Wer zu Hause den Blutzucker misst, sticht mit einer Einmallanzette in die Fingerbeere. Drei Regeln halten die Messung sauber und verletzungsfrei: Hände waschen und trocknen, für jede Messung eine neue Lanzette verwenden und die gebrauchte sofort in einen stichfesten, verschließbaren Behälter geben.
In Deutschland entsorgt man den verschlossenen Behälter in der Regel über den Restmüll; örtliche Vorgaben können abweichen.
Was ist eine Lanzette?
Eine Lanzette ist ein kleines scharfes Instrument, das die Haut punktiert, um einen Blutstropfen für die kapilläre Blutzuckermessung zu gewinnen. Sie sitzt in der Stechhilfe, dem Gerät, das die Nadel führt und auslöst. Das Blutzuckermessgerät mit den Teststreifen misst anschließend den Wert aus dem Blutstropfen. Diese drei Teile behandeln Sie unterschiedlich: Die Lanzette geht nach einer Messung in den Abwurfbehälter, Teststreifen kommen in den Restmüll, das Messgerät wird je nach Bauart als Elektrogerät entsorgt.
Gebrauchte Lanzetten sind Abfall mit Verletzungsrisiko und Blutkontakt. Lose im Hausmüll, in der Papiertonne oder im Gelben Sack können sie Haushaltsmitglieder, Kinder, Reinigungskräfte und Beschäftigte der Abfallwirtschaft stechen.
So messen Sie den Blutzucker richtig
Die Reihenfolge vor und nach dem Stechen ist entscheidend:
- Messgerät, Teststreifen, Stechhilfe und eine neue Lanzette bereitlegen.
- Hände mit Wasser und Seife waschen und vollständig abtrocknen.
- Seitlich in die Fingerbeere stechen und den Blutstropfen auf den Teststreifen aufnehmen.
- Die Lanzette mit dem Auswurfmechanismus der Stechhilfe entfernen und sofort in den Abwurfbehälter geben.
Das Waschen mit Seife entfernt Zucker-, Fett- und Eiweißreste von der Haut, die das Messergebnis verfälschen. Feuchte Haut verdünnt außerdem den Blutstropfen. Deshalb dient vollständiges Trocknen der Messgenauigkeit, nicht nur der Hygiene. Desinfektionsmittel ist im häuslichen Umfeld nach den Hinweisen von diabinfo nicht erforderlich.
Die günstigste Einstichstelle ist die seitliche Fingerbeere. Dort liegen weniger Nerven, der Einstich ist meist weniger schmerzhaft. Wer die Stellen regelmäßig wechselt, schont die Haut.
Wenn zu wenig Blut austritt, nicht quetschen und nicht mit Druck nachhelfen. Starkes Drücken bringt Gewebeflüssigkeit in den Blutstropfen und verfälscht den Wert. Besser ist, mit einer neuen Lanzette an einer anderen Stelle erneut zu punktieren.
Lanzetten nicht wiederverwenden oder teilen
Für jede Messung gehört eine neue Lanzette in die Stechhilfe. Eine bereits benutzte Lanzette ist stumpfer, der nächste Einstich schmerzt stärker und die Nadel trägt Blutreste.
Deshalb sollten Sie die Stechhilfe nicht teilen. Eine Stechhilfe darf nicht von mehreren Personen benutzt werden, auch nicht innerhalb einer Familie und auch dann nicht, wenn vorher eine frische Lanzette eingelegt wird. An Teilen der Stechhilfe kann Blut zurückbleiben und bei der nächsten Anwendung auf eine andere Person übertragen werden. Die US-Arzneimittelbehörde FDA weist darauf hin, dass die Reinigung und Desinfektion wiederverwendbarer Geräte in der Praxis fehleranfällig ist.
Der Begriff „wiederverwendbar“ auf einer Stechhilfe meint, dass das Gerät für wiederholte Messungen bei einer einzigen Person vorgesehen ist. Er erlaubt nicht, dass mehrere Personen dasselbe Gerät benutzen.
