Bei Typ-2-Diabetes gibt es keine allgemeingültige Verbotsliste. Wichtig sind die Art und Menge kohlenhydrathaltiger Lebensmittel, ballaststoffreiche Lebensmittel, wenige stark verarbeitete Produkte und eine Energiemenge, die zum persönlichen Bedarf passt. Auch die Behandlung, Begleiterkrankungen und persönlichen Blutzuckerziele spielen eine Rolle.

Die Tabelle gibt Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes eine Orientierung für den Alltag. Sie ersetzt keine individuelle Ernährungsberatung. Bei Insulin, Sulfonylharnstoffen oder SGLT2-Hemmern sowie bei Nierenerkrankung, Untergewicht, höherem Alter oder Schwangerschaft muss eine Ärztin oder ein Arzt die Ernährung mit abstimmen.

Ernährungstabelle für den Alltag

Lebensmittelgruppe Häufig günstig Eher selten oder klein portioniert Warum das relevant ist Portionshinweis
Gemüse Salat, Tomaten, Paprika, Gurken, Kohl, Brokkoli, Zucchini, Pilze Gemüsegerichte mit viel Sahne, Panade, Zucker oder großen Mengen Fett Gemüse liefert Ballaststoffe und erhöht den Blutzucker in üblichen Mengen meist wenig, sofern es stärkearm zubereitet wird. Die Beilagen und die Zubereitung zählen mit.
Obst Frisches, ganzes Obst, zum Beispiel Äpfel, Birnen oder Beeren Saft, Smoothies und größere Mengen Trockenfrüchte Ganze Früchte enthalten Ballaststoffe. Flüssiges Obst und Trockenfrüchte liefern Zucker in konzentrierter Form. Eine ganze Frucht ist günstiger als Saft. Bei Insulin zählt Obst zu den Kohlenhydraten der Mahlzeit.
Brot und Getreide Vollkornbrot, Haferflocken, Vollkornnudeln, wenig verarbeitete Getreideprodukte Weißbrot, süße Frühstücksflocken, Gebäck und große Portionen Nudeln oder Reis Vollkorn sättigt durch Ballaststoffe besser, enthält aber weiterhin Kohlenhydrate und beeinflusst den Blutzucker. Die Menge bleibt entscheidend. Bei Mahlzeiteninsulin müssen die Kohlenhydrate geschätzt oder berechnet werden.
Kartoffeln Gekochte Kartoffeln als portionierte Beilage Pommes frites, Kartoffelchips und stark verarbeitete Kartoffelprodukte Kartoffeln enthalten Stärke. Frittierte Varianten liefern zusätzlich viel Fett und Energie. Kartoffeln als Beilage einplanen und nicht mit Gemüse gleichsetzen.
Hülsenfrüchte Linsen, Bohnen, Kichererbsen und Erbsen Gezuckerte Produkte oder Fertiggerichte mit viel Salz und Fett Hülsenfrüchte liefern Eiweiß und Ballaststoffe, enthalten aber ebenfalls Kohlenhydrate. Bei einer Insulintherapie in die Kohlenhydratmenge der Mahlzeit einbeziehen.
Nüsse und Samen Ungesalzene, naturbelassene Nüsse und Samen Karamellisierte, gezuckerte oder stark gesalzene Varianten Sie liefern überwiegend ungesättigte Fettsäuren und sättigen. Eine kleine Handvoll reicht meist als Snack, weil Nüsse energiereich sind.
Eiweißquellen Hülsenfrüchte, Tofu, ungesüßte Sojaprodukte, Fisch, Eier, Naturjoghurt und je nach Ernährung mageres Fleisch Wurst, verarbeitetes Fleisch, panierte Produkte und stark verarbeitete Fleischwaren Wenig verarbeitete Eiweißquellen passen gut zu einer pflanzenbetonten Ernährung. Bei einer chronischen Nierenerkrankung die Eiweißmenge individuell festlegen.
Milchprodukte Naturjoghurt, Kefir und ungesüßte Milchprodukte Fruchtjoghurt, Milchmischgetränke und gezuckerte Desserts Milch und Joghurt enthalten Kohlenhydrate. Zusätzlicher Zucker erhöht die Kohlenhydratmenge. Auf die Kohlenhydrate pro Portion achten, nicht nur auf die Angabe „davon Zucker“.
Pflanzliche Alternativen Ungesüßte, möglichst mit Calcium angereicherte Produkte Gesüßte Varianten und Produkte mit wenig Eiweiß oder vielen Zusatzstoffen Je nach Auswahl unterscheiden sich Eiweiß, Calcium, Jod und Vitamin B2 deutlich. Etikett prüfen und die Alternative nicht automatisch als nährstoffgleich betrachten.
Öle und Fette Rapsöl, Olivenöl, Leinöl, Walnussöl, Nüsse und Samen Große Mengen gesättigter Fette und fettreiche Fertigprodukte Pflanzliche Öle liefern überwiegend ungesättigte Fettsäuren. Auch hochwertiges Öl liefert viel Energie. Die Menge an das Gewichts- und Energieziel anpassen.
Süßigkeiten und Gebäck Gelegentlich bewusst und klein portioniert Regelmäßige große Portionen, besonders zusammen mit süßen Getränken Süßigkeiten und Gebäck kombinieren häufig Zucker, Weißmehl und Fett bei geringer Sättigung. „Zuckerfrei“ bedeutet nicht automatisch kohlenhydrat- oder kalorienarm.
Getränke Wasser, Mineralwasser, ungesüßter Tee und Kaffee ohne Zucker Limonaden, Energydrinks, gesüßte Kaffeegetränke, Eistee und Saft Flüssige Kohlenhydrate erhöhen den Blutzucker schnell und sättigen schlechter als feste Lebensmittel. Wasser als Standardgetränk wählen. Saft ist kein gleichwertiger Ersatz für eine ganze Frucht.
Alkohol Am sichersten ist Verzicht Regelmäßiger Konsum, Cocktails, süße Weine und größere Mengen Bier Alkohol kann besonders zusammen mit Insulin oder Sulfonylharnstoffen Unterzuckerungen begünstigen, auch zeitverzögert. Keine allgemeine Alkoholregel ohne Rücksprache zur Medikation ableiten.

