Wenn Sie für eine deutschsprachige Gesundheitsredaktion über Diabetes schreiben, brauchen Sie je nach Frage unterschiedliche Belege. Leitlinien helfen bei Behandlungsempfehlungen, Daten des Robert Koch-Instituts bei Zahlen zur Bevölkerung. Systematische Übersichten fassen mehrere Studien nach festen Regeln zusammen und helfen bei Fragen zu Nutzen und Schaden. Evidenzbasiert heißt, Aussagen mit nachvollziehbarer Forschung zu belegen und zu zeigen, wie sicher die Ergebnisse sind.

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Notieren Sie für jede Aussage die verwendete Quelle in einer Evidenzmatrix, also einer Tabelle, die Belege und offene Prüfpunkte festhält. So sehen Sie, für welche Diabetesform und Personengruppe die Aussage gilt, wie aktuell sie ist und wo die individuelle ärztliche Entscheidung beginnt.

Quellen für Diabetesfragen auswählen

Bei Fragen zur Behandlung oder Versorgung in Deutschland beginnen Sie am besten mit der Nationalen VersorgungsLeitlinie (NVL) Typ-2-Diabetes. Sie bündelt Empfehlungen zur Behandlung und Versorgung von Menschen mit Typ-2-Diabetes. Die aufgeführte Leitlinienfassung stammt vom 15. Mai 2023 und ist laut AWMF bis zum 14. Mai 2028 gültig. Prüfen Sie vor der Veröffentlichung trotzdem den aktuellen Registereintrag. Die Leitlinie gilt nicht automatisch für Typ 1, Schwangerschaft oder Kinder.

Für andere Themen finden Sie passende Empfehlungen im AWMF-Register und in der Leitlinienübersicht von diabinfo. Prüfen Sie bei jeder Leitlinie die Version, die Zielgruppe und ob sie noch gültig ist. Eine Übersichtsseite erleichtert die Suche, ersetzt aber nicht die Prüfung des Leitlinientextes.

Für Aussagen über die Verbreitung von Diabetes in Deutschland ist das Robert Koch-Institut (RKI) die passende Anlaufstelle. Notieren Sie zu jeder Zahl das Datenjahr, die untersuchte Bevölkerung und die Definition. Eine selbstberichtete ärztliche Diagnose beantwortet eine andere Frage als ein Labortest auf bislang unerkannten Diabetes.

Gesundheitsinformation.de des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) erklärt Gesundheitsthemen verständlich. Die Seite zeigt, wie sich Nutzen, Schaden und Unsicherheit für Laien darstellen lassen. Achten Sie auf die verständliche Sprache und den Aufbau. Prüfen Sie auch das Aktualisierungsdatum und die Belege.

Systematische Übersichten helfen, einzelne Wirkungen zu bewerten. Sie fassen mehrere Studien nach einer festgelegten Methode zusammen. Cochrane-Übersichten und das Cochrane-Handbuch helfen Ihnen, die Ergebnisse zu ordnen. Mit GRADEpro GDT können Sie wichtige Endpunkte, also die in den Studien gemessenen Ergebnisse, und die Sicherheit der Evidenz in Tabellen festhalten. Prüfen Sie trotzdem, ob die untersuchten Personen, Behandlungen und Vergleichsgruppen zu Ihrer redaktionellen Frage passen.

Recherche auf die Frage zuschneiden

Formulieren Sie zuerst eine konkrete Frage. „Wie verbreitet ist Diabetes?“ lässt offen, um welche Diabetesform, welche Altersgruppe und welche Art von Diagnose es geht. Präziser ist zum Beispiel: „Wie viele Erwachsene in Deutschland berichteten 2024 eine ärztliche Diabetesdiagnose?“ Mit dieser Frage können Sie gezielt nach einer passenden RKI-Auswertung suchen.

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Bei einer Frage zur Behandlung prüfen Sie zuerst die passende Leitlinie. Sehen Sie sich danach systematische Übersichten und bei Bedarf die darin berücksichtigten Einzelstudien an. Ein einzelnes Studienabstract reicht nicht aus, um den gesamten Nutzen und mögliche Schäden einer Behandlung zu beschreiben.

