Inhalt anzeigen
  1. Einheiten, Konzentration und Pen getrennt prüfen
  2. U100, U200 und U300 einordnen
  3. Semantische Orientierungstabelle
  4. Grenzen, Nicht-Austauschbarkeit und nächste Schritte
  5. Kernaussagen
  6. Weiterführende Orientierung

Auf Insulinpackungen und Pens stehen mehrere Zahlen und Kürzel gleichzeitig: die Einheiten, die eingestellt oder gespritzt werden sollen, eine Konzentrationsangabe in Einheiten pro Milliliter und manchmal Kürzel wie U100, U200 oder U300. Diese Angaben bedeuten nicht dasselbe, stehen aber oft so nah beieinander, dass sie leicht verwechselt werden können. Wer die Bedeutung dieser Kennzeichnungen kennt, kann Packung, Etikett und Pen vor der Anwendung gezielt kontrollieren, ohne selbst zu rechnen oder umzurechnen.

Eine Verwechslung von Dosisangabe und Konzentration kann zu einer Über- oder Unterdosierung führen. Entscheidend ist hier nicht das Rechnen, sondern das sichere Erkennen der richtigen Angabe an der richtigen Stelle und die professionelle Klärung vor der Injektion. Recherche-Stand: 24. Juli 2026.

Einheiten, Konzentration und Pen getrennt prüfen

Drei Informationen gehören auf den ersten Blick zusammen, sind aber inhaltlich getrennt zu behandeln: die am Pen eingestellte oder ärztlich verordnete Zahl in Einheiten, die auf Packung oder Etikett angegebene Konzentration in Einheiten pro Milliliter und der konkrete, für dieses Insulin vorgesehene Pen. Die Einheitenzahl beschreibt, wie viel Insulin verordnet oder eingestellt wird. Die Konzentrationsangabe beschreibt, wie viel Wirkstoff sich in einem Milliliter der jeweiligen Flüssigkeit befindet. Der Pen legt fest, wie genau dieses bestimmte Arzneimittel laut seiner Gebrauchsinformation angewendet wird. Diese Trennung ist für die sichere Anwendung grundlegend, wie sie auch die deutsche S3-Leitlinie zur Therapie des Typ-1-Diabetes beschreibt.

Warum Vermischung riskant ist

Wenn Dosis und Konzentration gedanklich vertauscht oder gleichgesetzt werden, kann daraus eine falsche Menge Insulin resultieren. Eine höhere Konzentration bedeutet nicht automatisch eine höhere Dosis, und eine gleiche Einheitenzahl bei unterschiedlichen Produkten bedeutet nicht automatisch dieselbe Wirkung. An dieser Stelle entstehen Medikationsfehler, wenn Nutzerinnen und Nutzer versuchen, selbst zwischen Konzentrationsangaben und Dosierungen zu übertragen, statt sich auf die Kennzeichnung und die Dosisanzeige des vorgesehenen Geräts zu verlassen. Deshalb enthält dieser Beitrag keine Rechenschritte, keine Umrechnungsformel und keine Beispielrechnung. Die einzige sichere Vorgehensweise besteht darin, Packung, Etikett und Pen nebeneinanderzulegen und mit der Verordnung abzugleichen.

Was beim richtigen Fertigpen gilt

Wird das richtige Arzneimittel im dafür vorgesehenen Fertigpen verwendet, stellt die anwendende Person die Dosis direkt in Einheiten an der Dosisanzeige ein. Eine zusätzliche Umrechnung der Konzentration ist in diesem Fall nicht erforderlich, weil der Pen die Anzeige bereits auf die enthaltene Konzentration abstimmt. Das gilt jedoch ausschließlich innerhalb der Grenzen des konkreten Produkts, der konkreten Wirkstärke und des dafür zugelassenen Geräts. Das BfArM-koordinierte Sicherheitsmaterial zu Tresiba beschreibt für diese speziellen Fertigpens genau diese Grenze: Die Dosisanzeige zeigt die Anzahl der Einheiten unabhängig von der Wirkstärke des Produkts. Diese Aussage lässt sich nicht auf andere Pens, Produkte oder Darreichungsformen übertragen, ohne die jeweils zugehörige Gebrauchsinformation zu prüfen.

