Wer seinen Glukosewert im Alltag kontrolliert, kennt meist die Messung mit einem Tropfen Blut aus der Fingerbeere. Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung, kurz CGM, erfassen den Wert dagegen regelmäßig mit einem Sensor unter der Haut. So entsteht ein Verlauf statt einer Reihe einzelner Momentaufnahmen, und viele routinemäßige Fingerstichmessungen entfallen.

Redaktionelle Illustration zeigt links eine einzelne Fingerstichmessung und rechts einen CGM-Sensor am Arm mit einer fortlaufenden, abstrakten Verlaufslinie.

CGM-Sensoren messen Glukose in der Flüssigkeit zwischen den Zellen unter der Haut, nicht direkt im Blut. Deshalb können ihre Werte dem Blutzucker zeitlich hinterherhinken oder davon abweichen. Ob eine zusätzliche Blutmessung nötig ist, hängt vom Gerät und der Situation ab. CGM liefert hilfreiche Informationen für den Alltag, ersetzt aber weder jede Fingerstichmessung noch die medizinische Einordnung.

Was der Sensor misst

Ein CGM-Sensor sitzt auf der Haut. Ein feiner Messfaden reicht ins Unterhautgewebe und erfasst dort Glukosewerte in kurzen Abständen. Je nach System erscheinen die Werte automatisch auf einem Lesegerät, Smartphone oder einer Insulinpumpe. Andere Sensoren werden zum Abrufen der Daten gescannt. Manche Geräte zeigen zusätzlich Trendpfeile, speichern Verläufe oder senden Warnmeldungen bei festgelegten hohen oder niedrigen Werten.

Schematischer Querschnitt der Haut mit einem aufgeklebten CGM-Sensor und einem feinen Messfaden im Unterhautgewebe.

Der Sensor wird nach einer begrenzten Tragezeit gewechselt. Die Messung erspart viele Stiche in die Fingerbeere; der Sensor muss dafür weiterhin durch die Haut eingesetzt werden. Wie lange ein Sensor getragen werden kann und welche Funktionen er bietet, hängt vom jeweiligen Gerät ab.

Weil der Sensor Gewebegluko­se misst, folgt seine Anzeige Veränderungen im Blut mit Verzögerung. Ein Fachkonsens der International Society for Pediatric and Adolescent Diabetes aus dem Jahr 2022 beziffert diese Verzögerung auf etwa fünf bis zehn Minuten. Bei rasch steigenden oder fallenden Werten kann der Unterschied besonders relevant sein. Auch Druck auf den Sensor kann die Anzeige beeinflussen.

Wann Fingerstiche nötig bleiben

Viele CGM-Systeme reduzieren die Zahl der routinemäßigen Fingerstichmessungen deutlich. Sie machen solche Messungen jedoch nicht grundsätzlich überflüssig. Eine zusätzliche Blutmessung kann sinnvoll oder laut Geräteanleitung vorgesehen sein, wenn Beschwerden nicht zur Sensoranzeige passen, sich der Glukosewert rasch verändert oder ein niedriger Wert unklar erscheint.

Wer sich beispielsweise zittrig oder verwirrt fühlt, sollte die Anzeige nicht ungeprüft als Erklärung nehmen. Maßgeblich sind die Anleitung des verwendeten Systems und der persönliche Behandlungsplan. Bei schweren Beschwerden, Bewusstlosigkeit oder einem Krampfanfall ist sofort medizinische Hilfe nötig.

Welche Muster sichtbar werden

Einzelne Messungen zeigen, wie hoch der Wert in einem bestimmten Moment ist. Eine Verlaufskurve macht zusätzlich sichtbar, wie sich die Glukose über den Tag und in der Nacht entwickelt. So lässt sich zum Beispiel erkennen, ob nach einer Mahlzeit regelmäßig ein Anstieg auftritt oder ob sich Werte während körperlicher Aktivität verändern. Die Kurve macht zeitliche Zusammenhänge sichtbar; eine Ursache für die Veränderung lässt sich daraus allein nicht ableiten.

