchternblutzuckerwert ist eine solche Messung unter festgelegten Bedingungen. HbA1c misst dagegen, wie viel Glukose an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin gebunden ist, und gibt einen Hinweis auf den durchschnittlichen Blutzuckerverlauf über mehrere Wochen. Die Werte sind nicht austauschbar und können durchaus unterschiedlich ausfallen.

Was der Glukosewert zeigt

Glukose ist ein Zucker, der natürlicherweise im Blut vorkommt. Ein Blutzuckerwert gibt an, wie hoch die Glukosekonzentration im Blut zu einem bestimmten Zeitpunkt ist. Üblich sind die Einheiten mg/dl oder mmol/l. Die Frage, die ein Glukosewert beantwortet, lautet: Wie hoch ist die Glukose gerade im Blut?

Editorial illustration of a central blood drop containing glucose molecules, surrounded by four small icons representing a meal, physical activity, a clock, and stress, connected by thin lines.
Der Glukosewert ist eine Momentaufnahme – Essen, Bewegung, Tageszeit und Stress beeinflussen ihn.

Eine einzelne Messung hängt von vielen Umständen ab. Essen, körperliche Aktivität, Tagesrhythmus und Stress beeinflussen den Wert. Deshalb sagt ein einzelner Glukosewert nur etwas über den Moment aus, in dem die Messung erfolgte. Der Begriff Glukosewert meint den gemessenen Zucker, nicht eine bestimmte Testart. Eine Glukosemessung kann nüchtern erfolgen oder zu einem anderen Zeitpunkt.

Was der Nüchternblutzucker aussagt

Der Nüchternblutzucker ist eine standardisierte Momentaufnahme. Die Nationale VersorgungsLeitlinie beschreibt die Bestimmung als Labormessung am Morgen nach einer Zeit ohne Nahrung von mindestens acht und höchstens zwölf Stunden. Diese Zeitspanne folgt einer Empfehlung von ADA und WHO.

Editorial illustration for HbA1c, Nüchternzucker und Glukose: Die wichtigsten Laborwerte erklärt

Der Wert bildet die Glukose zu einem einzelnen Zeitpunkt ab, nicht den Verlauf der vergangenen Wochen. Er kann von Tag zu Tag schwanken und wird auch von der Tageszeit und der Behandlung der Probe beeinflusst. Er gibt an, wie hoch die Glukose im Blut nach einer definierten Zeit ohne Kalorienzufuhr ist.

Was der HbA1c-Wert zeigt

HbA1c misst den Anteil des Hämoglobins, an den Glukose gebunden ist. Glukose bindet sich an Hämoglobin, den roten Blutfarbstoff in den roten Blutkörperchen. Je höher die Glukosekonzentration über Wochen war, desto mehr Hämoglobin ist mit Glukose beladen.

Editorial illustration for HbA1c, Nüchternzucker und Glukose: Die wichtigsten Laborwerte erklärt

Der Wert gibt einen Hinweis auf die durchschnittliche Glukose über die vergangenen acht bis zwölf Wochen, häufig vereinfacht als etwa drei Monate beschrieben. Für diese Messung muss man nicht nüchtern sein. Angegeben wird HbA1c als Prozentwert oder in mmol/mol.

Kurzfristige Ausschläge werden im HbA1c nicht unmittelbar sichtbar. Veränderungen im letzten Monat wirken sich stärker aus als Veränderungen in weiter zurückliegenden Monaten. Der Wert bildet einen Durchschnitt über die Zeit ab und zeigt keine einzelnen Tage.

Warum die Werte voneinander abweichen

HbA1c und einzelne Glukosemessungen erfassen unterschiedliche Aspekte des Glukosestoffwechsels. Deshalb können sie unterschiedlich ausfallen. Daraus allein ergibt sich keine eindeutige Erklärung. Ein Glukosetest kann auffällig sein, während HbA1c unauffällig ist, oder umgekehrt.

Beim HbA1c spielen Einflüsse auf rote Blutkörperchen und Hämoglobin eine Rolle. Veränderungen der Lebensdauer roter Blutkörperchen, Blutverluste, Transfusionen, Eisenmangel, Nieren- oder Lebererkrankungen sowie abweichende Hämoglobinformen können die Aussagekraft beeinflussen. Diese Faktoren treffen nicht auf jede Person und jedes Laborverfahren gleichermaßen zu.

Auch Laborwerte und Selbstmessungen sind nicht gleichzusetzen. Für die Diagnose empfehlen die Leitlinien qualitätsgesicherte Laborverfahren, die die Glukose im venösen Blutplasma messen. Geräte zur Selbstmessung sind dafür nicht geeignet. Sie haben einen anderen Zweck: Sie zeigen die Glukose zu konkreten Zeitpunkten und machen sichtbar, wie Mahlzeiten, Bewegung oder Belastungen den Wert verändern.