Für Menschen mit Diabetes gibt es keine allgemeingültige Liste erlaubter und verbotener Lebensmittel. Welche Lebensmittel und Mengen passen, hängt von Diabetesform, Therapie, Essgewohnheiten und Begleiterkrankungen ab; eine Orientierung an Lebensmittelgruppen erleichtert die tägliche Auswahl.
Warum es keine allgemeingültige Liste gibt
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) beschreibt in ihrer aktuellen Praxisempfehlung zur Ernährung bei Typ-2-Diabetes mehrere mögliche Ernährungsansätze. Die Wahl hängt von der individuellen Situation und den persönlichen Vorlieben ab. Die Nationale VersorgungsLeitlinie empfiehlt eine kaloriengerechte, ballaststoffreiche Ernährung mit viel Gemüse, Obst und bestimmten pflanzlichen Fetten, stuft die Evidenz dafür aber als begrenzt ein.
Diese Empfehlungen beziehen sich ausdrücklich auf Typ-2-Diabetes. Sie lassen sich nicht ohne Weiteres auf Typ-1-Diabetes, Schwangerschaftsdiabetes oder andere Situationen übertragen. Bei insulinbehandelten Menschen spielt die Kohlenhydratmenge für die Therapie eine Rolle, bei Menschen mit Begleiterkrankungen können weitere Faktoren die passende Ernährung verändern.
Lebensmittelgruppen als Orientierung
Statt einer Verbotsliste hilft eine Einteilung nach Lebensmittelgruppen. Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse und frische, unverarbeitete Lebensmittel lassen sich häufig in eine ausgewogene Auswahl einordnen. Die Einteilung dient als allgemeine Orientierung und verspricht keinen bestimmten Blutzuckerverlauf.
Obst ist nicht pauschal verboten. Die DDG unterscheidet Obst nicht in pauschal gute und schlechte Sorten. Sie rät bei Typ-2-Diabetes lediglich dazu, große Portionen Obst und stärkereiche Lebensmittel nicht zu übersehen. Insulinbehandelte Menschen mit Typ-2-Diabetes sollten Obst und stärkereiche Lebensmittel nach ihrem Kohlenhydratgehalt berücksichtigen. Fruchtsäfte sind nicht mit ganzem Obst gleichzusetzen, weil sie die Kohlenhydratzufuhr schneller erhöhen.
Kartoffeln, Mais und andere stärkereiche Lebensmittel sind erlaubt. Entscheidend sind Menge, Zubereitung und die Zusammenstellung der Mahlzeit. Eine kleine Portion Pellkartoffeln wirkt anders als Pommes frites.
Kohlenhydrate richtig einordnen
Kohlenhydrate kommen in Brot und Nudeln, Obst, Hülsenfrüchten, Kartoffeln, Mais, Milchprodukten sowie in Süßwaren und gesüßten Getränken vor. Sie können den Blutzucker erhöhen, aber die Wirkung fällt je nach Lebensmittel, Menge, Verarbeitung und Person unterschiedlich aus.
Die DDG empfiehlt, Kohlenhydrate bevorzugt aus ballaststoffreichen Lebensmitteln zu beziehen, insbesondere aus Vollkornprodukten. Zugleich weist sie darauf hin, dass stark verarbeitete Vollkornprodukte nicht automatisch denselben Vorteil zeigen. Ein Vollkornbrot aus grob gemahlenem Getreide wirkt anders als ein fein vermahlenes Produkt mit Vollkornanteil.
Der glykämische Index ordnet ein, wie stark ein kohlenhydrathaltiges Lebensmittel den Blutzucker ansteigen lässt. Die DDG ordnet eine Ernährung mit niedrigem glykämischem Index als potenziell relevant ein, weist aber darauf hin, dass die Interventionsstudien widersprüchlich sind. Der glykämische Index allein ist ein ungenauer Maßstab dafür, welche Lebensmittel empfehlenswert sind.
Ob jede Person Kohlenhydrate zählen muss, hängt von der Therapie ab. Für insulinbehandelte Menschen ist die Kohlenhydratmenge für die Therapie relevant, und die DDG hebt die Abstimmung von Kohlenhydratgehalt und Therapie ausdrücklich hervor. Menschen, die kein Insulin spritzen, müssen nicht zwingend Kohlenhydrate zählen.
Eine kohlenhydratarme Ernährung ist eine Option, keine allgemeine Pflicht. Die DDG nennt eine moderate Kohlenhydratreduktion als mögliche, vor allem kurzfristige Methode zur Gewichtsreduktion. Für den Gewichtserhalt gelten Low-Carb- und Low-Fat-Ernährungsweisen als ebenbürtig, die Wahl soll sich an individuellen Präferenzen orientieren. Für insulinbehandelte Personen sollen kohlenhydratarme Ernährungsformen nur unter engmaschiger Therapiekontrolle durchgeführt werden.
Getränke ohne Zucker
Für Menschen mit Typ-2-Diabetes empfiehlt die DDG, zuckergesüßte Getränke zu minimieren und vorzugsweise durch Wasser zu ersetzen. Ungesüßter Tee oder Kaffee und kalorienfrei gesüßte Getränke sind mögliche Alternativen. Auch Fruchtsäfte sollten nicht mit ganzem Obst gleichgesetzt werden, weil große Mengen von Obstprodukten und Säften die Kohlenhydratzufuhr deutlich erhöhen.
Einkauf und Küchenalltag
Beim Einkauf lohnt der Blick auf die Nährwertangaben und die Zutatenliste. Der Zuckergehalt steht auf verpackten Lebensmitteln in der Nährwerttabelle, die Zutatenliste zeigt, ob Zucker oder Sirup enthalten ist. Bei Getränken ist Wasser oder ungesüßter Tee die einfache Orientierung.
Bei Vollkornprodukten lohnt der Blick auf das Produkt und die Verarbeitung. Ein Produkt, das als Vollkorn gekennzeichnet ist, muss nicht automatisch die gleiche Wirkung haben wie ein grob gemahlenes Vollkornbrot. Die DDG nennt für die Beratung eine Zielgröße für die Ballaststoffzufuhr, merkt aber an, dass die Evidenz für diese Zielgröße begrenzt ist. Diese Angabe ist eine Orientierung, keine individuelle Vorgabe.