U100, U200 und U300 einordnen

Die Kürzel U100, U200 und U300 beschreiben Konzentrationen, keine Dosierungen und keine Produktkategorien mit fester Bedeutung über die Zeit hinweg. Sie geben an, wie viele Einheiten Insulin in einem Milliliter der Flüssigkeit enthalten sind, die im jeweiligen Behälter oder Pen steckt.

Was die Leitlinie 2023 beschreibt

Die deutsche S3-Leitlinie zur Therapie des Typ-1-Diabetes nennt für ihren Stand aus dem Jahr 2023 U100-Insulinpatronen sowie Fertigpens mit den Konzentrationskennzeichnungen U100, U200 und U300. Diese Nennung beschreibt den deutschen Versorgungskontext zu diesem Zeitpunkt und ist zeitgebunden. Sie ist keine vollständige oder aktuelle Marktübersicht für 2026, keine Aussage zu Durchstechflaschen oder Insulinpumpen und keine Grundlage, um daraus ein Umrechnungsverhältnis oder eine Rechenregel abzuleiten. Wer prüfen möchte, welche Konzentration ein konkretes Produkt tatsächlich hat, muss die aktuelle Packung, das Etikett und die Gebrauchsinformation dieses Produkts heranziehen, nicht die Leitlinienformulierung selbst.

Der EMA-Begriff high-strength

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA verwendet im Leitfaden zu hochkonzentrierten Insulinen aus dem Jahr 2015 den Begriff „high-strength“ für Insulin mit einer Konzentration von mehr als 100 Einheiten pro Milliliter. Der Operator lautet ausdrücklich „mehr als“, nicht „mindestens“ oder „ab“. Dieser Begriff ist ein EU-Regulierungsbegriff aus einem inzwischen älteren Dokument. Er beschreibt keine Dosisschwelle, keine aktuelle deutsche Produktliste und keine Aussage darüber, ob zwei Produkte austauschbar sind. Der Leitfaden macht deutlich, dass hochkonzentrierte Insuline eine erhöhte Aufmerksamkeit bei der Kennzeichnung und Anwendung erfordern, gerade weil Verwechslungen mit Standardkonzentrationen zu schweren Über- oder Unterdosierungen führen können.

Semantische Orientierungstabelle

Die folgende Tabelle ordnet gängige Kennzeichnungen ein, benennt einen Prüfschritt und zeigt, was sich aus der jeweiligen Kennzeichnung allein nicht ableiten lässt.

Kennzeichnung Bedeutung Sicherer Prüfschritt Nicht ableitbar
E / Einheiten Verordnete oder am vorgesehenen Pen eingestellte Dosisangabe Produktname, Stärke und Etikett prüfen, dann die Einheiten an der Dosisanzeige mit der Verordnung abgleichen Keine Aussage zu Konzentration, Volumen, Masse, Spritzenmarkierung oder Austauschbarkeit
Einheiten/ml Konzentration des konkreten Arzneimittels auf Packung oder Etikett Produktname, Stärke, Etikett, Pen und Gebrauchsinformation gemeinsam prüfen Keine Rechenanleitung für die Dosisanzeige, keine Übertragung auf ein anderes Produkt
U100 Zeitgebundene Konzentrationskennzeichnung laut deutscher Leitlinie, Stand 2023 Stärke auf Packung und Pen-Etikett lesen, Gebrauchsinformation des vorliegenden Produkts beachten Keine Aussage zu aktueller Marktverfügbarkeit, Dosis, Volumen oder Wechsel zu anderem Insulin
U200 Zeitgebundene Konzentrationskennzeichnung laut deutscher Leitlinie, Stand 2023 Produktname, Stärke, Etikett, Dosisanzeige und Gebrauchsinformation des vorgesehenen Fertigpens zusammen prüfen Keine Selbstumrechnung, keine Spritzenentnahme, keine Austauschbarkeitsaussage
U300 Zeitgebundene Konzentrationskennzeichnung laut deutscher Leitlinie, Stand 2023 Produktname, Stärke, Etikett, Dosisanzeige und Gebrauchsinformation des vorgesehenen Fertigpens zusammen prüfen Keine Selbstumrechnung, keine Spritzenentnahme, keine Austauschbarkeitsaussage
„high-strength“ EMA-Regulierungsbegriff von 2015 für Konzentrationen über 100 Einheiten/ml Nicht aus dem Begriff ableiten, sondern konkretes Produkt, Stärke, Etikett und Gebrauchsinformation prüfen Keine Dosisschwelle, keine Wechselregel, keine Produktliste, keine Aussage zur Austauschbarkeit

Diese Tabelle ersetzt keine Gebrauchsinformation und keine fachliche Beratung. Sie hilft lediglich, eine Kennzeichnung richtig zu benennen, bevor Packung und Pen im Detail geprüft werden.