Halten Sie außerdem fest, wer eine Quelle erstellt oder finanziert hat und welche Interessenkonflikte angegeben sind. Eine Herstellerinformation kann zum Beispiel erklären, wie ein Produkt funktioniert. Sie sollte allein aber nicht die Aussage tragen, dass es einen bestimmten gesundheitlichen Nutzen hat.

Diabeteszahlen richtig einordnen

Das RKI berichtete für 2024, dass 10,3 Prozent der Erwachsenen ab 18 Jahren angaben, eine ärztliche Diabetesdiagnose erhalten zu haben. Gestationsdiabetes war in dieser Kennzahl ausgeschlossen. Der Wert beschreibt diagnostizierten Diabetes nach Selbstbericht, nicht alle Menschen mit Diabetes einschließlich bislang unerkannten Fällen.

Zwei getrennte Recherchewege sind dargestellt: eine Person beantwortet eine Gesundheitsbefragung, während eine Probe in einem Labor untersucht wird.
Selbstbericht und Labormessung erfassen unterschiedliche Sachverhalte.

Eine andere RKI-Auswertung auf Grundlage des European Health Interview Survey (EHIS) 2018–2020 nennt für Deutschland eine altersstandardisierte Prävalenz, also einen an die Altersstruktur angepassten Anteil, von 8,4 Prozent. Die beiden Zahlen lassen sich nicht direkt vergleichen: Sie beruhen auf unterschiedlichen Erhebungszeiträumen und Datengrundlagen. Bei der Altersstandardisierung werden die Ergebnisse rechnerisch an dieselbe Altersstruktur angepasst, damit sich Bevölkerungen besser vergleichen lassen. Dadurch werden die Zahlen aber nicht zu identischen Messwerten.

Auch ein Vergleich über die Zeit braucht Kontext. Das RKI beschreibt einen Anstieg des bekannten Diabetes von 5,8 Prozent im Jahr 2003 auf 10,3 Prozent im Jahr 2024. Altersstandardisiert fiel der Anstieg geringer aus. Als mögliche Mitursachen nennt das RKI unter anderem die Alterung der Bevölkerung, veränderte Diagnosekriterien und eine bessere Versorgung. Eine Redaktion sollte daraus daher nicht allein auf ein verändertes Erkrankungsrisiko oder die Wirkung eines einzelnen Verhaltens schließen.

Nennen Sie bei Prognosen auch die Annahmen, auf denen die Zahlen beruhen. Eine RKI-Modellierung schätzt für 2050 einen Anteil von 16,1 Prozent beziehungsweise 11,01 Millionen Menschen, wenn die Zahl neuer Erkrankungen (Inzidenz) und die Übersterblichkeit gleich bleiben. Übersterblichkeit bedeutet, dass mehr Menschen sterben, als nach den Vergleichsdaten zu erwarten wäre. Wenn die Inzidenz laut Annahme jährlich um 2,0 Prozent sinkt, ergibt das Modell 12,2 Prozent beziehungsweise 8,39 Millionen. Das sind Szenarien, keine garantierten Vorhersagen.

Nutzen und Schäden von Diabetesbehandlungen abwägen

Prüfen Sie bei Aussagen über eine Behandlung sowohl erwünschte als auch unerwünschte Folgen. Achten Sie darauf, welche Ergebnisse die Studien gemessen haben (Endpunkte), womit sie die Behandlung verglichen haben und wie lange sie die Teilnehmenden beobachtet haben. Absolute Zahlen zeigen, wie viele Menschen in einer Gruppe ein Ergebnis erleben. Relative Angaben zeigen die Veränderung im Vergleich zu einer anderen Gruppe. Beide Angaben beantworten unterschiedliche Fragen und bedeuten nicht dasselbe.

