Bei Erwachsenen liegt ein HbA1c-Wert von 6,1 Prozent im Bereich des Prädiabetes. Das bedeutet ein erhöhtes Risiko für eine spätere Diabetesentwicklung. Der Wert allein beweist keinen Diabetes und reicht nicht für eine persönliche Diagnose.

Der HbA1c-Wert heißt auch „Langzeitblutzucker“. Er zeigt, wie viel des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin mit Zucker verbunden ist. Rote Blutkörperchen bleiben mehrere Wochen im Körper. Deshalb bildet der Wert die durchschnittliche Blutzuckerbelastung der vergangenen etwa 8 bis 12 Wochen ab. Einzelne Blutzuckerspitzen und kurzfristige Veränderungen zeigt er nur begrenzt.

Für die Einordnung ist wichtig, warum der Wert gemessen wurde. Bei einer erstmaligen Abklärung stellen sich andere Fragen als bei der Verlaufskontrolle eines bekannten Diabetes.

Wo 6,1 Prozent einzuordnen sind

Für die übliche Diagnose gilt ein HbA1c von 5,7 bis 6,4 Prozent als Prädiabetesbereich. 6,1 Prozent liegt in diesem Bereich. Ein deutlich höherer HbA1c kann ein Diagnosekriterium für Diabetes sein, wenn die Messung unter geeigneten Bedingungen erfolgte und die ärztliche Beurteilung dazu passt. Das Deutsche Diabetes-Zentrum erläutert die diagnostischen Kriterien.

Prädiabetes beschreibt eine Stoffwechsellage mit erhöhtem Risiko. Daraus folgt nicht, dass zwangsläufig Diabetes entsteht. Für das Risiko spielen unter anderem die Verteilung des Körperfetts, Leberfett, die genetische Veranlagung und die Insulinsekretion eine Rolle. Deshalb können Menschen mit demselben HbA1c-Wert ein unterschiedliches Gesamtrisiko haben.

Die Grenzbereiche beruhen auf dem Zusammenhang zwischen Blutzuckerwerten und dem Risiko für diabetesbedingte Folgeerkrankungen. Sie trennen „gesund“ und „krank“ nicht exakt. Deshalb muss ein auffälliger Wert zusammen mit weiteren Befunden beurteilt werden.

Diagnose und Verlauf unterscheiden

Bei einer erstmaligen Abklärung

Wurde der HbA1c-Wert ohne bekannte Diabetesdiagnose bestimmt, bedeutet 6,1 Prozent zunächst: Der Wert liegt über dem Normalbereich und muss ärztlich eingeordnet werden. Ein einzelner auffälliger Wert reicht nicht für eine sichere Diabetesdiagnose.

Je nach Ausgangslage sind weitere Untersuchungen sinnvoll. Dazu gehören eine erneute venöse Blutzuckermessung, der Nüchternblutzucker oder ein oraler Glukosetoleranztest, kurz OGTT. Bei diesem Test trinkt die untersuchte Person eine festgelegte Glukoselösung. Danach wird geprüft, wie der Körper darauf reagiert. Das Nationale Zentrum für Biotechnologie-Informationen beschreibt den HbA1c als Diagnose- und Verlaufstest. Wurde der HbA1c aus Kapillarblut gemessen, zum Beispiel aus der Fingerbeere, sollte ein diagnostischer Verdacht durch eine geeignete venöse Laboruntersuchung bestätigt werden.

Das konkrete Vorgehen richtet sich unter anderem nach Beschwerden, bisherigen Laborwerten, Medikamenten, Schwangerschaft, familiärer Belastung und bekannten Erkrankungen. Eine eigenständige Diagnose aus dem Zahlenwert ist daher nicht zuverlässig.

Bei einer Verlaufskontrolle

Bei bekanntem Diabetes beantwortet ein HbA1c von 6,1 Prozent eine andere Frage: Wie hoch war die durchschnittliche Blutzuckerbelastung in den vergangenen Wochen im Verhältnis zur bisherigen Behandlung und zum persönlichen Ziel?

Ein niedrigerer Wert ist dabei nicht für jeden Menschen besser. Für die Beurteilung zählen zum Beispiel Alter und Diabetesdauer. Auch Begleiterkrankungen, Unterzuckerungen und die Behandlung spielen eine Rolle. Auch ein einzelner Messwert sollte zusammen mit früheren HbA1c-Werten, Blutzuckermessungen und Beschwerden betrachtet werden. Eine Therapie sollte deshalb nicht allein wegen eines HbA1c-Werts von 6,1 Prozent geändert oder abgesetzt werden.

Für Verlaufsvergleiche sollten möglichst dieselbe Messmethode und ein vergleichbarer Laborstandard verwendet werden. Unterschiede zwischen Analysemethoden und Laboren können die Werte beeinflussen. Der NGSP führt bekannte Einflussfaktoren auf HbA1c-Messungen auf.

