Bei einer Überzuckerung (medizinisch Hyperglykämie) befindet sich zu viel Glukose im Blut. Glukose ist eine Zuckerform, die der Körper als Energie nutzt. Häufig fehlt Insulin oder es wirkt nicht ausreichend. Insulin hilft dabei, Glukose aus dem Blut in die Körperzellen zu bringen.

Starker Durst, häufiges Wasserlassen und Müdigkeit können auf einen erhöhten Blutzucker hinweisen. Diese Beschwerden bestätigen eine Überzuckerung nicht. Ihr Fehlen schließt sie aber auch nicht aus. Ein einzelner Messwert reicht weder für eine sichere Diagnose noch für eine Entwarnung. Entscheidend sind auch Beschwerden, Verlauf und gesundheitlicher Hintergrund.

Welche Warnzeichen auftreten

Mögliche Anzeichen einer Überzuckerung sind starker Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit oder Schwäche und verschwommenes Sehen. Manche Betroffene leiden außerdem unter Übelkeit oder Schwindel oder verlieren ungewollt Gewicht. Auch andere Ursachen können solche Beschwerden auslösen. Sie reichen deshalb nicht aus, um selbst eine Überzuckerung festzustellen.

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Bei Typ-2-Diabetes entwickeln sich Beschwerden teils langsam und bleiben lange mild oder unbemerkt. Typ-1-Diabetes kann sich dagegen innerhalb von Tagen oder Wochen bemerkbar machen. Diese typischen Verläufe treten nicht bei jeder Person auf. Fehlende Beschwerden schließen einen erhöhten Blutzucker ebenfalls nicht aus.

Wann sofort Hilfe nötig ist

Erbrechen, Bauchschmerzen, tiefe oder schnelle Atmung, Benommenheit, Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen können darauf hinweisen, dass der Stoffwechsel gefährlich aus dem Gleichgewicht geraten ist. Auch ein fruchtig oder nach Aceton riechender Atem kann in diesem Zusammenhang auftreten. Eine mögliche Komplikation ist die diabetische Ketoazidose, bei der sich Säuren im Blut anreichern. Sie ist lebensbedrohlich und kann auch das erste erkennbare Zeichen eines bislang unbekannten Diabetes sein.

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Bei solchen akuten Warnzeichen ist sofortige medizinische Hilfe nötig. Bei Bewusstseinsstörungen oder einem anderen medizinischen Notfall gilt in Deutschland: den Notruf 112 wählen.

Was den Blutzucker erhöht

Bei Menschen mit bekanntem Diabetes können Infekte und andere Erkrankungen den Blutzucker erhöhen. Auch körperlicher oder seelischer Stress kann ihn steigen lassen. Der Blutzucker kann auch steigen, wenn sich jemand weniger bewegt oder anders isst als sonst. Das gilt auch, wenn Diabetesmedikamente ausgelassen werden oder nicht ausreichend wirken. Auch bestimmte Arzneimittel, zum Beispiel Kortikosteroide (entzündungshemmende Medikamente), können den Blutzucker erhöhen.

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Ein Infekt erschwert die Einschätzung zusätzlich. Die Stressreaktion des Körpers kann den Blutzucker erhöhen. Erbrechen, Durchfall und eine veränderte Nahrungsaufnahme können ihn ebenfalls beeinflussen, teils in die entgegengesetzte Richtung. Beschwerden des Infekts und mögliche Blutzuckerbeschwerden können sich überschneiden.

Langfristige Risikofaktoren für Typ-2-Diabetes sind unter anderem Übergewicht, Bewegungsmangel und eine familiäre Veranlagung. Diese Faktoren bedeuten aber nicht, dass eine bestimmte Person gerade eine akute Überzuckerung hat. Bei Typ-1-Diabetes zerstört das Immunsystem insulinbildende Zellen der Bauchspeicheldrüse; die genauen Auslöser sind nicht vollständig geklärt.

Was Messwerte aussagen

Ein Blutzuckermesswert zeigt den Blutzucker zum Zeitpunkt der Messung. Essen und Bewegung beeinflussen den Blutzucker im Tagesverlauf, ebenso Krankheit und Stress. Der HbA1c-Wert gibt dagegen Hinweise auf den durchschnittlichen Blutzucker der vergangenen zwei bis drei Monate. Die Werte beantworten daher unterschiedliche Fragen.

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Ein einzelner zu Hause gemessener Wert reicht nicht für eine ärztliche Einschätzung und weder für eine Diagnose noch zur Entwarnung. Auch ein scheinbar unauffälliger Momentwert sagt nicht sicher, dass keine Erkrankung oder akute Gefahr besteht. Bei Verdacht beurteilt medizinisches Fachpersonal Beschwerden, Krankengeschichte und Messungen gemeinsam und entscheidet, ob weitere Untersuchungen nötig sind.

Was eine Fernbeurteilung leisten kann

Am Telefon oder im Videoanruf kann medizinisches Fachpersonal nach Beschwerden und bekannten Erkrankungen fragen. Auch Medikamente und der Verlauf gehören zu den Fragen. Vorhandene Messwerte können dabei helfen, die Lage einzuschätzen. Eine Beschreibung, ein Foto oder ein einzelner zu Hause gemessener Wert reichen jedoch nicht aus, um sicher festzustellen, ob eine Überzuckerung vorliegt oder wodurch sie verursacht wurde. Auch wie ernst die Lage ist, lässt sich so nicht sicher bestimmen.

Bei anhaltenden Beschwerden oder einem konkreten Verdacht sollte die betroffene Person medizinischen Rat einholen. Ärztinnen und Ärzte können die Angaben mit einer Untersuchung und geeigneten Blutzuckertests abgleichen. Akute Warnzeichen wie Verwirrtheit, tiefe oder schnelle Atmung und Bewusstseinsstörungen erfordern sofortige Hilfe, auch wenn kein Messwert vorliegt.