Wer die Diagnose Diabetes erhält, bekommt häufig auch eine Zuordnung zu Typ 1 oder Typ 2. Der Typ lässt sich nicht immer sofort bestimmen. Bei Typ 1 greift das Immunsystem die insulinbildenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse an und zerstört sie. Bei Typ 2 reagieren die Körperzellen schlechter auf Insulin, und die Bauchspeicheldrüse produziert mit der Zeit oft weniger davon.

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Eine falsche Zuordnung kann die Behandlung verzögern oder unnötig erschweren. Laut den Standards der American Diabetes Association von 2026 wird bei bis zu 40 Prozent der Erwachsenen mit neu aufgetretenem Typ-1-Diabetes der Typ falsch eingeordnet. Diese Zahl bezieht sich auf Erwachsene, die tatsächlich Typ 1 haben, nicht auf alle Menschen mit Diabetes. Alter, Gewicht und einzelne Testergebnisse reichen nicht aus, um den Typ sicher festzulegen. Entscheidend sind der Krankheitsverlauf und passende Laborbefunde.

Wo die Zuordnung scheitert

Typ-1-Diabetes beginnt sowohl im Kindes- oder Jugendalter als auch im Erwachsenenalter. Bei Erwachsenen kann er sich langsamer entwickeln und zunächst wie Typ 2 wirken. Ein höheres Körpergewicht schließt Typ 1 ebenfalls nicht aus. Deshalb fällt ein beginnender Insulinmangel manchmal erst auf, wenn sich die Glukosewerte trotz einer zunächst passenden Behandlung rasch verschlechtern.

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Auch die Gegenrichtung kommt vor: Ein Mensch mit Typ 2 oder einer anderen Diabetesform wird vorschnell als Typ 1 eingeordnet. Eine seltene Ursache wie MODY, eine erblich bedingte Form von Diabetes, kann ebenfalls mit Typ 1 verwechselt werden. Eine falsche Einordnung beeinflusst, welche Behandlung geprüft wird und wie die Erkrankung erklärt wird.

Merkmal Typ 1 Typ 2
Ursache Das Immunsystem greift insulinbildende Zellen an. Dadurch entsteht meist ein ausgeprägter Insulinmangel. Die Körperzellen reagieren schlechter auf Insulin; zugleich reicht die Insulinproduktion mit der Zeit häufig nicht mehr aus.
Verlauf Der Beginn kann rasch oder bei Erwachsenen schrittweise sein. Der Verlauf entwickelt sich häufig schrittweise, unterscheidet sich aber von Person zu Person.
Behandlung Bei ausgeprägtem Insulinmangel ist Insulin erforderlich. Neben Insulin kommen weitere Behandlungen infrage; die Auswahl hängt von der individuellen Situation ab.

Die Tabelle beschreibt typische Unterschiede, keine Selbstdiagnose. Auch eine Ketoazidose, eine gefährliche Stoffwechselentgleisung durch Insulinmangel, beweist den Diabetestyp nicht allein. Sie ist jedoch ein dringender Anlass für medizinische Abklärung.

Häufige Denkfehler

„Erwachsene haben Typ 2.“ Beide Haupttypen können in jedem Lebensalter auftreten. Das Alter hilft bei der Einschätzung, schließt Typ 1 aber nicht aus.

„Übergewicht bedeutet Typ 2.“ Das Körpergewicht allein zeigt nicht, warum der Blutzucker erhöht ist. Auch Menschen mit höherem Gewicht können Typ 1 haben.

„Ein einzelner Antikörpertest entscheidet.“ Antikörper gegen insulinbildende Zellen können die Diagnose Typ 1 stützen. Ein negatives Ergebnis schließt Typ 1 jedoch nicht sicher aus: Bei einem Teil der Betroffenen lassen sich bei der Diagnose keine Antikörper nachweisen. Ein schwach positives Ergebnis für einen einzelnen Antikörper, etwa gegen GAD, ist bei Menschen mit Typ-2-Merkmalen ebenfalls nicht immer eindeutig.

„Die erste Diagnose gilt dauerhaft.“ Wenn die Glukosekontrolle trotz Behandlung schnell schlechter wird oder der Verlauf nicht zur ursprünglichen Einordnung passt, sollte die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt die Diagnose erneut prüfen. Die Diagnose zu hinterfragen bedeutet nicht, eine verordnete Behandlung eigenständig zu ändern.

