Wer mit Diabetes lebt, muss Ernährung und Bewegung auf die Behandlung abstimmen. Welche Schritte sinnvoll sind, hängt vor allem davon ab, ob Typ 1 oder Typ 2 vorliegt und welche Medikamente jemand einnimmt. Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung unterstützen die Behandlung, ersetzen aber nicht automatisch Medikamente oder Insulin.

Diabetes ist eine Stoffwechselerkrankung: Der Blutzucker, also die Menge an Zucker im Blut, bleibt dauerhaft zu hoch. Insulin ist ein Hormon, das dabei hilft, Zucker aus dem Blut in die Körperzellen zu bringen. Bei Typ 1 fehlt Insulin, bei Typ 2 wirkt es nicht ausreichend oder der Körper stellt nicht genug davon bereit.

Warum die Diabetesformen verschieden sind

Bei Typ-1-Diabetes greift das Immunsystem meist die insulinbildenden Zellen der Bauchspeicheldrüse an. Warum das Immunsystem die insulinbildenden Zellen angreift, ist nicht vollständig geklärt. Typ 1 entsteht nicht durch falsche Ernährung oder zu wenig Bewegung. Betroffene müssen Insulin zuführen.

Bei Typ-2-Diabetes reagieren die Körperzellen schlechter auf Insulin. Veranlagung, Bewegungsmangel und Übergewicht können das Risiko erhöhen, doch kein einzelner Faktor erklärt jede Erkrankung. Veränderungen bei Ernährung und Bewegung können helfen, Typ 2 vorzubeugen oder eine Diagnose hinauszuzögern. Sie machen Betroffene nicht für ihre Erkrankung verantwortlich.

Schwangerschaftsdiabetes ist eine eigene Form erhöhter Blutzuckerwerte während der Schwangerschaft. Er wird im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge erkannt und braucht eine darauf abgestimmte Betreuung.

Welche Behandlung passt

Bei Typ 1 gehört Insulin zur Behandlung. Betroffene kontrollieren ihre Glukosewerte, also ihre Blutzuckerwerte, regelmäßig und stimmen die Insulinmenge auf Mahlzeiten und Alltag ab. Zu viel Insulin kann eine Unterzuckerung auslösen, zu wenig eine Überzuckerung. Schulungen helfen dabei, Messwerte und Situationen wie Sport oder Krankheit besser einzuordnen.

Eine Person prüft mit einem Messgerät ihren Glukosewert; daneben liegen ein Insulinpen und eine Mahlzeit.
Messwerte und Insulin werden in den Alltag eingebunden; die passende Behandlung ist individuell.

Bei Typ 2 hängt die Behandlung vom Gesundheitszustand und von den Begleiterkrankungen ab. Auch die persönlichen Ziele spielen eine Rolle. Bewegung und eine passende Ernährungsweise können die Insulinwirkung verbessern. Manche Menschen benötigen zusätzlich Medikamente, andere Insulin oder eine Kombination. Wer seine Ernährung oder Bewegung deutlich umstellt, sollte mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt klären, ob sich die Therapie ändern muss. Verordnete Medikamente sollten Betroffene nicht eigenständig absetzen.

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Regelmäßige Kontrollen gehören ebenfalls zur Behandlung. Ärztinnen und Ärzte prüfen dabei unter anderem Augen, Nieren und Füße. Auch Blutdruck und Herz-Kreislauf-Risiken kontrollieren sie. In einem Notizbuch oder einer App lassen sich Messwerte und Mahlzeiten festhalten. Auch Bewegung und Beschwerden können dort notiert werden. Das kann helfen, Veränderungen beim nächsten Termin konkret zu besprechen.

Was im Alltag auf den Teller kommt

Für Typ-2-Diabetes gibt es keine Ernährungsform, die für alle am besten passt. Eine mediterrane, pflanzenbetonte oder kohlenhydratreduzierte Ernährung kann infrage kommen. Entscheidend ist, dass die Auswahl langfristig in den Alltag passt und mit der Behandlung vereinbar ist.

