Menschen mit Diabetes brauchen keine Lebensmittel, die eigens für sie hergestellt oder gekennzeichnet sind. Diabetiker-Produkte, wie sie früher in Deutschland verkauft wurden, sind seit 2012 nicht mehr im Handel. Beim Einkauf zählen Zutatenliste, Nährwertangaben und Portionsgröße – nicht ein vermeintliches Diabetiker-Etikett.

Was Diabetiker-Produkte früher waren

Bis vor etwa anderthalb Jahrzehnten gab es in Deutschland eine eigene Kategorie von Lebensmitteln, die als Diabetiker-Lebensmittel vermarktet wurden. Dazu gehörten etwa Süßwaren, Gebäck und Konfitüren, die statt Haushaltszucker andere Süßungsmittel enthielten. Die damalige Diätverordnung legte fest, wie solche Produkte zusammengesetzt sein mussten. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gibt an, dass diese Regelungen 2010 ersatzlos gestrichen wurden. Seit 2012 sind spezielle Diabetiker-Lebensmittel in Deutschland nicht mehr verkäuflich.

Auf EU-Ebene wurde der frühere Rahmen für Lebensmittel für bestimmte Ernährungszwecke ebenfalls abgelöst. Die Verordnung (EU) Nr. 609/2013, die grundsätzlich seit dem 20. Juli 2016 gilt, nennt die fehlende wissenschaftliche Grundlage für spezifische Zusammensetzungsregeln für Diabetes-Lebensmittel. Eine eigene Kategorie blieb nur für Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke bestehen, die für medizinisch begründete Ernährungsbedürfnisse vorgesehen sind. Diese Produkte sind nicht mit den früheren allgemeinen Diabetiker-Lebensmitteln zu verwechseln.

Warum spezielle Lebensmittel nicht nötig sind

Menschen mit Diabetes können sich aus dem normalen Lebensmittelangebot ernähren. Weder das Bundesministerium noch das Aufklärungsportal diabinfo sehen eine Notwendigkeit für eine eigene Produktkategorie. Das bedeutet nicht, dass alle Lebensmittel dieselbe Wirkung auf den Blutzucker haben. Es bedeutet, dass die Auswahl anhand der konkreten Zusammensetzung eines Produkts getroffen werden kann, statt anhand eines speziellen Etiketts.

Für Menschen mit Typ-2-Diabetes gibt es nach Angaben der Deutschen Diabetes Gesellschaft nicht die eine Ernährungsform, die für alle gleichermaßen passt. Die Praxisempfehlung 2025 nennt mehrere grundsätzlich mögliche Ernährungsmuster, darunter mediterrane, vegetarische und vegane Kost. Als gemeinsame Orientierung empfiehlt sie unter anderem wenig verarbeitete Lebensmittel und den Vorzug nicht stärkehaltiger Gemüsearten. Ein einzelnes Spezialprodukt ersetzt diese Gesamtbetrachtung nicht.

Zuckerfrei, zuckerreduziert, Zuckerersatz

Auf Verpackungen finden sich heute Begriffe wie zuckerfrei, zuckerreduziert oder Hinweise auf Süßungsmittel. Ein zuckerfreier Keks kann viel Fett enthalten und damit ähnlich viele Kalorien wie ein vergleichbares normales Produkt. Ein Hinweis auf Zuckerersatz sagt nichts darüber aus, ob das Produkt insgesamt zu einer ausgewogenen Ernährung passt.

Diabinfo unterscheidet zwischen Süßstoffen und Zuckeraustauschstoffen. Süßstoffe besitzen eine hohe Süßkraft und werden in geringen Mengen eingesetzt. Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit, Xylit, Isomalt, Maltit oder Laktit werden häufig als Ersatz für Zucker verwendet und können den Blutzucker laut diabinfo nur gering beeinflussen. Diese Einordnung ist eine Hilfe beim Lesen der Zutatenliste, keine Empfehlung für einen bestimmten Süßstoff.

Zutatenliste und Nährwerte lesen

Für verpackte Lebensmittel sind Zutatenliste und Nährwertangaben verpflichtend. Beim Vergleich von Produkten lohnt der Blick auf Zuckergehalt, Kohlenhydrate, Ballaststoffe, Fett und Portionsgröße. Ein Produkt mit weniger Zucker, aber deutlich mehr Fett ist nicht automatisch die bessere Wahl. Entscheidend ist, wie das Produkt in den gesamten Essalltag passt.

Ein praktischer Ansatz: Statt auf einen Aufdruck wie zuckerfrei zu vertrauen, zwei ähnliche Produkte direkt vergleichen. Die Nährwerttabelle zeigt, wie viel Zucker und Kohlenhydrate in einer Portion stecken. Die Portionsgröße ist dabei wichtig, weil sich die Angaben auf eine bestimmte Menge beziehen, die nicht mit der tatsächlich verzehrten Menge übereinstimmen muss.

Zuckeraustauschstoffe und ihre Nebenwirkungen

Zuckeraustauschstoffe sind nicht ohne Einschränkung unbedenklich. Größere Mengen können Magen-Darm-Beschwerden oder Durchfall verursachen. Bei einem Anteil von mehr als 10 Prozent Zuckeraustauschstoffen am Gesamtprodukt ist laut diabinfo ein Warnhinweis auf mögliche abführende Wirkung vorgeschrieben. Dieser Hinweis auf dem Etikett ist ein praktisches Signal, das Produkt in Maßen zu verzehren.

Produkte mit Zuckerersatz sind außerdem nicht automatisch energiearm. Spezielle Produkte können neben Zuckeraustauschstoffen auch viel Fett und damit mehr Energie als vergleichbare normale Lebensmittel enthalten.

Fruktose wurde historisch in speziellen Diabetiker-Lebensmitteln eingesetzt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung stellte bereits 2009 fest, dass eine erhöhte Aufnahme von Fruktose als Zuckerersatz keinen belegten Vorteil für Menschen mit Diabetes bietet. Diese datierte Stellungnahme ist ein Hinweis, Fruktose nicht als automatisch bessere Alternative zu betrachten.

Wann individuelle Beratung zählt

Die allgemeine Aussage, dass keine speziellen Diabetiker-Lebensmittel nötig sind, gilt nicht für jede Situation gleichermaßen. Die konkrete Lebensmittelauswahl kann von der Therapie und persönlichen gesundheitlichen Umständen abhängen. Menschen, die Insulin spritzen oder bestimmte Medikamente einnehmen, müssen Kohlenhydrate anders einplanen als Menschen ohne diese Behandlung. Auch bei Begleiterkrankungen wie Nierenproblemen können besondere Ernährungsanforderungen bestehen.

Die Patientenempfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft halten fest, dass ihre Informationen eine strukturierte Schulung durch das behandelnde Diabetes-Team nicht ersetzen. Wer unsicher ist, wie bestimmte Lebensmittel in die eigene Ernährung passen, sollte das Gespräch mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt suchen. Ein allgemeiner Ratgeber kann diese individuelle Absprache nicht ersetzen.