Die deutsche Nationale VersorgungsLeitlinie empfiehlt eine kaloriengerechte und ballaststoffreiche Ernährung mit viel Gemüse, Obst und geeigneten pflanzlichen Fetten. Die Patientenempfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft nennen Wasser und ungesüßte Getränke, Vollkorn, Hülsenfrüchte, ganze Früchte und ungesalzene Nüsse als günstige Orientierung.

Draufsicht auf eine ausgewogene Mahlzeit mit viel Gemüse, Linsen, einer kleinen Portion Vollkorn, einer ganzen Frucht, ungesalzenen Nüssen, Olivenöl und einem Glas Wasser.
Orientierung im Alltag: Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkorn, ganze Früchte und Wasser.

Kohlenhydrate richtig einordnen

Der Körper zerlegt Kohlenhydrate bei der Verdauung in Zuckerbausteine. Sie beeinflussen den Blutzucker nach einer Mahlzeit besonders stark. Kohlenhydrate stecken nicht nur in Süßigkeiten und Zucker, sondern auch in Brot, Getreide, Reis, Nudeln, Kartoffeln, Hülsenfrüchten, Milchprodukten und Obst.

Editorial illustration for Ernährung bei Typ-2-Diabetes

Diese Lebensmittel liefern Kohlenhydrate in unterschiedlicher Form. Eine Portion Linsen oder Vollkornbrot enthält zusätzlich Ballaststoffe und häufig Eiweiß. Limonade, Saft und Süßgebäck liefern dagegen schnell verfügbare Kohlenhydrate und sättigen wenig. Deshalb zählt die gesamte Mahlzeit und nicht nur die Menge an Kohlenhydraten.