Ein dokumentierter Hepatitis-B-Ausbruch in einer betreuten Wohneinrichtung in North Carolina im Jahr 2010 zeigt, wie ernst dieses Risiko ist. Von 40 untersuchten Bewohnerinnen und Bewohnern erkrankten acht, alle mussten stationär behandelt werden, sechs starben. Alle Erkrankten gehörten zu den 15 Personen, deren Blutzuckermessung das Personal unterstützt hatte. Unter den 25 nicht unterstützten Personen trat kein Fall auf. Dieser Ausbruch zeigt keine Gefahr für die normale häusliche Selbstmessung, aber er belegt, dass gemeinsam genutzte Messausrüstung Blutinfektionen übertragen kann. In Einrichtungen, in denen andere Menschen bei der Messung helfen, sollten laut CDC Einmal-Sicherheitslanzetten verwendet werden, die sich nach der Punktion dauerhaft zurückziehen.
So entsorgen Sie Lanzetten richtig
Die gebrauchte Lanzette gehört unmittelbar nach der Messung in einen stichfesten, wieder verschließbaren Behälter. Geeignet ist ein Behälter, der nicht zerbricht und auslaufsicher ist. Er muss sich dauerhaft verschließen lassen und für Kinder nicht zu öffnen sein. Am sichersten sind dafür vorgesehene Abwurfbehälter aus der Apotheke oder dem medizinischen Fachhandel. Wer einen Alltagsbehälter nutzt, sollte nur Glas oder Hartplastik wählen, das diese Bedingungen erfüllt. Der Behälter darf nie überfüllt werden und sollte außerhalb der Reichweite von Kindern und Haustieren stehen.
Der verschlossene Behälter kommt in Deutschland nach der Empfehlung der Deutschen Diabetes Gesellschaft in den Restmüll. Das Entsorgungsblatt der DDG vom August 2024 nennt für Nadeln und scharfe Diabetes-Hilfsmittel genau diesen Weg: stichfester, wieder verschließbarer Behälter, verschlossen im Restmüll. Die gleiche Grundregel nennen die Informationen des Nationalen Diabetes-Informationsportals diabinfo für Lanzetten. Eine bundesweit einheitliche Vorschrift gibt es nicht, einzelne Kommunen oder Entsorger können abweichende Vorgaben haben. Im Zweifel fragen Sie beim örtlichen Entsorgungsbetrieb, in der Apotheke oder beim Diabetes-Team nach.
Gebrauchte Lanzetten gehören niemals lose in den Abfall. Hausmüll, Gelber Sack oder Gelbe Tonne, Papier- und Biomüll sowie die Toilette sind dafür ungeeignet. Auch dünne Plastikbeutel oder offene Dosen eignen sich nicht.
Die übrigen Bestandteile der Messung entsorgen Sie getrennt. Gebrauchte Teststreifen kommen nach DDG und diabinfo in den Restmüll. Batterien aus dem Messgerät geben Sie separat an einer Batteriesammelstelle ab. Elektronische Bestandteile wie ein Blutzuckermessgerät oder moderne Sensor- und Pumpenkomponenten werden je nach Gerät als Elektroaltgerät entsorgt. Verpackungen aus Papier und Kunststoff gehören, sofern sauber, in die übliche Wertstoffsammlung.
Was tun bei einer Stichverletzung?
Hat eine gebrauchte Lanzette die Haut verletzt, waschen Sie die Stelle unmittelbar mit Wasser und Seife. Das gleiche gilt, wenn Blut in Auge, Mund, Nase oder auf verletzter Haut gelandet ist. Holen Sie anschließend zeitnah ärztlichen Rat ein und notieren Sie Zeitpunkt und Umstände des Stichs. Ob weitere Maßnahmen nötig sind, hängt davon ab, ob die Lanzette sichtbar mit Blut kontaminiert war, wie tief der Stich war und ob Sie die Herkunft der Lanzette kennen. Ignorieren Sie die Verletzung nicht, auch wenn sie klein aussieht.