Es gibt keine pauschale Antwort darauf, nach wie vielen Minuten der Blutzucker sinkt. Wie schnell der Wert fällt, hängt von der Ursache des erhöhten Blutzuckers, der gewählten Maßnahme und dem eigenen Stoffwechsel ab.

Bei Menschen ohne Diabetes steigt der Blutzucker nach einer Mahlzeit meist nach etwa zehn Minuten an. Er erreicht nach ungefähr einer Stunde den Höchststand und fällt innerhalb von zwei bis drei Stunden wieder in Richtung Ausgangswert. Bei Diabetes, nach Insulingabe oder bei Bewegung verläuft die Kurve oft anders.

Nach dem Essen: Anstieg und Abfall

Bei Menschen ohne Diabetes folgt der Blutzucker nach einer Mahlzeit einem typischen Muster. Etwa zehn Minuten nach Beginn des Essens steigt der Blutzucker an. Der Spitzenwert wird im Durchschnitt nach rund einer Stunde erreicht. Danach fällt der Wert in der Regel innerhalb von zwei bis drei Stunden wieder auf das Ausgangsniveau. Die Aufnahme der Kohlenhydrate kann allerdings noch fünf bis sechs Stunden dauern, besonders bei großen oder fettreichen Mahlzeiten.

Bei Menschen mit Diabetes verläuft die Kurve häufig anders. Bei Typ-1-Diabetes hängt der Verlauf stark von Art, Dosis und Zeitpunkt des gespritzten Insulins ab. Bei Typ-2-Diabetes kann die körpereigene Insulinantwort verzögert oder unzureichend sein. Dadurch bleibt der Blutzucker nach dem Essen oft länger erhöht. Die American Diabetes Association nennt als allgemeine Orientierung für viele Erwachsene mit Diabetes einen Wert unter 180 mg/dl beziehungsweise 10,0 mmol/l. Gemessen wird ein bis zwei Stunden nach Beginn der Mahlzeit. Die deutsche Nationale Versorgungsleitlinie betont dagegen, dass Therapieziele individuell festgelegt werden müssen. Diese Angaben sind Zielwerte, keine Prognose darüber, wie schnell ein einzelner Wert sinkt.

Insulin: Wirkung braucht Zeit

Schnell wirkende Mahlzeiteninsuline sollen den Anstieg nach dem Essen abfangen. Ihre tatsächliche Wirkung unterscheidet sich jedoch zwischen Präparaten, Personen und sogar bei derselben Person von Tag zu Tag. Die Fachinformation zu Insulin lispro weist ausdrücklich darauf hin, dass Wirkbeginn, Wirkmaximum und Wirkungsdauer nur allgemeine Orientierungspunkte sind. Sie hängen unter anderem von der Injektionsstelle, Bewegung und weiteren Faktoren ab.

Daraus folgt für die Praxis: Ein fallender Messwert ist nicht unmittelbar nach der Injektion zu erwarten. Wer zu früh eine zusätzliche Korrekturdosis spritzt, riskiert eine spätere Unterzuckerung, wenn die erste Dosis noch wirkt. Die Dosierung sollte nicht allein aufgrund einer einzelnen Messung verändert werden, sondern nach dem individuell vereinbarten Korrekturschema.

Lang wirkendes Basalinsulin ist nicht dafür gedacht, einen hohen Wert kurzfristig zu korrigieren. Insulin glargin zeigt laut FDA-Fachinformation ein relativ gleichmäßiges Wirkprofil über etwa 24 Stunden. Eine kurzfristige Senkung innerhalb von Minuten oder wenigen Stunden lässt sich daraus nicht ableiten.

Bewegung senkt den Wert, aber nicht immer sofort

Körperliche Aktivität kann den Blutzucker auf zwei Arten beeinflussen. Während der Bewegung verbrauchen die Muskeln Glukose. Nach der Aktivität reagieren die Zellen oft empfindlicher auf Insulin. Die US-Gesundheitsbehörde CDC nennt bereits einen zehnminütigen Spaziergang nach dem Abendessen als niedrigschwellige Möglichkeit, die Blutzuckerregulation zu unterstützen. Häufig ist der Wert danach niedriger als zuvor. Die American Diabetes Association weist darauf hin, dass der blutzuckersenkende Effekt bis zu 24 Stunden oder länger anhalten kann.

Bewegung wirkt aber nicht nur senkend. Kurze, sehr intensive Belastungen können den Blutzucker zunächst erhöhen, weil Stresshormone die Glukosefreisetzung aus der Leber anregen. Bei Menschen, die Insulin oder bestimmte blutzuckersenkende Medikamente verwenden, kann Bewegung dagegen noch Stunden später eine Unterzuckerung begünstigen. Wer Insulin spritzt, sollte daher vor und nach ungewohnter Aktivität messen und die Dosis gegebenenfalls mit dem Behandlungsteam abstimmen.

Unterzuckerung: Die 15-Minuten-Regel

Die häufigste konkrete Zeitangabe in Leitlinien betrifft nicht das Absinken, sondern die Behandlung eines zu niedrigen Wertes. Ein Blutzucker unter 70 mg/dl beziehungsweise 3,9 mmol/l gilt als relevant niedrig. Für wache und schluckfähige Personen empfehlen die Leitlinien etwa 15 Gramm schnell wirksame Kohlenhydrate, zum Beispiel Traubenzucker oder Fruchtsaft. Nach 15 Minuten soll erneut gemessen werden. Ist der Wert weiterhin zu niedrig, wird die Behandlung wiederholt. Die CDC bezeichnet dieses Vorgehen als 15-15-Regel.

Diese Regel bedeutet nicht, dass der Wert immer um einen bestimmten Betrag steigt. Die Reaktion hängt vom Ausgangswert, der Kohlenhydratmenge, der Restwirkung von Insulin, Bewegung und der Magen-Darm-Aufnahme ab. Bei Bewusstseinsstörung oder wenn die betroffene Person nicht selbst essen oder trinken kann, darf nichts eingeflößt werden. Dann ist sofort medizinische Hilfe erforderlich.

Wann ein hoher Wert zum Notfall wird

Bei Typ-1-Diabetes oder absolutem Insulinmangel muss ein hoher Blutzucker zusammen mit Beschwerden beurteilt werden. Die CDC empfiehlt bei einem Wert ab 240 mg/dl beziehungsweise etwa 13,3 mmol/l während einer Erkrankung, auf Ketone zu testen. Hohe Ketone können ein frühes Zeichen einer diabetischen Ketoazidose sein, einem medizinischen Notfall.

Warnzeichen sind Übelkeit oder Erbrechen, Bauchschmerzen, tiefe oder erschwerte Atmung, ausgeprägte Schwäche, Benommenheit oder Verwirrtheit sowie fruchtiger Atem. Bei Bewusstseinsstörung, Krampf, anhaltendem Erbrechen oder Verdacht auf Ketoazidose ist sofort medizinische Hilfe erforderlich. Ein Abwarten, bis der Wert von allein sinkt, wäre in diesen Situationen nicht angebracht.