Zuckerkrankheit ist der umgangssprachliche Name für Diabetes mellitus. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von Stoffwechselerkrankungen, bei denen der Blutzucker dauerhaft zu hoch ist. Der Körper bildet zu wenig oder kein Insulin oder nutzt das vorhandene Insulin nicht richtig. Insulin bringt Zucker aus dem Blut in die Körperzellen, wo er als Energie dient. Der Name Zuckerkrankheit ist irreführend, denn Diabetes entsteht nicht durch den Verzehr von Süßigkeiten. Die Ursachen unterscheiden sich je nach Diabetesform erheblich.
2022 berichteten rund 10,2 Prozent der Erwachsenen in Deutschland von einer ärztlich diagnostizierten Diabeteserkrankung. Weil Typ-2-Diabetes oft jahrelang keine Beschwerden verursacht, bleibt er bei vielen Menschen zunächst unbemerkt. Wer die Krankheit und ihre Warnzeichen kennt, kann früher handeln und bei Typ 2 den Verlauf beeinflussen.
Was Zuckerkrankheit bedeutet
Der medizinische Fachbegriff Diabetes mellitus bezeichnet keine einzelne Krankheit, sondern eine Gruppe von Stoffwechselstörungen. Ihr gemeinsames Merkmal ist, dass der Blutzucker dauerhaft zu hoch bleibt. Bei gesunden Menschen sorgt Insulin dafür, dass Glukose, also Traubenzucker, aus dem Blut in die Zellen gelangt. Fehlt Insulin oder wirkt es nicht ausreichend, sammelt sich der Zucker im Blut an. Ärzte sprechen dann von chronischer Hyperglykämie.
Dauerhaft erhöhter Blutzucker schädigt Blutgefäße und Nerven. Daraus entstehen im Verlauf von Jahren Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenschäden, Augenerkrankungen, Nervenstörungen, Fußgeschwüre und in schweren Fällen Amputationen. Eine gute Behandlung von Blutzucker, Blutdruck und Blutfetten senkt das Risiko für diese Folgen.
In Deutschland steigt die Häufigkeit mit dem Alter stark an. Bei jüngeren Erwachsenen sind 2,7 Prozent betroffen, bei mittleren Altersgruppen 10,7 Prozent und bei älteren Erwachsenen rund 20,6 Prozent. Menschen mit niedriger Bildung haben mit 18,3 Prozent deutlich häufiger eine bekannte Diabeteserkrankung als Menschen mit hoher Bildung mit 5,0 Prozent.
Die wichtigsten Diabetesformen
Ob Typ 1, Typ 2 oder Schwangerschaftsdiabetes vorliegt, ist für die Behandlung entscheidend, denn die Ursachen und Therapien unterscheiden sich grundlegend.
Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört. Dadurch entsteht ein absoluter Insulinmangel, und die Betroffenen sind lebenslang auf Insulin angewiesen. Typ 1 beginnt häufig im Kindes- oder Jugendalter, kann aber in jedem Alter auftreten. Die Symptome entwickeln sich oft innerhalb von Tagen oder Wochen. Die Ursache des Autoimmunprozesses ist nicht vollständig geklärt; genetische Veranlagung und Umweltfaktoren spielen vermutlich eine Rolle. Ein ungesunder Lebensstil verursacht Typ-1-Diabetes nicht.
Typ-2-Diabetes beginnt meist mit einer Insulinresistenz: Die Körperzellen sprechen schlechter auf Insulin an, und die Bauchspeicheldrüse produziert zunächst mehr davon, um den Mangel auszugleichen. Mit der Zeit reicht diese Kompensation nicht mehr aus, und der Blutzucker steigt. Zu den Risikofaktoren zählen genetische Veranlagung, Alter, Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen und früherer Schwangerschaftsdiabetes. Typ 2 entwickelt sich schleichend und bleibt oft jahrelang unbemerkt.
Schwangerschaftsdiabetes wird erstmals während einer Schwangerschaft festgestellt. Er verschwindet nach der Geburt meist wieder, erhöht aber das spätere Risiko der Mutter für Typ-2-Diabetes. Auch für das Kind sind Risiken verbunden. Da die Erkrankung kaum Beschwerden macht, ist die Untersuchung in der Schwangerschaft wichtig.
Daneben gibt es seltenere Formen wie monogenen Diabetes, Diabetes durch Bauchspeicheldrüsenerkrankungen oder medikamentenbedingten Diabetes. Das Alter allein reicht nicht aus, um Typ 1 und Typ 2 sicher zu unterscheiden, denn beide Formen kommen bei Kindern und Erwachsenen vor.
