Schwindel bei Typ-2-Diabetes kann verschiedene Ursachen haben. Dazu gehören eine Unterzuckerung, ein sehr hoher Blutzucker, ein Blutdruckabfall beim Aufstehen, eine Nervenschädigung oder eine Erkrankung unabhängig vom Diabetes. Das Gefühl allein reicht deshalb nicht aus, um die Ursache sicher zu bestimmen.
„Schwindel“ kann verschiedene Beschwerden beschreiben. Manche Betroffene fühlen sich benommen oder unsicher, andere nehmen Drehbewegungen wahr oder haben das Gefühl, ohnmächtig zu werden. Bei einer akuten Episode sollte der Blutzucker gemessen werden, wenn das sicher und ohne Verzögerung möglich ist. Die Messung hilft, eine Unter- oder Überzuckerung von anderen Ursachen zu unterscheiden. Bei schweren Beschwerden oder Warnzeichen sollte sofort medizinische Hilfe gerufen werden.
Unterzuckerung als mögliche Ursache
Eine Unterzuckerung, medizinisch Hypoglykämie, kann Schwindel, Zittern, Schwitzen, Herzklopfen, Hunger, Unruhe und Konzentrationsprobleme auslösen. Fällt der Blutzucker stärker ab, kommen Verwirrtheit, Krampfanfälle oder Bewusstlosigkeit hinzu. Das Risiko steigt bei Typ-2-Diabetes vor allem durch Insulin und bestimmte blutzuckersenkende Tabletten. Zu den Tabletten mit dem höchsten Unterzuckerungsrisiko gehören Sulfonylharnstoffe, wie die Übersicht zu Antidiabetika beschreibt.
Eine ausgelassene oder verspätete Mahlzeit sowie eine zu hohe Insulindosis kommen als mögliche Auslöser infrage. Auch zu viele blutzuckersenkende Tabletten, ungewohnte körperliche Belastung und viel Alkohol können eine Unterzuckerung auslösen. Auch ein Magen-Darm-Infekt erhöht das Risiko, wenn jemand weniger isst, die Diabetesbehandlung aber unverändert fortsetzt.
Ist die betroffene Person wach und kann sicher schlucken, richtet sich die Sofortmaßnahme nach dem persönlichen Notfallplan. Bei einer vermuteten Unterzuckerung werden schnell wirksame Kohlenhydrate eingesetzt. Die Malteser erklären die Erste Hilfe bei Unterzuckerung. Eine bewusstlose Person darf nichts zu essen oder zu trinken bekommen, weil sie sich verschlucken kann. Dann muss sofort der Notruf 112 gewählt werden.
Hoher Blutzucker und Flüssigkeitsmangel
Auch ein deutlich zu hoher Blutzucker, eine Hyperglykämie, kann Schwindel oder Benommenheit verursachen. Häufige Begleitzeichen sind starker Durst, häufiges Wasserlassen, trockener Mund, Müdigkeit und verschwommenes Sehen. Der Flüssigkeitsverlust belastet zusätzlich den Kreislauf.
Bei stark erhöhtem Blutzucker können Störungen des Salzhaushalts, des Gleichgewichtsorgans oder durch eine autonome Neuropathie eine Rolle spielen. Diese einzelnen Zusammenhänge sind nicht für jede Situation gleich gut belegt. Ein hoher Messwert zusammen mit starkem Krankheitsgefühl, Erbrechen, Bauchschmerzen, tiefer oder schneller Atmung, Verwirrtheit oder zunehmender Schläfrigkeit muss rasch ärztlich abgeklärt werden.
Zucker sollte nicht vorsorglich gegeben werden, wenn der Blutzucker bereits hoch ist. Eine zusätzliche Zuckeraufnahme verschlechtert die Blutzuckerlage. Ob eine Unterzuckerung vorliegt, sollte deshalb möglichst durch eine Messung und den persönlichen Notfallplan geklärt werden. Medikamente sollten wegen einer einzelnen Schwindelattacke weder eigenständig ausgelassen noch zusätzlich eingenommen werden.
Blutdruckabfall beim Aufstehen
Tritt der Schwindel vor allem beim Aufstehen auf, kann ein Blutdruckabfall die Ursache sein. Bei einer orthostatischen Hypotonie fällt der Blutdruck innerhalb von drei Minuten nach dem Aufstehen um mindestens 20 mmHg beim oberen Wert oder 10 mmHg beim unteren Wert. Typisch sind Benommenheit, Schwarzwerden vor den Augen, Unsicherheit und das Gefühl, gleich ohnmächtig zu werden.
Diabetes kann die Nerven schädigen, die Blutdruck, Herzfrequenz und Gefäßweite automatisch steuern. Diese autonome Neuropathie kann den Kreislauf beim Aufstehen aus dem Liegen oder Sitzen stören. Das MSD Manual beschreibt autonome Neuropathien als mögliche Folge einer Nervenschädigung.
Bei wiederholten Beschwerden sollte eine ärztliche Untersuchung Blutdruck und Puls im Liegen und Stehen vergleichen. Bis zur Abklärung sollte die betroffene Person bei Schwindel sofort sitzen oder liegen. Sie sollte weder weitergehen noch Auto fahren oder Leitern benutzen. Wiederholte Kreislaufprobleme erhöhen das Sturzrisiko und können auf eine behandlungsbedürftige Ursache hinweisen.