Warum der Wert vom Blutzucker abweichen kann

Der HbA1c-Wert setzt voraus, dass rote Blutkörperchen und Hämoglobin normal gebildet und abgebaut werden. Verändert sich dieser Ablauf, kann sich der Messwert verschieben, obwohl sich der tatsächliche Blutzucker kaum verändert hat.

Mögliche Einflussfaktoren sind unter anderem:

  • Eisenmangel und andere Formen der Blutarmut
  • Hämoglobinvarianten wie HbS oder HbC
  • ein erhöhter Anteil an fetalem Hämoglobin (HbF)
  • Nierenerkrankungen
  • Veränderungen der Lebensdauer roter Blutkörperchen
  • bestimmte ethnische und altersbezogene Unterschiede
  • Aufenthalte in großer Höhe
  • Unterschiede zwischen den verwendeten Messverfahren

Je nach Ursache und Analysemethode kann der HbA1c dadurch falsch hoch oder falsch niedrig ausfallen. Die Fachinformationen des NGSP zu Störungen der HbA1c-Messung weisen besonders auf Hämoglobinvarianten und veränderte Lebenszeiten roter Blutkörperchen hin.

Wenn der HbA1c nicht zu Nüchternblutzucker, eigenen Messungen oder Beschwerden passt, sollte die behandelnde Praxis die Abweichung prüfen. Ein bekanntes Blutbildproblem, eine Nierenerkrankung oder eine Hämoglobinvariante sollte bei der Beurteilung angegeben werden.

Was jetzt sinnvoll ist

Bei einem neu festgestellten Wert von 6,1 Prozent sollte die gesamte Befundlage besprochen werden. Für das Gespräch sind drei Informationen wichtig:

  1. Wurde der Wert aus venösem Laborblut oder aus Kapillarblut bestimmt?
  2. Gab es bereits frühere HbA1c- oder Nüchternblutzuckerwerte?
  3. Gibt es Faktoren wie Eisenmangel, Blutarmut, Nierenerkrankung, Schwangerschaft oder eine bekannte Hämoglobinvariante?

Die ärztliche Praxis entscheidet dann, ob eine Kontrollmessung oder ein weiterer Glukosetest nötig ist. Bei einer Verlaufskontrolle zählen zusätzlich die bisherigen Werte und die aktuelle Behandlung sowie mögliche Unterzuckerungen. Änderungen bei Ernährung, Bewegung oder Medikamenten sollten mit der behandelnden Fachperson abgestimmt werden. Das gilt besonders für Diabetesmedikamente oder Insulin.

Akute Beschwerden wie starke Müdigkeit, ausgeprägter Durst, häufiges Wasserlassen, Erbrechen, Bauchschmerzen, Verwirrtheit oder eine deutliche Verschlechterung sollten unabhängig vom HbA1c rasch medizinisch abgeklärt werden. Ein Wert von 6,1 Prozent allein spricht allerdings nicht für einen akuten Notfall.

Warum 6,1 Prozent keine vollständige Risikoprognose liefert

Der HbA1c fasst die längerfristige Blutzuckerbelastung in einer Zahl zusammen. Er zeigt aber nicht, wie stark der Blutzucker im Tagesverlauf schwankt, ob vor allem Nüchternwerte oder Werte nach dem Essen erhöht sind und welche Ursache eine Veränderung hat.

Zwei Menschen mit einem HbA1c von 6,1 Prozent können deshalb unterschiedliche Befunde haben. Bei einer Person kann Eisenmangel den Wert beeinflussen. Bei einer anderen kann er zu wiederholt erhöhten Blutzuckerwerten passen. Eine verlässliche Einschätzung braucht daher die passende Messmethode und weitere Laborwerte. Ebenso müssen Vorerkrankungen und die persönliche Situation einbezogen werden.

Kernaussagen

  • Ordne 6,1 Prozent als Prädiabetesbereich ein: Der Wert liegt über dem Normalbereich und weist auf ein erhöhtes Diabetesrisiko hin, begründet allein aber keine Diabetesdiagnose.
  • Unterscheide den Anlass der Messung: Bei einer erstmaligen Abklärung geht es um die Bestätigung oder den Ausschluss einer Störung; bei bekanntem Diabetes geht es um die Verlaufskontrolle.
  • Lass einen neuen auffälligen Wert bestätigen: Je nach Situation kommen eine venöse Kontrollmessung, Nüchternblutzucker oder ein oraler Glukosetoleranztest infrage.
  • Prüfe widersprüchliche Befunde: Eisenmangel, Blutarmut, Hämoglobinvarianten, Nierenerkrankungen und Messmethoden können den HbA1c verfälschen.
  • Ändere eine Behandlung nicht allein wegen 6,1 Prozent: Für eine Entscheidung zählen Verlauf, Beschwerden, Begleiterkrankungen und die bisherige Therapie.