Symptome und Diagnose
Mögliche Anzeichen erhöhter Blutzuckerwerte sind starker Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit, verschwommenes Sehen, ungewollter Gewichtsverlust und langsam heilende Wunden. Beim Typ-1-Diabetes treten diese Beschwerden oft plötzlich auf. Beim Typ-2-Diabetes fehlen sie häufig oder sind so schwach ausgeprägt, dass sie übersehen werden. Deshalb bleibt die Erkrankung bei vielen Menschen über Jahre unerkannt. Wer zu den Risikogruppen gehört, etwa wegen Übergewicht, familiärer Vorbelastung oder Bewegungsmangel, sollte den Blutzucker regelmäßig ärztlich kontrollieren lassen. Auch ohne Krankheitsgefühl ist das Risiko bei Typ-2-Diabetes erheblich.
Ärzte nutzen für die Diagnose mehrere Blutwerte. Der HbA1c-Wert gibt an, wie hoch der Blutzucker in den vergangenen zwei bis drei Monaten im Schnitt war. Daneben kommen der Nüchternblutzucker, ein oraler Glukosetoleranztest mit 75 Gramm Zucker und bei klassischen Symptomen ein zufällig gemessener Blutzuckerwert infrage.
Nach den Kriterien der American Diabetes Association von 2025 liegt bei Erwachsenen außerhalb einer Schwangerschaft ein Diabetes vor, wenn einer der folgenden Werte erreicht wird: ein HbA1c von 6,5 Prozent oder höher, ein Nüchternblutzucker von 126 mg/dl (7,0 mmol/l) oder höher, ein Zwei-Stunden-Wert von 200 mg/dl (11,1 mmol/l) oder höher im Glukosetoleranztest oder ein zufälliger Blutzuckerwert von 200 mg/dl (11,1 mmol/l) oder höher zusammen mit typischen Symptomen. Ohne eindeutig erhöhte Werte ist eine Bestätigung durch einen zweiten Test üblich.
Diese Grenzwerte gelten für die allgemeine Diagnostik. Bei Schwangerschaft, Kindern, akuten Erkrankungen und bestimmten Vorerkrankungen gelten andere Maßstäbe. Der HbA1c-Wert kann außerdem bei Blutarmut, Nierenerkrankungen oder bestimmten Hämoglobinvarianten verfälscht sein. Die Diagnose gehört in ärztliche Hände, eine Selbstdiagnose mit Heimgeräten ersetzt sie nicht.
Behandlung nach Diabetesform
Die Behandlung hängt von der Diabetesform, den Blutzuckerwerten, Begleiterkrankungen, Alter, Schwangerschaft und persönlichen Umständen ab.
Menschen mit Typ-1-Diabetes benötigen Insulin, weil ihr Körper keines mehr bildet. Üblich sind Insulininjektionen oder eine Insulinpumpe, dazu kommen regelmäßige Blutzuckerkontrollen, Ernährungsplanung und Schulung zu Unterzuckerung und Ketoazidose.
Bei Typ-2-Diabetes steht zunächst die Lebensstilumstellung im Vordergrund: Gewichtsmanagement, regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung und Rauchstopp. Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, kommen blutzuckersenkende Medikamente zum Einsatz. Zu den gängigen Wirkstoffklassen zählen Metformin, Sulfonylharnstoffe, SGLT2-Hemmer, DPP-4-Hemmer, GLP-1-Rezeptoragonisten und Insulin. Die Wahl des Medikaments ist individuell und hängt unter anderem von Herz-Kreislauf- und Nierenrisiko ab. Die Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes beschreibt die Therapieoptionen ausführlich.
Eine verbesserte Ernährung, mehr Bewegung und Gewichtsabnahme können den Blutzucker senken und bei manchen Menschen mit Typ-2-Diabetes den Beginn einer Medikamententherapie hinauszögern. Manche Fälle lassen sich jedoch nur mit Medikamenten kontrollieren. Wer bereits Medikamente einnimmt, sollte sie nicht ohne ärztlichen Rat absetzen.
Akute Notfälle erkennen
Zwei Notfälle erfordern schnelles Handeln. Die Unterzuckerung, medizinisch Hypoglykämie, tritt vor allem unter Insulin oder bestimmten blutzuckersenkenden Medikamenten auf. Warnzeichen sind Zittern, Schwitzen, starker Hunger, Verwirrtheit, Schläfrigkeit, Krampfanfälle und Bewusstlosigkeit. Eine schwere Unterzuckerung ist ein Notfall.