GRADE ist ein Verfahren, mit dem sich einschätzen lässt, wie sicher die Belege für ein Ergebnis sind. Eine Zusammenfassung nach Cochrane berücksichtigt unter anderem wichtige Endpunkte, die Wirkung und die Sicherheit der Belege. Übernehmen Sie eine Einstufung nur, wenn die Quelle sie nennt oder Ihre Redaktion sie methodisch fundiert selbst vorgenommen hat.

Unterscheiden Sie außerdem fehlende Evidenz von Evidenz dafür, dass ein Effekt ausbleibt. Wenn eine Wirkung nicht ausreichend untersucht wurde, lässt sich daraus nicht automatisch schließen, dass sie nicht existiert. Formulieren Sie genau, was die Daten zeigen und was offenbleibt.

Evidenzmatrix für Diabetes-Artikel anlegen

Eine Tabelle zeigt, welche Belege eine zentrale Aussage stützen und was Sie noch prüfen müssen. Legen Sie für jede wichtige Aussage eine Zeile an:

Prüffeld Eintrag
Redaktionelle Frage Was soll der Text beantworten?
Aussage im Entwurf Wie lautet der vorgesehene Satz?
Personengruppe und Kontext Welche Diabetesform, welches Alter und welches Land sind gemeint?
Quelle und Quellentyp Leitlinie, RKI-Auswertung, systematische Übersicht oder Einzelstudie
Stand und Version Wann erschien die Quelle, und wie aktuell ist sie?
Ergebnis Welcher Effekt oder Anteil wurde für welchen Zeitraum berichtet?
Grenzen und Unsicherheit Welche Einschränkungen nennt die Quelle?
Finanzierung und Interessen Wer erstellte oder finanzierte die Quelle?
Tragfähige Formulierung Wie lässt sich das Ergebnis ohne Übertreibung ausdrücken?
Nächster Prüfpunkt Fehlt eine aktuelle Leitlinie, eine Vergleichsgruppe oder eine Rückfrage?

Die Matrix hält Ihre Prüfung fest, ersetzt aber keine eigene Bewertung nach GRADE. Sie hilft Ihnen, überzogene Formulierungen zu erkennen. Wenn die Quelle nur eine bestimmte Gruppe untersucht, darf der Text die Aussage nicht auf alle Menschen mit Diabetes ausdehnen.

Diabetes-Artikel vor der Veröffentlichung prüfen

Prüfen Sie klinische Aussagen anhand der passenden Leitlinie und kontrollieren Sie, ob sie noch gilt. Bei Statistiken müssen Datenjahr, untersuchte Bevölkerung und Definition klar sein. Achten Sie darauf, dass Nutzen, Schaden und Unsicherheit ausgewogen dargestellt werden und der Text keine Aussage stärker formuliert, als die Belege stützen.

Gesundheitsinformationen sollten außerdem klar nennen, wer sie verfasst und herausgegeben hat, welche Quellen genutzt wurden, welche Interessenkonflikte bestehen und wann die Inhalte aktualisiert wurden. Die Leitlinie evidenzbasierte Gesundheitsinformation bietet dafür methodische Orientierung. Ihre Version 1.0 stammt von 2017 und wird laut Herausgeberseite aktualisiert. Das IQWiG veröffentlichte seine Allgemeinen Methoden am 19. Dezember 2025. Prüfen Sie getrennt, ob die Methoden aktuell sind und ob die konkrete medizinische Aussage noch stimmt.

Lesen Sie den fertigen Text anschließend aus der Sicht einer Person ohne medizinische Ausbildung. Erklären Sie Fachbegriffe bei der ersten Verwendung und trennen Sie allgemeine Informationen klar von ärztlichen Entscheidungen. Eine unabhängige Redaktion sollte keine Diagnosen stellen, individuelle Dosierungen nennen oder Leserinnen und Leser anleiten, eine Behandlung zu beginnen, abzusetzen oder zu ändern. Geht es im Text um ein akutes Risiko, nennen Sie klar, wann ärztliche Hilfe nötig ist und wann bei einem lebensbedrohlichen Notfall der örtliche Notruf gewählt werden muss.