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Für Blutzucker-Teststreifen gibt es keine einheitliche Haltbarkeit.
Entscheidend sind das aufgedruckte Verfallsdatum, Hinweise zur
Verwendung nach dem Öffnen und die tatsächlichen Lagerbedingungen. War
die Dose lange geöffnet, im Sommer Hitze ausgesetzt oder fällt ein
Messwert unerwartet aus, genügt das Verfallsdatum allein nicht. Auch
Verpackungszustand und Herstellerangaben beeinflussen die
Verlässlichkeit.
Recherche-Stand: 31. Juli 2026
Verfallsdatum und Öffnung
trennen
Das Verfallsdatum und eine mögliche Frist nach dem Öffnen beantworten
zwei verschiedene Fragen. Das Verfallsdatum bezieht sich auf die vom
Hersteller vorgesehene Verwendbarkeit des Produkts. Eine zusätzliche
Angabe nach dem Öffnen beschreibt dagegen, wie lange die Teststreifen
nach dem erstmaligen Öffnen der vorgesehenen Verpackung verwendet werden
dürfen, sofern die genannten Bedingungen eingehalten wurden.
Was das Verfallsdatum
bedeutet
Das aufgedruckte Datum gehört zur Kennzeichnung des konkreten
Teststreifensystems. Für In-vitro-Diagnostika, also Produkte zur
Untersuchung von Proben außerhalb des Körpers, müssen Hersteller Angaben
zur sicheren Verwendungsfrist sowie zu Lagerungs- und
Handhabungsbedingungen bereitstellen. Die Verordnung
(EU) 2017/746 legt jedoch keine einheitliche Haltbarkeit für alle
Blutzucker-Teststreifen fest.
Prüfen Sie deshalb zunächst das Datum auf der Packung oder dem
Behälter. Ein noch nicht überschrittenes Verfallsdatum allein
beantwortet die Haltbarkeitsfrage aber nicht vollständig. Es gilt im
Zusammenhang mit den vorgesehenen Lagerbedingungen. Wurden die Streifen
beispielsweise längere Zeit feucht, heiß oder in direkter Sonne
aufbewahrt, kann ihre Verlässlichkeit trotz gültigem Datum
beeinträchtigt sein.
Was nach dem Öffnen gilt
Eine zusätzliche Nutzungsdauer nach dem Öffnen kann für ein
bestimmtes Produkt angegeben sein. Ob eine solche Frist gilt und wie sie
formuliert ist, steht auf der Verpackung oder in der Gebrauchsanweisung.
Die Angabe kann sich auf das erstmalige Öffnen der Primärverpackung
beziehen, also etwa auf die Dose, in der die Streifen ursprünglich
aufbewahrt werden.
Aus dem Öffnungsdatum lässt sich deshalb keine allgemeine
Restlaufzeit berechnen. Es gibt keine belastbare Einheitsregel nach dem
Muster „nach dem Öffnen immer mehrere Monate“. Die passende Frist ist
eine Herstellerangabe für genau dieses Produkt, seine Verpackung und die
vorgesehenen Bedingungen.
Beide Angaben gemeinsam
prüfen
Für die praktische Kontrolle bietet sich diese Reihenfolge an:
- Verfallsdatum ablesen: Prüfen Sie das Datum auf der
konkreten Packung oder Dose. - Hinweise nach dem Öffnen suchen: Sehen Sie in der
Gebrauchsanweisung und auf der Verpackung nach, ob eine zusätzliche
Verwendungsdauer genannt wird. - Lagerbedingungen abgleichen: Berücksichtigen Sie
die Angaben zu Feuchtigkeit, Temperatur, Licht und Handhabung. - Behälter beurteilen: Prüfen Sie, ob die
Originaldose intakt war und nach der Entnahme wieder verschlossen
wurde.
Die jeweils strengere produktspezifische Vorgabe ist für die
Verwendung entscheidend. Eine Packung kann also beim aufgedruckten
Verfallsdatum noch innerhalb der vorgesehenen Frist liegen, während
zusätzlich eine kürzere Nutzungsdauer nach dem Öffnen angegeben ist.
Warum es keine Monatsregel
gibt
Teststreifen werden nicht unabhängig von ihrer Verpackung bewertet.