Die diabetische Ketoazidose entsteht durch schweren Insulinmangel und betrifft vor allem Menschen mit Typ-1-Diabetes, kann aber auch bei Typ 2 auftreten. Warnzeichen sind Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, tiefe oder angestrengte Atmung, Austrocknung, Verwirrtheit und ein fruchtiger oder acetonartiger Atemgeruch. Sie ist lebensbedrohlich und gehört sofort in ärztliche Behandlung.
Beim hyperosmolaren hyperglykämischen Syndrom, das eher bei älteren Menschen mit Typ-2-Diabetes vorkommt, führen sehr hohe Blutzuckerwerte zu schwerer Austrocknung und Bewusstseinsstörungen. Auch hier ist eine Notfallbehandlung erforderlich.
Langzeitfolgen vermeiden
Langzeitschäden entstehen vor allem durch dauerhaft erhöhten Blutzucker und weitere Herz-Kreislauf-Risikofaktoren. Zu den wichtigen Folgen zählen koronare Herzkrankheit und Schlaganfall, chronische Nierenerkrankung, diabetische Netzhauterkrankung mit Sehverlust, Nervenschäden, Fußgeschwüre und Amputationen sowie Störungen der Sexualfunktion und Blasenfunktion.
Eine gute Einstellung von Blutzucker, Blutdruck und Blutfetten sowie der Verzicht auf Rauchen senken das Risiko für diese Komplikationen deutlich. Regelmäßige Untersuchungen von Augen, Nieren, Nerven und Füßen gehören zur Standardversorgung, damit Schäden früh erkannt werden.
Typ-2-Diabetes vorbeugen
Typ-2-Diabetes lässt sich in vielen Fällen verhindern oder zumindest hinauszögern, eine Garantie dafür gibt es nicht. Zu den wirksamen Maßnahmen zählen ein gesundes Körpergewicht, regelmäßige körperliche Aktivität, eine ausgewogene Ernährung und der Verzicht auf Tabak. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche.
Das Gesundheitsportal des Bundesministeriums für Gesundheit weist darauf hin, dass Menschen mit erhöhtem Risiko den Beginn von Typ-2-Diabetes durch Lebensstiländerungen um mehrere Jahre verzögern können. Ob sie die Erkrankung in jedem Einzelfall vollständig verhindern, ist nicht sicher belegt. Wer ein erhöhtes Risiko hat, sollte die Möglichkeiten mit dem Hausarzt besprechen.
Häufige Missverständnisse
Drei Annahmen über Diabetes sind falsch oder zumindest unpräzise.
Süßigkeiten verursachen keinen Diabetes. Zucker oder Süßigkeiten allein lösen die Erkrankung nicht aus. Ein dauerhaft zu energiereicher Speiseplan mit vielen zuckerhaltigen Getränken kann jedoch zu Übergewicht beitragen, und Übergewicht fördert Typ-2-Diabetes. Bei Menschen mit bestehendem Diabetes verschlechtert übermäßiger Zuckerkonsum außerdem die Blutzuckereinstellung.
Auch wenn anfangs oft keine Symptome auftreten, führt unbehandelter oder schlecht eingestellter Typ-2-Diabetes zu schweren Gefäß-, Nieren-, Augen-, Nerven- und Fußschäden. Das Ausbleiben von Beschwerden bedeutet kein geringes Risiko.
Diabetes ist nicht heilbar im Sinne einer dauerhaften Beseitigung. Typ-1-Diabetes erfordert lebenslang Insulin. Bei manchen Menschen mit Typ-2-Diabetes können deutliche Gewichtsabnahme und Behandlung den Blutzucker in den nicht-diabetischen Bereich bringen. Fachleute sprechen dann von Remission oder guter Krankheitskontrolle, nicht von dauerhafter Heilung. Schwangerschaftsdiabetes verschwindet nach der Geburt meist, erhöht aber das spätere Typ-2-Risiko.
Wann ärztliche Abklärung nötig ist
Wer klassische Symptome wie starken Durst, häufiges Wasserlassen, unerklärlichen Gewichtsverlust oder langanhaltende Müdigkeit bemerkt, sollte zeitnah einen Arzt aufsuchen. Das gilt besonders bei plötzlich auftretenden Beschwerden, die auf Typ-1-Diabetes hindeuten können. Auch Menschen mit Risikofaktoren wie Übergewicht, familiärer Vorbelastung oder Bewegungsmangel sollten ihren Blutzucker regelmäßig kontrollieren lassen, auch wenn sie sich gesund fühlen.
Bei Anzeichen einer Unterzuckerung mit Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit sowie bei Verdacht auf Ketoazidose mit Übelkeit, Erbrechen und auffälligem Atem ist sofort der Notruf zu wählen. Wer unsicher ist, ob Beschwerden auf Diabetes hindeuten, klärt das am besten mit dem Hausarzt ab.