Wie Ärztinnen und Ärzte neu bewerten

Zunächst werden zwei Fragen getrennt: Liegt Diabetes vor, und welcher Typ erklärt den Befund am besten? Glukose- und HbA1c-Werte, ein Maß für den längerfristigen Blutzucker, helfen dabei, Diabetes festzustellen. Sie zeigen allein aber nicht, wodurch der Diabetes verursacht wird.

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Dann zählen Verlauf und Beschwerden. Ungewollter Gewichtsverlust, sehr hohe Glukosewerte, eine Ketoazidose oder eine schnelle Verschlechterung unter einer Typ-2-Behandlung können eine genauere Abklärung begründen. Keines dieser Merkmale entscheidet für sich allein über den Typ.

Für die weitere Einordnung können Ärztinnen und Ärzte Insel-Autoantikörper untersuchen. Diese Antikörper richten sich gegen insulinbildende Zellen. Dazu gehören GAD-, IA-2- und ZnT8-Antikörper. Die ADA empfiehlt bei Erwachsenen mit überlappenden Merkmalen standardisierte Antikörpertests; GAD dient dabei typischerweise als erster Test. Bei negativem Ergebnis können weitere Antikörper untersucht werden. Die NICE-Leitlinie empfiehlt Antikörpertests auch bei Erwachsenen mit einer anfänglichen Typ-1-Diagnose. Die genaue Testfolge richtet sich nach dem klinischen Bild und den verfügbaren Untersuchungen.

Ein weiterer möglicher Test misst das C-Peptid. Dieser Wert gibt Hinweise darauf, wie viel Insulin der Körper selbst produziert. Er hilft vor allem, wenn die Typ-Zuordnung unklar ist. Das Ergebnis hängt jedoch unter anderem von der verwendeten Labormethode und der Nierenfunktion ab. Auch der gleichzeitig gemessene Blutzucker gehört zur Interpretation. Nach einem Notfall mit stark erhöhtem Blutzucker soll die Messung laut ADA in den folgenden zwei Wochen nicht erfolgen.

Wenn Befunde und Verlauf keine eindeutige Zuordnung erlauben, bleibt die Diagnose zunächst offen und wird später erneut bewertet. Die Leitlinien empfehlen Antikörpertests und C-Peptid-Messungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Sie stimmen darin überein, dass Ärztinnen und Ärzte einzelne Werte immer zusammen mit der gesamten Krankengeschichte bewerten müssen.

LADA richtig einordnen

LADA steht für eine langsam fortschreitende autoimmune Diabetesform, die im Erwachsenenalter beginnt. Der Begriff macht darauf aufmerksam, dass sich Typ 1 bei Erwachsenen zunächst langsam entwickeln kann. Die American Diabetes Association ordnet autoimmune Formen dem Typ 1 zu. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft beschreibt LADA als uneinheitlich ausgeprägt und nicht als klar abgegrenzte dritte Kategorie.

Für Betroffene zählt vor allem der Verlauf: Wenn sich ein zunächst als Typ 2 eingeordneter Diabetes zunehmend schwer kontrollieren lässt, kann eine erneute Prüfung sinnvoll sein. Dabei wird untersucht, ob Antikörper gegen insulinbildende Zellen vorliegen und ein Insulinmangel besteht. Die Bezeichnung LADA ersetzt diese ärztliche Beurteilung nicht.

Was Betroffene konkret tun können

Bei einer unklaren oder widersprüchlichen Einordnung hilft es, bei der nächsten ärztlichen Besprechung nach der Begründung für den Diabetestyp zu fragen. Sinnvoll sind konkrete Fragen: Welche Befunde stützen die Zuordnung? Wurden Autoantikörper untersucht? Ist ein C-Peptid-Test in dieser Situation hilfreich? Welche Veränderungen im Verlauf würden eine erneute Prüfung auslösen?

Eine Person stellt bei einem Arztgespräch Fragen und macht sich Notizen, während die Ärztin aufmerksam zuhört.
Fragen zu Befunden und möglichen weiteren Untersuchungen können das Gespräch strukturieren.

Insulin darf nicht eigenständig reduziert oder abgesetzt werden, auch nicht nach einem negativen Antikörpertest. Vor einem Absetzen muss medizinisch ausgeschlossen werden, dass ein schwerer Insulinmangel besteht. Bei Verdacht auf eine Ketoazidose ist sofortige medizinische Hilfe nötig. Warnzeichen sind Erbrechen und Bauchschmerzen. Auch tiefe oder beschleunigte Atmung sowie Benommenheit können darauf hindeuten. Bei schweren Beschwerden gilt: den Rettungsdienst verständigen.