Die Dose oder ein anderer vorgesehener Behälter soll die Streifen unter
den festgelegten Bedingungen schützen. Nach dem Öffnen verändern sich
die Bedingungen, insbesondere wenn Feuchtigkeit eindringt oder der
Behälter längere Zeit offen bleibt.
Darum verlangt die europäische Kennzeichnungssystematik
produktbezogene Informationen, statt eine Zahl für alle Produkte
vorzugeben. Die EU-Vorgaben zu Kennzeichnung und Gebrauchsanweisung
schaffen einen Rahmen für solche Angaben, ersetzen aber nicht die
Anleitung des jeweiligen Herstellers.
Teststreifen richtig
aufbewahren
Die Haltbarkeit hängt nicht nur vom Kalender ab. Auch die Frage, ob
Teststreifen in ihrer vorgesehenen Originalverpackung und unter
passenden Bedingungen aufbewahrt wurden, gehört zur Einordnung.
Originalbehälter beibehalten
Teststreifen sollten in der vorgesehenen Originalverpackung bleiben.
Ein Umfüllen in einen anderen Behälter oder loses Mitführen entfernt sie
aus dem Schutzkonzept, für das der Hersteller die Haltbarkeitsangaben
gemacht hat. Die Dose ist daher nicht bloß eine praktische
Aufbewahrungshilfe, sondern Teil der vorgesehenen Lagerung.
Nehmen Sie nur den benötigten Streifen heraus und legen Sie übrige
Streifen nicht offen beiseite. Die Hinweise
zur Blutglukosemessung nennen die Originalverpackung als wichtigen
Bestandteil des sachgerechten Umgangs.
Dose sofort verschließen
Verschließen Sie den Behälter unmittelbar nach der Entnahme. So
verringern Sie die Möglichkeit, dass Feuchtigkeit in die Dose gelangt.
Beim Umgang sollten Ihre Hände trocken sein, weil Feuchtigkeit die
Qualität und Lagerstabilität der Teststreifen beeinträchtigen kann.
Eine längere Zeit offen stehende Dose ist deshalb nicht dasselbe wie
eine Dose, die nur kurz zur Entnahme geöffnet wurde. Das Öffnungsdatum
allein beschreibt den Zustand der Streifen nicht vollständig.
Entscheidend ist auch, wie die Dose seitdem behandelt wurde.
Temperatur und Sonne
beachten
Hitze, Kälte und direkte Sonneneinstrahlung können Teststreifen oder
Messgerät beeinflussen und irreführende Ergebnisse begünstigen. Die Informationen
zu Hitze und Diabetes empfehlen, Messutensilien vor direkter Sonne
zu schützen und nicht extremen Temperaturen auszusetzen. Auch Kälte ist
keine verlässliche Ausweichlagerung.
Allgemeine Hinweise wie „bei Raumtemperatur lagern“ ersetzen jedoch
nicht die konkrete Angabe auf dem Etikett oder in der
Gebrauchsanweisung. Je nach Produkt können dort besondere Bedingungen
für Temperatur, Licht, Feuchtigkeit oder Handhabung stehen. Halten Sie
sich an diese Angaben, auch wenn die Dose erst kurze Zeit geöffnet
ist.
Verpackung mitbewerten
Bei der Kontrolle eines Messsystems sollte die Verpackung nicht
ausgeklammert werden. Prüfen Sie, ob der Behälter beschädigt wirkt,
Feuchtigkeit ausgesetzt war oder wiederholt längere Zeit offen stand.
Auch die passende Zuordnung von Messgerät und Teststreifen gehört zur
technischen Prüfung des Systems. Eine Übersicht
zur Blutglukosemessung nennt unter anderem passende Teststreifen und
den Zustand der Verpackung als zu berücksichtigende Punkte.
Unerwartete
Blutzuckerwerte einordnen
Ein unerwarteter Messwert beweist weder automatisch einen bestimmten
Glukosezustand noch sicher einen defekten oder abgelaufenen
Teststreifen. Abgelaufene oder ungünstig gelagerte Streifen führen nicht
nachweisbar immer in eine bestimmte Richtung. Aus einem fraglichen
Ergebnis lässt sich deshalb weder zuverlässig ein zu hoher noch ein zu
niedriger Wert als typische Folge ableiten.