Editorial illustration for Kontinuierliche Glukosemessung: Wie CGM-Systeme im Alltag helfen

CGM-Berichte zeigen auch, wie lange die Werte innerhalb, unterhalb oder oberhalb eines vereinbarten Zielbereichs liegen. Diese Kennzahlen helfen, wiederkehrende Muster mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Diabetesberatung zu besprechen. Sie ersetzen keine Diagnose und begründen für sich genommen keine Änderung der Behandlung.

Warnmeldungen können auf hohe oder niedrige Sensorwerte hinweisen, auch wenn die Person den Verlauf gerade nicht auf dem Bildschirm verfolgt. Ein Alarm ist jedoch keine Garantie, dass eine Unterzuckerung rechtzeitig erkannt oder verhindert wird. Sensorverzögerungen, technische Probleme und Fehlalarme bleiben möglich.

Was Studien belegen

Bei Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes untersuchte die US-amerikanische DIAMOND-Studie CGM über 24 Wochen. Die Teilnehmenden spritzten mehrmals täglich Insulin. HbA1c ist ein Blutwert, der den längerfristigen Glukoseverlauf abbildet. In der CGM-Gruppe sank er stärker als in der Vergleichsgruppe; der Unterschied zwischen den Gruppen betrug 0,6 Prozentpunkte. Die Ergebnisse gelten für die untersuchte Gruppe und belegen keinen gleichen Nutzen für alle Menschen mit Diabetes.

Für Typ-2-Diabetes fasste eine Übersichtsarbeit systematische Reviews zusammen, deren Suche bis zum 28. Juni 2024 reichte. In den gepoolten Ergebnissen sank der HbA1c-Wert mit CGM im Mittel um 0,40 Prozentpunkte stärker als bei herkömmlicher Selbstmessung oder üblicher Versorgung. Die Zeit im Zielbereich nahm im Mittel um sechs Prozentpunkte zu. Die Studien untersuchten jedoch unterschiedliche Gruppen und Anwendungen. Auch die Ergebnisse zum HbA1c-Wert fielen stark unterschiedlich aus. Die von den Teilnehmenden selbst berichteten Ergebnisse, darunter Lebensqualität und Belastung, verbesserten sich insgesamt nicht signifikant.

Eine Übersichtsarbeit wertete Erfahrungsberichte von Erwachsenen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes aus. Die Berichte nannten mehr Einblick und weniger Aufwand durch Fingerstiche. Sie beschrieben auch störende Alarme, Hautbeschwerden und technische Schwierigkeiten sowie Unsicherheit bei der Deutung von Werten. Aus diesen Berichten geht hervor, welche Erfahrungen möglich sind; ihre Häufigkeit bei allen Nutzenden lässt sich daraus nicht ableiten.

Wo die Grenzen liegen

Ein Sensor liefert Messwerte, aber nicht immer eine eindeutige Erklärung. Ein niedriger Wert in der Nacht kann zum Beispiel durch Druck auf den Sensor beeinflusst sein. Hautreizungen, Schmerzen an der Einführstelle und Schwierigkeiten mit der Datenübertragung können den Alltag ebenfalls belasten. Manche Menschen empfinden häufige Alarme oder die dauernde Sichtbarkeit der Werte als störend.

Eine schlafende Person liegt auf der Seite, wobei der Arm mit einem CGM-Sensor unter dem Körper liegt; ein Smartphone mit unlesbarer Anzeige liegt daneben.

Auch der Zugang hängt von praktischen Bedingungen ab: Ein CGM benötigt je nach Ausführung einen Sensor und ein Empfangsgerät oder ein kompatibles Smartphone. Kosten und Versorgungsvoraussetzungen spielen ebenfalls eine Rolle. Ob ein System zur persönlichen Situation passt und welche Kosten übernommen werden, sollte mit der behandelnden Praxis oder Krankenkasse geklärt werden.