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Ein guter Anfang ist, häufiger Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte zu essen. Sie liefern Ballaststoffe und sättigen. Wer Wasser oder ungesüßten Tee statt Limonade trinkt, nimmt weniger zuckerhaltige Getränke zu sich. Süßigkeiten oder Weißmehlprodukte müssen nicht pauschal verboten werden; Menge und Häufigkeit zählen ebenso wie die übrige Ernährung. Spezielle „Diabetiker-Lebensmittel“ bieten keinen besonderen Vorteil.

Kohlenhydrate können weiterhin zum Speiseplan gehören. Wie viele Kohlenhydrate jemand isst und aus welchen Lebensmitteln sie stammen, beeinflusst den Blutzuckerverlauf. Wer Insulin spritzt, muss die Kohlenhydratmenge mit der Insulintherapie abstimmen. Größere Änderungen, etwa eine stark kohlenhydratarme Ernährung, sollten deshalb vorher mit dem Behandlungsteam besprochen werden. Sie können kurzfristig Blutzuckerwerte verbessern, sind aber nicht für alle auf Dauer passend.

Für Menschen mit Typ-2-Diabetes nennt diabinfo.de mindestens 30 Gramm Ballaststoffe am Tag als Orientierung. Das ist ein Richtwert, keine individuelle Vorgabe. Auch eine Gewichtsabnahme kommt nur dann infrage, wenn sie gesundheitlich angezeigt ist. Bei Bedarf sollte sie so geplant werden, dass möglichst viel Muskelmasse erhalten bleibt.

Bewegung in den Tag einbauen

Regelmäßige Bewegung unterstützt die Blutzuckerregulation und die allgemeine Gesundheit. Die Weltgesundheitsorganisation nennt mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche als Richtwert. Zügiges Gehen, Radfahren, Gartenarbeit und Treppensteigen zählen dazu. Man kann die Bewegung über die Woche verteilen. Ein kurzer Spaziergang nach einer Mahlzeit ist ein möglicher Anfang.

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Wer bisher wenig aktiv war, kann zuerst nach und nach mehr Bewegung in den Alltag bringen, statt gleich mit einem anspruchsvollen Trainingsprogramm zu beginnen. Ergänzend ist Muskelkräftigung sinnvoll. Bei Erkrankungen oder körperlichen Einschränkungen sollte der Einstieg mit einer Ärztin oder einem Arzt abgestimmt werden.

Bei Typ 1 und bei insulinpflichtigem Diabetes beeinflusst Bewegung den Blutzucker unterschiedlich. Längere Bewegung, etwa zügiges Gehen oder Radfahren, senkt ihn häufig; kurze, intensive Bewegung kann ihn vorübergehend steigen lassen. Eine Unterzuckerung tritt mitunter erst nach dem Sport auf. Betroffene sollten deshalb vorab klären, wie sie Messungen, Insulin und Kohlenhydrate an die jeweilige Bewegung anpassen.

Unter- und Überzuckerung erkennen

Eine Unterzuckerung zeigt sich zum Beispiel durch Zittern, Schwitzen, Herzklopfen oder Verwirrtheit. Wer Insulin oder blutzuckersenkende Medikamente einnimmt, sollte mit dem Behandlungsteam einen persönlichen Plan für solche Situationen festlegen. Bei Bewusstlosigkeit oder einem Krampfanfall gilt: nichts zu essen oder zu trinken geben und sofort den Notruf wählen.

Eine starke Überzuckerung kann ebenfalls eine dringende Behandlung erfordern. Bei Diabetes, insbesondere Typ 1, sind Erbrechen, Bauchschmerzen, tiefe oder beschleunigte Atmung und zunehmende Benommenheit Warnzeichen. In dieser Situation ist sofort medizinische Hilfe nötig. Bei Unsicherheit über Beschwerden oder Messwerte sollten Betroffene ärztlichen Rat einholen.