Neue Diabetesstudien untersuchen nicht nur, wie gut ein Medikament den Blutzucker senkt. Sie fragen auch, ob es Herz und Nieren schützt, ob eine Remission möglich ist und wie technische Geräte die Insulinbehandlung unterstützen. Die Ergebnisse betreffen jedoch unterschiedliche Formen von Diabetes und klar abgegrenzte Patientengruppen.

Eine Remission bedeutet, dass bestimmte Blutzuckerwerte über einen festgelegten Zeitraum ohne blutzuckersenkende Medikamente erreicht werden. Sie ist keine Heilung: Der Diabetes kann zurückkehren, und Kontrollen bleiben nötig. Die jüngsten Studien liefern Fortschritte, aber keine pauschale Empfehlung für ein bestimmtes Medikament oder Gerät.

Semaglutid und das Herz

Die 2025 veröffentlichte SOUL-Studie prüfte orales Semaglutid bei Menschen ab 50 Jahren mit Typ-2-Diabetes und bereits bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung, chronischer Nierenerkrankung oder beidem. Die Teilnehmenden erhielten zusätzlich zur üblichen Versorgung täglich bis zu 14 Milligramm Semaglutid oder ein Scheinmedikament.

Ältere Person bespricht eine Diabetesstudie mit einer Ärztin; auf dem Tisch liegen eine neutrale Tablette und Unterlagen.
Die SOUL-Studie untersuchte orales Semaglutid zusätzlich zur üblichen Versorgung bei einer bestimmten Hochrisikogruppe.

Als gemeinsames Ergebnis zählten die Forschenden Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Ursachen, nicht tödliche Herzinfarkte und nicht tödliche Schlaganfälle. Mindestens eines dieser Ereignisse trat bei 12,0 Prozent der Semaglutid-Gruppe und 13,8 Prozent der Vergleichsgruppe auf. Die Forschenden berechneten, dass das relative Risiko in der Semaglutid-Gruppe um 14 Prozent niedriger war. Der Unterschied zwischen den Anteilen der beiden Gruppen betrug 1,8 Prozentpunkte.

Beide Zahlen beschreiben dasselbe Ergebnis auf unterschiedliche Weise: Die relative Zahl vergleicht das Risiko in den Gruppen. Der absolute Unterschied zeigt, wie weit ihre Anteile auseinanderlagen. Der Befund gilt für die untersuchte Gruppe mit hohem Risiko. Daraus lässt sich nicht ableiten, welchen Nutzen Semaglutid für Menschen mit geringerem Herz-Kreislauf-Risiko hat. SOUL belegt auch keinen gesicherten Nierenschutz durch die Tablette. Beim vorab festgelegten Nieren-Endpunkt zeigte sich kein statistisch eindeutiger Unterschied zwischen den Gruppen.

Semaglutid bei Nierenerkrankung

Die FLOW-Studie untersuchte eine andere Gruppe und eine andere Behandlungsform: Menschen mit Typ-2-Diabetes und chronischer Nierenerkrankung erhielten wöchentlich eine Semaglutid-Injektion mit 1,0 Milligramm oder ein Scheinmedikament. Die mittlere Nachbeobachtung dauerte 3,4 Jahre.

Mindestens ein Ereignis des kombinierten Endpunkts trat bei 331 Personen in der Semaglutid-Gruppe und 410 Personen in der Vergleichsgruppe auf. Zu den Ereignissen zählten unter anderem Nierenversagen, ein starker Verlust der Nierenfunktion und Todesfälle durch Nieren- oder Herz-Kreislauf-Ursachen. Insgesamt war das relative Risiko für eines dieser Ereignisse laut Studie um 24 Prozent niedriger.

Die Zahl bedeutet nicht, dass jede einzelne Nierenkomplikation um 24 Prozent seltener auftrat. Die Studie endete vorzeitig, nachdem die Forschenden eine Zwischenanalyse durchgeführt hatten, die von Anfang an geplant war. Das sollte bei der Einordnung der Ergebnisse berücksichtigt werden. FLOW und SOUL untersuchten unterschiedliche Darreichungsformen, Gruppen und Endpunkte. Ihre Ergebnisse erlauben deshalb keine allgemeine Aussage über den Schutz von Herz oder Nieren durch Semaglutid.

Remission bei Typ-2-Diabetes

Eine 2025 im BMJ veröffentlichte Studie untersuchte 328 Erwachsene in China. Alle hatten Übergewicht und lebten seit weniger als sechs Jahren mit Typ-2-Diabetes. Beide Gruppen sollten ihre Kalorienzufuhr einschränken. Zusätzlich erhielt eine Gruppe Dapagliflozin, die andere ein Scheinmedikament. Die Untersuchung dauerte bis zu zwölf Monate.

Zwei vergleichbare Mahlzeiten mit kleineren Portionen; neben einer liegt eine neutrale Tablette.
In beiden Studiengruppen gehörte eine kalorienreduzierte Ernährung zum Vorgehen.

