Erhöhte Blutzuckerwerte (Hyperglykämie) entstehen, wenn der Körper Glukose nicht ausreichend aus dem Blut in die Zellen aufnimmt. Meist fehlt Insulin oder es wirkt nicht richtig. Erhöhte Werte lassen sich nur durch eine Blutuntersuchung sicher feststellen. Körpersignale reichen dafür nicht.

Starker Durst, häufiges Wasserlassen oder Müdigkeit können auf hohe Werte hindeuten. Doch viele Menschen mit Typ-2-Diabetes spüren zunächst nichts. Wer auf Symptome wartet, riskiert eine unerkannte Erkrankung. Deshalb gilt: die typischen Anzeichen kennen, bei Verdacht messen lassen und wissen, wann ein Notfall vorliegt.

Häufigste Symptome

Die am besten belegten Beschwerden bei erhöhten Blutzuckerwerten sind starker Durst, häufiges Wasserlassen, trockener Mund, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Sehstörungen und trockene Haut. Bei hoher Glukosekonzentration verliert der Körper vermehrt Flüssigkeit über den Urin. Der Flüssigkeitsverlust führt zum Durstgefühl, die vermehrte Urinausscheidung zum häufigen Toilettengang.

Ein Beispiel: Wer nachts mehrfach aufwachen muss, um Wasser zu lassen, und tagsüber ständig durstig ist, hat ein typisches Bild. Allerdings sind diese Zeichen unspezifisch. Auch eine harmlose Dehydrierung, eine Erkältung oder Schlafmangel kann ähnliche Beschwerden auslösen. Ein einzelnes Symptom beweist also keinen erhöhten Zuckerwert.

Sehstörungen entstehen, weil sich die Linse des Auges durch den veränderten Flüssigkeitshaushalt vorübergehend verformt. Das Sehen kann dann verschwommen sein. Es bessert sich aber häufig, sobald die Werte wieder im Zielbereich liegen.

Weitere Hinweise auf unerkannten Diabetes

Bei länger erhöhten Werten können zusätzliche Anzeichen auftreten. Oft sind sie erst im Rückblick als Warnsignale erkennbar. Dazu gehören unbeabsichtigter Gewichtsverlust, häufige Infektionen, langsam heilende Wunden und Kribbeln oder Taubheitsgefühle in Händen und Füßen. Manche Menschen bemerken wiederkehrende Harnwegs- oder Pilzinfektionen, weil der zuckerhaltige Urin das Wachstum von Keimen begünstigt. Bei Kindern kann neu auftretendes Einnässen oder deutlich häufigeres Wasserlassen auf einen bislang unerkannten Diabetes hinweisen.

Diese Zeichen müssen nicht immer auf erhöhte Zuckerwerte hindeuten. Ein Gewichtsverlust ohne Diät, Wunden, die schlecht verheilen, oder hartnäckige Infekte haben auch andere Erklärungen. Wer mehrere dieser Punkte bei sich beobachtet, sollte sie ärztlich abklären lassen, statt sie einer einzelnen Ursache zuzuschreiben.

Warum erhöhte Werte unbemerkt bleiben

Gerade Typ-2-Diabetes entwickelt sich über Jahre hinweg, ohne dass Betroffene Beschwerden spüren. Die Bauchspeicheldrüse produziert zunächst noch genug Insulin. Nur wirkt es an den Zellen nicht mehr richtig. Der Blutzucker steigt langsam an. Der Körper gewöhnt sich an den erhöhten Spiegel. Viele Diagnosen fallen deshalb zufällig bei einer Routineuntersuchung, etwa beim Hausarzt oder im Rahmen eines Gesundheitschecks.

Beim Typ-1-Diabetes verläuft die Entwicklung anders. Hier zerstört das Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen. Die Beschwerden können sich innerhalb von Wochen oder Monaten entwickeln. Sie werden dann oft rascher und schwerer. Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen können auf eine beginnende Ketoazidose hinweisen.

Auch Schwangerschaftsdiabetes verursacht häufig keine auffälligen Beschwerden. Deshalb wird er in der Schwangerschaft zwischen der 24. und 28. Woche gezielt untersucht.

Wann der Notruf nötig ist

Erhöhte Werte können zu einer akuten Stoffwechselentgleisung führen. Warnzeichen sind Übelkeit und Erbrechen, Bauchschmerzen, ein süßlich oder fruchtig riechender Atem, vertiefte und angestrengte Atmung, zunehmende Benommenheit oder Verwirrtheit und schließlich Bewusstlosigkeit. Diese Beschwerden deuten auf eine diabetische Ketoazidose hin. Das ist ein lebensbedrohlicher Zustand, der durch ausgeprägten Insulinmangel entsteht. Sie betrifft vor allem Menschen mit Typ-1-Diabetes. Sie kann aber auch bei Typ-2-Diabetes auftreten.

Bei Bewusstlosigkeit, ausgeprägter Verwirrtheit, Atemproblemen, wiederholtem Erbrechen oder dem Verdacht auf eine Ketoazidose müssen Sie die 112 wählen. Bewusstlosen Personen dürfen Sie keine Getränke, Nahrung, Glukose, Medikamente oder Insulin in den Mund geben.

