Zittern, Trinkschwäche, auffällige Müdigkeit oder Atempausen können bei Neugeborenen auf eine Unterzuckerung hinweisen. Diese Zeichen beweisen den niedrigen Blutzucker aber nicht: Sie treten auch bei anderen Anpassungsproblemen und Krankheiten auf. Ein Baby kann unterzuckert sein, ohne dass es äußerlich auffällt. Deshalb ist nur eine Blutzuckermessung zuverlässig.

Was die Warnzeichen bedeuten

Unterzuckerung, medizinisch Hypoglykämie, bedeutet, dass die Glukosekonzentration im Blut so niedrig liegt, dass sie gefährlich werden kann. Bei Neugeborenen können Zittern, ausgeprägte Unruhe, Reizbarkeit, schrilles Schreien und Krampfanfälle auf eine Unterzuckerung hindeuten. Hinzu kommen schwaches Trinken, Teilnahmslosigkeit und ein schlaffer Muskeltonus. Auch blasse oder bläuliche Haut, schnelle oder unregelmäßige Atmung, Atempausen und eine niedrige Körpertemperatur zählen zu den möglichen Warnzeichen.

Diese Liste ist eine Warnzeichenliste, keine Diagnosekriterien. Zittern stammt bei Neugeborenen häufig von neuromuskulärer Unreife, Kälte, Schmerzen oder Entzugssymptomen. Trinkschwäche und schnelle Atmung kommen auch bei Infektionen, Atemproblemen oder Unterkühlung vor. Ein auffälliges Baby braucht deshalb eine ärztliche Beurteilung, die klärt, ob eine Unterzuckerung, eine Infektion, eine Elektrolytstörung oder eine andere Ursache vorliegt.

Warum Beobachtung nicht ausreicht

Eine Studie an Neugeborenen zeigt die Grenzen der klinischen Beobachtung deutlich. Verblindete Beobachter beurteilten Videoaufnahmen der Kinder. Sie erkannten nur einen Teil der Babys mit niedrigem Blutzucker anhand des Erscheinungsbilds, und die Erkennungsraten schwankten stark. Auch Episoden mit sehr niedrigen Werten wurden nur teilweise erkannt.

Die Autoren kamen zu dem Ergebnis, dass die klinische Beobachtung weder empfindlich noch spezifisch genug ist, um eine Unterzuckerung bei Neugeborenen zuverlässig zu erkennen. Ein auffälliger Eindruck war bei Kindern mit niedrigem Blutzucker häufiger, kam aber auch bei Kindern mit normalen Werten vor.

Unterzuckerung ohne sichtbare Zeichen

Niedrige Blutzuckerwerte bleiben bei Neugeborenen häufig ohne erkennbare Symptome. Das gilt besonders für mildere oder vorübergehende Unterzuckerungen, kann aber auch bei deutlich niedrigen Werten vorkommen. Eine Krankenhausstudie an gesunden, reifen und ausschließlich gestillten Neugeborenen fand bei etwa 10 Prozent der Kinder eine Unterzuckerung, die ausschließlich in den ersten 24 Lebensstunden auftrat. Eine Überwachungsstudie berichtet, dass bei den untersuchten Neugeborenen etwa die Hälfte der Unterzuckerungen ohne Symptome blieb.

Diese Zahlen hängen stark von der Definition, der Messmethode und der untersuchten Gruppe ab. Fehlende Symptome schließen eine Unterzuckerung nicht aus. Deshalb erhalten Neugeborene mit Risikofaktoren wie Frühgeburtlichkeit, sehr niedrigem oder sehr hohem Geburtsgewicht oder Diabetes der Mutter geplante Blutzuckerkontrollen, auch wenn sie unauffällig wirken.

Grenzen der Schnellmessung

Schnelltests, die direkt am Krankenbett durchgeführt werden, sind praktisch, aber im niedrigen Messbereich bei Neugeborenen ungenau. Der hohe Hämatokrit, also der Anteil fester Blutbestandteile, und die Unterschiede zwischen Vollblut- und Plasmawerten verfälschen das Ergebnis. Dazu kommen geringe Messkonzentrationen und gerätespezifische Fehler. Die Pediatric Endocrine Society nennt für diese Geräte eine mögliche Abweichung von etwa 10 bis 15 mg/dl. Ein auffälliger Schnelltest sollte deshalb, wenn es klinisch möglich ist, durch eine Laborbestimmung oder Blutgasanalyse bestätigt werden.

Die Bestätigung darf in schweren Fällen die Behandlung nicht verzögern. Bei einem deutlich niedrigen Wert, wiederholten niedrigen Messungen oder einem klinisch schwer kranken Kind muss die Versorgung sofort beginnen. Die Versorgung umfasst schnelles Messen, sofortiges Handeln bei auffälligem Ergebnis, das parallele Veranlassen der genaueren Bestätigung und die Suche nach der Ursache bei anhaltenden Werten.

Kein einheitlicher Grenzwert

Es gibt keinen einzelnen Grenzwert, ab dem bei jedem Baby eine Unterzuckerung beginnt. Behandelnde verwenden operative Schwellenwerte, die vom Lebensalter in Stunden, vom Gestationsalter, vom Geburtsgewicht und von Symptomen abhängen. Auch Risikofaktoren und die Messmethode fließen in die Festlegung ein. Internationale Leitlinien nennen für asymptomatische Neugeborene je nach Land Interventionsgrenzen zwischen unter 2,0 und unter 2,8 mmol/l.

Die deutsche S2k-Leitlinie zur Betreuung von Neugeborenen in der Geburtsklinik aus dem Jahr 2022 weist ausdrücklich darauf hin, dass es keine exakten Daten gibt, mit denen sich für jedes Neugeborene ein bestimmter Wert und eine bestimmte Dauer als sicher oder unsicher festlegen lassen. Die Leitlinie berücksichtigt deshalb Risikofaktoren, Lebensalter, klinischen Zustand und Verlauf. Die ältere Leitlinie zur Betreuung von Neugeborenen diabetischer Mütter aus dem Jahr 2017 ist abgelaufen und wird überarbeitet. Eltern sollten sich bei konkreten Fragen an die Behandelnden in der Klinik wenden.

Wann sofortige Hilfe nötig ist

Bei Krampfanfällen, Atempausen, ausgeprägter Teilnahmslosigkeit oder bläulicher Verfärbung der Haut müssen Eltern sofort medizinische Hilfe veranlassen. Diese Zeichen können auf eine schwere Unterzuckerung oder eine andere akute Erkrankung hinweisen. In solchen Situationen darf die Behandlung nicht auf eine Laborbestätigung warten.

Auch ohne solche schweren Zeichen gilt: Auffälliges Verhalten sollte angesprochen werden. Eltern sollten nicht selbst aus einem einzelnen Verhalten auf eine Unterzuckerung schließen, aber Zittern, Trinkschwäche oder ungewöhnliche Müdigkeit ernst nehmen und das medizinische Personal informieren. Bei Risikokindern sind die geplanten Kontrollen einzuhalten, auch wenn das Kind unauffällig wirkt.