Eine Remission nach der in der Studie festgelegten Definition erreichten 44 Prozent der Dapagliflozin-Gruppe und 28 Prozent der Vergleichsgruppe. Die Teilnehmenden mussten dafür bestimmte HbA1c- und Nüchternblutzuckerwerte erreichen und mindestens zwei Monate lang keine blutzuckersenkenden Medikamente einnehmen. Der Unterschied zwischen den Gruppen betrug 16 Prozentpunkte.

Da auch die Vergleichsgruppe eine kalorienreduzierte Ernährung erhielt, lässt sich eine Remission nicht allein Dapagliflozin zuschreiben. Ebenso bleibt offen, wie viele Teilnehmende noch Jahre später in Remission sind. Die Studie betrifft eine bestimmte Gruppe mit Übergewicht und vergleichsweise kurzer Diabetesdauer. Wer Medikamente einnimmt, sollte sie deshalb nicht eigenständig absetzen, sondern Änderungen mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprechen.

Automatisierte Insulinabgabe

Bei einer automatisierten Insulinabgabe misst ein Gerät fortlaufend den Glukosewert und berechnet daraus, wie viel Insulin es abgibt. Eine Studie teilte 319 Erwachsene mit insulinbehandeltem Typ-2-Diabetes nach dem Zufallsprinzip einer solchen Behandlung oder ihrer bisherigen Insulinbehandlung zu. Beide Gruppen maßen ihren Glukosewert kontinuierlich. Die Behandlungsphase dauerte 13 Wochen.

Editorial illustration for Aktuelle Diabetes-Forschung: Neue Studien verständlich erklärt

Der HbA1c-Wert zeigt den durchschnittlichen Blutzucker der vergangenen Wochen an. Er sank in der Gruppe mit automatisierter Insulinabgabe im Mittel um 0,9 Prozentpunkte und in der Vergleichsgruppe um 0,3 Prozentpunkte. Am Studienende lag der Glukosewert der Gruppe mit dem automatisierten System außerdem länger im Zielbereich von 70 bis 180 Milligramm pro Deziliter Blut.

Die Ergebnisse sprechen für eine bessere Blutzuckereinstellung während der kurzen Studienphase. Sie belegen nicht, dass das Gerät langfristig Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Nierenversagen verhindert. Auch folgt daraus nicht, dass jedes Gerät für alle Menschen mit insulinbehandeltem Typ-2-Diabetes geeignet ist. Die Auswahl hängt von der persönlichen Behandlungssituation und der medizinischen Betreuung ab.

Teplizumab bei Typ-1-Diabetes

Bei Typ-1-Diabetes untersuchen Forschende auch, ob sich der Beginn des symptomatischen Krankheitsstadiums hinauszögern lässt. Die US-amerikanische Diabetes-Fachgesellschaft beschreibt Teplizumab in ihrer Leitlinie von 2025 als mögliche Option für ausgewählte Personen ab acht Jahren mit Typ-1-Diabetes im Stadium 2. In diesem Stadium bestehen bereits Hinweise auf den Autoimmunprozess, aber noch keine typischen Beschwerden des Stadiums 3.

Junge Person und Bezugsperson sprechen in einer spezialisierten Diabetesambulanz mit einer Ärztin über eine Behandlungsmöglichkeit.
Teplizumab kommt laut Leitlinie nur für ausgewählte Personen mit Typ-1-Diabetes im Stadium 2 infrage.

Die Studie war klein und untersuchte Verwandte von Menschen mit Typ-1-Diabetes. Von den 44 Personen, die Teplizumab erhielten, entwickelten 43 Prozent während der Studie das symptomatische Stadium. In der Placebo-Gruppe mit 32 Personen waren es 72 Prozent. Die mittlere Zeit bis zur Diagnose, gerechnet als Median, betrug 48,4 Monate mit Teplizumab und 24,4 Monate mit Placebo.

Das Ergebnis deutet auf eine Verzögerung hin, nicht auf eine dauerhafte Verhinderung oder Heilung. Zu den häufigsten Nebenwirkungen in der Studie gehörten vorübergehend niedrige Lymphozytenwerte und Hautausschlag. Ob die Behandlung infrage kommt, muss in einer spezialisierten medizinischen Einrichtung individuell geklärt werden.

Was die Studien für Betroffene bedeuten

Die Studienergebnisse beziehen sich jeweils auf bestimmte Menschen, Behandlungen und Messgrößen. Ein besserer HbA1c-Wert nach 13 Wochen beantwortet eine andere Frage als ein geringeres Risiko für einen kombinierten Herz-Kreislauf- und Nierenendpunkt über mehrere Jahre. Auch der Vergleich mit einem Scheinmedikament oder der üblichen Versorgung ist kein direkter Vergleich zwischen verschiedenen Wirkstoffen.

Im Gespräch in der Praxis hilft eine konkrete Frage: Geht es vor allem um den Blutzucker, das Herz-Kreislauf-Risiko, eine bestehende Nierenerkrankung oder die Belastung durch die Insulinbehandlung? Dann lässt sich klären, ob die untersuchte Behandlung zur eigenen Diagnose passt, welche Vorteile belegt sind und welche Fragen offenbleiben. Eine Studie allein ist kein Grund, eine laufende Behandlung zu ändern.