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Vollkorn ist meist günstiger als Weißmehl, beeinflusst den Blutzucker aber ebenfalls. Eine große Portion Vollkornnudeln kann mehr Kohlenhydrate enthalten als eine kleine Portion. Der glykämische Index zeigt, wie schnell ein kohlenhydrathaltiges Lebensmittel den Blutzucker erhöht. Die Portionsgröße berücksichtigt er nicht. Gemischte Mahlzeiten bildet er nur eingeschränkt ab, wie Diabetes UK erklärt.

Bei einer Mahlzeiteninsulintherapie ist die Kohlenhydratmenge besonders wichtig. Brot, Obst, Milchprodukte, Hülsenfrüchte und stärkehaltige Beilagen müssen in die Berechnung einfließen. Eine Ernährungsberatung kann dabei helfen, Portionsgrößen und Kohlenhydrate im Alltag zuverlässig einzuschätzen.

Welche Ernährungsformen helfen?

Eine mediterran orientierte Ernährung enthält viel Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkorn, Obst, Nüsse, Fisch und pflanzliche Öle. Verschiedene Ernährungsformen können den HbA1c-Wert beeinflussen. Die Studien kommen dabei nicht zu vollständig einheitlichen Ergebnissen. HbA1c bezeichnet den Anteil des roten Blutfarbstoffs, an den Zucker gebunden ist. Der Wert zeigt den durchschnittlichen Blutzucker der vergangenen Wochen.

Auch eine kohlenhydratreduzierte Ernährung kann funktionieren. Eine Übersichtsarbeit fand bei einem Kohlenhydratanteil von weniger als 26 Prozent der Energie eine durchschnittliche HbA1c-Senkung von 0,47 Prozentpunkten gegenüber Vergleichsernährungen. Eine spätere Meta-Analyse von 27 Studien ermittelte einen kleineren Gesamteffekt von 0,29 Prozentpunkten. Nach etwa drei Monaten war der Vorteil am größten, danach wurde der Unterschied kleiner.

Vegetarische Ernährung ist eine weitere mögliche Variante. Eine Zusammenfassung randomisierter Studien fand bei vegetarischen Ernährungsformen eine durchschnittliche HbA1c-Senkung von 0,40 Prozentpunkten und eine Abnahme des Body-Mass-Index um 0,96 kg/m². Vegan bedeutet dabei nicht automatisch nährstoffreich. Vitamin B12 muss zuverlässig ergänzt werden; je nach Lebensmittelauswahl sind auch Calcium, Jod, Vitamin B2 und Eiweiß zu beachten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung beschreibt diese Anforderungen ausführlicher.

Für Intervallfasten ist die Studienlage uneinheitlich. Manche Untersuchungen zeigen Gewichtsverlust und bessere Blutzuckerwerte, andere keinen zusätzlichen HbA1c-Vorteil gegenüber einer Vergleichsernährung. Fasten ist deshalb keine Standardempfehlung für alle Menschen mit Typ-2-Diabetes. Bei Insulin, Sulfonylharnstoffen oder SGLT2-Hemmern muss eine Fastenphase vorher medizinisch abgestimmt werden.

Warum Low Carb allein nicht reicht

Eine kohlenhydratarme Tabelle wirkt auf den ersten Blick übersichtlich: Brot, Nudeln, Reis, Kartoffeln und Obst erscheinen als problematische Gruppe. Diese Einteilung greift zu kurz. Eine Rapid Review mit zehn randomisierten Studien verglich ballaststoffreichere und zugleich kohlenhydratreichere Ernährungsweisen mit ballaststoffärmeren, kohlenhydratärmeren Kostformen. Die ballaststoffreichere Ernährung war mit einer durchschnittlichen HbA1c-Differenz von 0,50 Prozentpunkten zugunsten der ballaststoffreicheren Gruppe verbunden.

Das Ergebnis bedeutet nicht, dass mehr Kohlenhydrate grundsätzlich besser sind. Es zeigt, dass die Menge allein die Lebensmittelqualität nicht beschreibt. Eine sinnvolle Entscheidung berücksichtigt vier Fragen:

  • Stammt der größte Teil der Kohlenhydrate aus Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkorn oder ganzen Früchten?
  • Wie groß ist die Portion?
  • Ist das Lebensmittel flüssig oder stark verarbeitet?
  • Passt die Mahlzeit zur Behandlung und zum persönlichen Blutzuckerverlauf?