Nicht nur den Streifen
prüfen
Gehen Sie den vollständigen Messzusammenhang durch:
- Passt der Teststreifen zum verwendeten Messsystem?
- Ist das Verfallsdatum eingehalten?
- Gibt es eine zusätzliche Angabe zur Verwendung nach dem Öffnen?
- War die Originaldose intakt, trocken und nach jeder Entnahme
geschlossen? - Waren die Streifen vor Hitze, Kälte und direkter Sonne
geschützt? - Gibt es in der Gebrauchsanweisung weitere Hinweise oder
Einschränkungen?
Die Fachinformationen nennen mehrere mögliche Fehlerquellen. Daher
wäre es nicht sachgerecht, einen einzelnen auffälligen Wert allein der
Haltbarkeit der Streifen zuzuschreiben. Ebenso wenig beweist ein
plausibler Wert, dass die Lagerung sicher korrekt war.
Ergebnis im Kontext bewerten
Passt ein Ergebnis nicht zu den Umständen oder zu den Beschwerden,
sollte die Messsituation anhand der konkreten Produktinformationen
überprüft werden. Die Fachinformation
zur Durchführung der Blutglukosemessung beschreibt, dass falsche
oder irreführende Ergebnisse trotz scheinbar korrekter Abläufe vorkommen
können.
Die richtige Schlussfolgerung lautet daher nicht: „Der Streifen ist
sicher schuld.“ Sie lautet: „Der gesamte Messkontext muss geprüft
werden.“ Dazu gehören die Streifen, die Dose, die Lagerung, das
Messgerät und die jeweiligen Herstellerhinweise.
Keine Therapieentscheidung
ableiten
Ein zweifelhafter Messwert sollte nicht allein als Grundlage für eine
Behandlungs- oder Insulinentscheidung dienen. Die europäische Regelung
sieht für Selbsttests außerdem Informationen zu möglichen
Einschränkungen, beeinflussenden Faktoren sowie falsch-positiven oder
falsch-negativen Ergebnissen vor. Lesen Sie deshalb die
Gebrauchsanweisung des konkreten Systems und klären Sie medizinisch
wichtige Entscheidungen mit einer qualifizierten Fachperson.
Gilt eine allgemeine Frist?
Die Annahme „Wenn manche Produkte eine Haltbarkeit nach dem Öffnen
nennen, muss es doch eine allgemeine Frist geben“ klingt zunächst
plausibel. Sie verwechselt jedoch eine produktspezifische Angabe mit
einer allgemeinen Regel.
Eine Nach-Öffnungs-Frist kann an die Eigenschaften des konkreten
Teststreifens, die Verpackung und die vorgesehenen Lagerbedingungen
gebunden sein. Daraus folgt gerade nicht, dass alle
Blutzucker-Teststreifen nach derselben Zeit unbrauchbar werden. Die
europäischen Anforderungen an Herstellerinformationen stützen deshalb
die Prüfung des Einzelfalls, nicht eine pauschale Monatszahl.
Was jetzt prüfen?
- Prüfen Sie beide Fristen: Das Verfallsdatum und die
mögliche Nutzungsdauer nach dem Öffnen sind getrennte Angaben, die je
nach Produkt gelten. - Bewahren Sie die Streifen geschützt auf: Nutzen Sie
die Originaldose, fassen Sie die Streifen mit trockenen Händen an und
verschließen Sie sie sofort, damit Feuchtigkeit ihren Einfluss möglichst
wenig ausübt. - Meiden Sie extreme Bedingungen: Hitze, Kälte und
direkte Sonne können Teststreifen und Messgerät beeinflussen. - Bewerten Sie auffällige Werte im Zusammenhang:
Prüfen Sie Streifen, Verpackung, Lagerung, Gerät und Gebrauchsanweisung,
statt vorschnell nur den Streifen verantwortlich zu machen. - Treffen Sie keine Therapieentscheidung aus einem fraglichen
Wert: Ein einzelnes möglicherweise beeinträchtigtes
Messergebnis reicht dafür nicht aus.