Wer bereits Diabetes hat und einen Blutzuckerwert über etwa 250 mg/dl feststellt, sollte Ketone kontrollieren. Das gilt, wenn das mit dem Behandlungsteam besprochen wurde und Testmaterial vorhanden ist. Ketone sind Stoffwechselprodukte. Sie entstehen bei starkem Insulinmangel und übersäuern den Körper. Für Blutketone gelten als Orientierung: unter 0,6 mmol/l ist normal, 0,6 bis 1,5 mmol/l leicht erhöht, über 1,5 mmol/l erhöht.

Ab wann Werte erhöht sind

Die Frage, ab wann ein Wert zu hoch ist, hat mehrere Antworten, je nachdem, ob es um die Diagnose, die akute Überzuckerung oder den Notfall geht. Diese Kategorien sollten Sie nicht vermischen.

Für die Diabetesdiagnose gelten standardisierte Laborgrenzwerte:

Messgröße Erhöhtes Risiko Diabetes
Nüchternblutzucker 100 bis 125 mg/dl ab 126 mg/dl
HbA1c (Langzeitzucker) 5,7 bis unter 6,5 % ab 6,5 %
Gelegenheitsmessung nicht relevant ab 200 mg/dl bei passender klinischer Situation

Ein einmalig erhöhter Wert nach einer Mahlzeit ist nicht automatisch Diabetes. Für die Diagnose gehören mehrere Messungen oder ein Bestätigungstest dazu. Die Werte schwanken durch Stress, Infekte, Medikamente und Messungenauigkeiten. Blutzuckermessgeräte zur Selbstkontrolle eignen sich in der Regel nicht zur alleinigen Diagnosestellung. Sie liefern aber bei akuten Beschwerden eine erste Einschätzung.

Informationsangebote wie diabinfo.de sprechen bei Werten über 250 mg/dl beziehungsweise 13,9 mmol/l von einer akuten Überzuckerung. Das ist ein Orientierungswert, keine Diagnosegrenze. Ab wann Menschen Beschwerden spüren, ist individuell verschieden. Manche haben bei sehr hohen Werten kaum Symptome. Andere reagieren schon bei moderat erhöhten Werten empfindlich.

Ursachen erhöhter Werte

Bei Menschen mit bekanntem Diabetes haben erhöhte Werte häufig konkrete Auslöser: eine vergessene oder zu geringe Insulingabe, ein falsch eingeschätzter Kohlenhydratanteil einer Mahlzeit, Infektionen, körperlicher oder psychischer Stress, technische Probleme mit Insulinpen oder Pumpe, wiederholte Injektionen in verhärtete Hautstellen oder verdorbenes Insulin. Auch Medikamente wie Glukokortikoide können den Blutzucker in die Höhe treiben.

Bei Menschen ohne Diabetesdiagnose sollte ein erhöhter Wert nicht vorschnell einer einzelnen Mahlzeit oder der Ernährungsweise zugeschrieben werden. Möglich ist ein bislang unerkannter Diabetes. Ein auffälliger Messwert gehört deshalb immer ärztlich abgeklärt.

Was bei auffälligen Werten zu tun ist

Wenn Sie starken Durst, häufiges Wasserlassen, ungeklärten Gewichtsverlust, Sehstörungen, ausgeprägte Müdigkeit oder Bauchschmerzen bemerken, sollten Sie zeitnah eine ärztliche Abklärung veranlassen. Die Nationale VersorgungsLeitlinie empfiehlt bei diabetesspezifischen Symptomen eine unverzügliche Blutzuckermessung und eine Untersuchung auf Ketone im Urin.

Wer bereits wegen Diabetes in Behandlung ist, sollte nach dem individuell vereinbarten Behandlungsplan vorgehen. Dazu gehört, den Blutzucker erneut zu messen, bei Krankheit oder hohen Werten Ketone zu kontrollieren und ausreichend zuckerfreie Flüssigkeit zu trinken, sofern keine medizinischen Gründe dagegen sprechen. Viele Behandlungspläne enthalten ein persönliches Korrektur- oder Sick-Day-Schema. Es legt fest, wie Sie bei erhöhten Werten reagieren. Halten die hohen Werte an oder verschlimmern sich die Beschwerden, kontaktieren Sie Ihr Diabetes-Team oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst.

Eine pauschale Empfehlung für zusätzliche Insulingaben gehört nicht in einen allgemeinen Ratgeber. Die Korrekturdosis hängt von Insulinart, Therapieform, Mahlzeit, Aktivität, Ketonen und individuellen Zielwerten ab. Zu früh nach einer Mahlzeit zusätzlich zu korrigieren kann sogar eine Unterzuckerung auslösen. Das Mahlzeiteninsulin wirkt dann noch.

Langzeitfolgen erhöhter Werte

Ein einzelner hoher Messwert ist meist nicht gefährlich. Ein dauerhaft erhöhter Blutzucker dagegen schon. Über Jahre hinweg schädigt er Blutgefäße und Nerven. Mögliche Folgen sind Erkrankungen von Herz, Gehirn, Augen und Nieren sowie Nervenschäden und Durchblutungsstörungen an den Beinen. Diese Langzeitfolgen treten nicht plötzlich auf. Sie entwickeln sich schleichend. Sie sind keine Sofortsymptome eines einzelnen erhöhten Werts. Sie sind das Ergebnis einer über lange Zeit bestehenden Stoffwechselstörung. Deshalb ist eine frühe Diagnose wichtig. Wer die Werte früh senkt, reduziert das Risiko für diese Folgeerkrankungen deutlich.