Weitere Ursachen außerhalb des Blutzuckers
Schwindel kann bei Typ-2-Diabetes auftreten, ohne durch den Blutzucker verursacht zu sein. Mögliche Auslöser sind Reiseübelkeit und Magen-Darm-Infekte. Erbrechen und Durchfall entziehen dem Körper Flüssigkeit und Salze. Dadurch können Blutzucker und Kreislauf aus dem Gleichgewicht geraten. diabetesDE nennt mehrere mögliche Ursachen plötzlicher Beschwerden.
Auch Erkrankungen des Innenohrs, Nebenwirkungen von Medikamenten, Herzrhythmusstörungen oder neurologische Erkrankungen kommen infrage. Die Beschwerden liefern dabei Hinweise, aber keine sichere Diagnose. Drehschwindel, Hörminderung, Ohrgeräusche, Brustschmerz, Herzrasen oder neue neurologische Ausfälle sollten ärztlich abgeklärt werden.
Warum eine einzige Erklärung riskant ist
Es ist riskant, jeden Schwindel bei Diabetes als Unterzuckerung zu behandeln. Denn die Ursache kann auch ein hoher Blutzucker, ein Blutdruckabfall, eine Herzstörung oder ein Schlaganfall sein. Ein niedriger Messwert darf auch dann nicht ignoriert werden, wenn eine weitere Ursache infrage kommt.
Für die Einordnung sind mehrere Angaben wichtig: Zeitpunkt des Schwindels, Körperposition, letzte Mahlzeit, körperliche Belastung, Alkohol, aktuelle Medikamente, Begleitsymptome und der gemessene Blutzucker. Diese Informationen unterstützen die ärztliche Untersuchung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden ersetzen sie sie nicht.
Wann 112 nötig ist
Sofort den Notruf 112 wählen, wenn Schwindel mit einem der folgenden Zeichen auftritt:
- Bewusstlosigkeit, Krampfanfall, schwere Verwirrtheit oder eine Person, die nicht sicher schlucken kann
- plötzlich hängender Mundwinkel, einseitige Schwäche oder Taubheit, Sprach- oder Sehstörung
- starke Brustschmerzen, Atemnot, kalter Schweiß oder ein ausgeprägtes Herzrasen
- plötzlich einsetzender, ungewöhnlich starker Schwindel mit unsicherem Gang oder weiteren neurologischen Ausfällen
- wiederholtes Erbrechen, zunehmende Schläfrigkeit oder deutliche Verschlechterung bei sehr hohem Blutzucker
Herzstiftung und medizinische Notfallregeln behandeln Ohnmacht oder Schwindel zusammen mit Herzbeschwerden als Warnzeichen. Bei Anzeichen eines Schlaganfalls oder Herzinfarkts zählt jede Minute. Die Person sollte nicht selbst mit dem Auto fahren.
Auch ohne diese Notfallzeichen ist eine zeitnahe ärztliche Abklärung sinnvoll, wenn der Schwindel neu auftritt, wiederkehrt, länger anhält, nach einer Änderung der Diabetesmedikamente begonnen hat oder zu Stürzen führt. Besonders wichtig ist die Abklärung bei älteren Menschen und bei bekannter Herz-, Nieren- oder Nervenerkrankung.
Was bis zur Abklärung hilft
Während einer Schwindelattacke sollte sich die betroffene Person hinsetzen oder hinlegen und gefährliche Tätigkeiten beenden. Der Blutzucker sollte gemessen werden, wenn ein Messgerät verfügbar ist und die Person dazu in der Lage ist. Wert, Uhrzeit, Beschwerden, letzte Mahlzeit, Bewegung, Alkohol und eingenommene Medikamente sollten notiert werden. Diese Angaben erleichtern die spätere Beurteilung.
Die Diabetesbehandlung sollte nicht eigenmächtig verändert werden. Die behandelnde Praxis sollte prüfen, ob die Dosierung, die Mahlzeiten, die körperliche Belastung, der Blutdruck oder eine Komplikation eine Rolle spielen. Bei wiederholtem Schwindel können je nach Situation Blutzuckerprofile, Blutdruckmessungen im Liegen und Stehen, eine Prüfung der Medikamente sowie Untersuchungen von Herz, Ohren oder Nervensystem erforderlich sein.
Kernaussagen
- Blutzucker messen: Schwindel bei Typ-2-Diabetes kann durch Unter- oder Überzuckerung entstehen, lässt sich aber anhand des Gefühls allein nicht sicher zuordnen.
- Unterzuckerung ernst nehmen: Insulin, Sulfonylharnstoffe, ausgelassene Mahlzeiten, ungewohnte Belastung und Alkohol erhöhen das Risiko; bei Bewusstlosigkeit nichts einflößen und 112 rufen.
- Auf die Körperposition achten: Schwindel beim Aufstehen spricht unter anderem für einen Blutdruckabfall und sollte bei Wiederholung ärztlich untersucht werden.
- Warnzeichen erkennen: Brustschmerz, Atemnot, Bewusstseinsstörung oder neue Lähmungs- und Sprachstörungen erfordern sofort den Notruf 112.
- Medikamente nicht selbst ändern: Wiederkehrende Beschwerden, neue Auslöser oder auffällige Messwerte gehören in die ärztliche Abklärung.