Wer mit einer kohlenhydratreduzierten Ernährung bessere Werte erreicht und sie dauerhaft ausgewogen umsetzen kann, hat damit eine mögliche Strategie. Eine andere Person erreicht mit einer ballaststoffreichen mediterranen Ernährung ein ebenso passendes Ergebnis. Entscheidend sind Nährstoffqualität, Energiebilanz, Blutzuckerwerte und langfristige Umsetzbarkeit.

Abnehmen und Remission

Bei Übergewicht verbessert eine Gewichtsabnahme die Insulinempfindlichkeit. Eine Remission bedeutet, dass die Blutzuckerwerte ohne blutzuckersenkende Medikamente nicht mehr im Diabetesbereich liegen. Sie ist möglich, aber nicht garantiert und bedeutet keine sichere Heilung.

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Die fünfjährige Nachbeobachtung der DiRECT-Studie fand in einem strukturierten Programm bei 11 von 85 Personen mit verfügbaren Daten eine Remission. Das Programm bestand aus einer zeitlich begrenzten Formuladiät, der schrittweisen Wiedereinführung normaler Lebensmittel und langfristiger Unterstützung. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht auf eine selbst durchgeführte Crash-Diät übertragen.

Im Alltag hilft ein schrittweises Vorgehen: zuckerhaltige Getränke ersetzen, häufiger Gemüse und Hülsenfrüchte essen, die Portionen energiereicher Beilagen prüfen und Gewicht sowie Blutzucker dokumentieren. Bei unbeabsichtigtem Gewichtsverlust, Untergewicht, höherem Alter oder Gebrechlichkeit geht es vor allem darum, Mangelernährung und Muskelverlust zu vermeiden.

Medikamente sicher berücksichtigen

Wer deutlich weniger Kalorien oder Kohlenhydrate isst, benötigt möglicherweise eine andere Dosis blutzuckersenkender Medikamente. Besonders wichtig ist das in folgenden Situationen:

Bei Zittern, kaltem Schweiß, Herzklopfen, starker Schwäche oder Verwirrtheit sollte der persönliche Notfallplan für Unterzuckerungen befolgt werden. Bewusstlosigkeit, Krampfanfälle, anhaltendes Erbrechen, tiefe oder ungewöhnliche Atmung und starke Bauchschmerzen erfordern sofortige medizinische Hilfe. Bei einem SGLT2-Hemmer können ketoazidotische Beschwerden auch ohne extrem hohe Blutzuckerwerte auftreten.

Kernaussagen

  • Wähle die Kohlenhydratquelle: Vollkorn, Hülsenfrüchte, Gemüse und ganze Früchte sind im Alltag meist günstiger als Softdrinks, Saft, Süßigkeiten und stark verarbeitete Weißmehlprodukte.
  • Begrenze die Portion statt Lebensmittel pauschal zu verbieten: Auch Vollkorn, Kartoffeln, Obst und Hülsenfrüchte enthalten Kohlenhydrate und müssen zur Mahlzeit passen.
  • Passe die Ernährung an die Behandlung an: Bei Insulin oder Sulfonylharnstoffen können weniger Nahrung und Alkohol Unterzuckerungen auslösen; bei SGLT2-Hemmern sind Ketoernährung und längeres Fasten riskant.
  • Nutze ein tragfähiges Ernährungsmuster: Mediterrane, vegetarische und kohlenhydratreduzierte Ernährungsweisen sind mögliche Optionen, sofern sie nährstoffreich und langfristig umsetzbar sind.
  • Lass starke Änderungen begleiten: Eine Diabetesberatung ist besonders bei Nierenerkrankung, Schwangerschaft, Untergewicht, höherem Alter, komplexer Insulintherapie oder angestrebter Remission erforderlich.