Grenzen, Nicht-Austauschbarkeit und nächste Schritte

Manche Kennzeichnungen wirken auf den ersten Blick vergleichbar, sind es aber nicht. Die folgenden Punkte grenzen ab, wofür die bisherigen Informationen gelten und wofür nicht.

Keine Spritzenentnahme aus Fertigpens

Für die von der deutschen Leitlinie und den herangezogenen Produktinformationen erfassten U200- und U300-Fertigpens sowie für hochkonzentrierte Fertigpens wie Tresiba 200 gilt eine klare Grenze: Insulin darf nicht mit einer Insulinspritze aus dem Fertigpen entnommen werden. Die Leitlinie weist darauf hin, dass es für diese Konzentrationen keine passenden kalibrierten Spritzen gibt. Der EMA-Leitfaden zu hochkonzentrierten Insulinen warnt ausdrücklich, dass eine solche Entnahme zu einer schweren Überdosierung führen kann. Diese Aussage gilt exakt für die genannten Produkt- und Gerätekombinationen. Sie ist keine allgemeine Regel für alle Insuline, keine Anleitung für eine andere Entnahmetechnik und keine Aussage zu Durchstechflaschen oder Pumpensystemen.

Gleiche Zahl bedeutet nicht gleiches Produkt

Zwei Insulinprodukte mit derselben Einheitenzahl auf dem Etikett sind nicht automatisch austauschbar. Die EMA-Leitlinie zur Potenzkennzeichnung von Insulinanaloga stellt klar, dass internationale Einheiten nur für Insuline mit einem international festgelegten Standard gelten. Bei Insulinanaloga können Einheiten wirkstoffspezifisch definiert sein: Eine Einheit eines Analogons entspricht nicht zwangsläufig einer internationalen Einheit Humaninsulin oder der Einheit eines anderen Analogons. Ein Wechsel von Insulintyp oder Marke gehört deshalb unter medizinische Aufsicht und kann eine Anpassung der Behandlung erforderlich machen. Aus dieser Kennzeichnungslogik lässt sich keine 1:1-Regel und keine Vergleichstabelle zwischen Produkten ableiten, selbst wenn die Zahlen auf den Etiketten identisch aussehen.

Ein naheliegender Einwand lautet, dass die Einheitenzahl bei einem Produktwechsel doch oft unverändert bleibt und man deshalb einfach weitermachen könne wie zuvor. Genau das beschreibt der EMA-Leitfaden zu hochkonzentrierten Insulinen jedoch nicht als generelle Regel, sondern nennt ausdrücklich Ausnahmen und verweist auf die notwendige Anleitung durch geschultes Fachpersonal. Eine scheinbar stabile Zahl auf dem Etikett ersetzt keine fachliche Prüfung, ob zwei Produkte im Einzelfall gleich wirken.

Für Menschen mit Sehbehinderung, die die im BfArM-koordinierten Tresiba-Material beschriebenen Tresiba- beziehungsweise die im EMA-Leitfaden beschriebenen hochkonzentrierten Fertigpens verwenden, gilt eine ergänzende Grenze: Kann die Dosisanzeige nicht sicher abgelesen werden, empfehlen die jeweiligen Sicherheitsmaterialien Unterstützung durch eine gut sehende Person, die im Umgang mit dem konkreten Pen geschult ist. Diese Empfehlung bezieht sich ausschließlich auf die genannten Fertigpens und ihre visuelle Anzeige, nicht auf andere Produkte oder allgemeine Hilfsmittel.

Bei Unklarheit nicht raten

Passen Produktname, Stärke, verordnete Einheiten, Etikett oder Gerät nicht zueinander, oder lässt sich eine Angabe nicht sicher lesen, sollte nicht geraten werden. Packung, Pen und Gebrauchsinformation sollten gemeinsam bereitgehalten werden, um vor der Anwendung eines nicht sicher identifizierten oder abweichenden Produkts unverzüglich das verordnende Diabetesteam oder die abgebende Apotheke zu kontaktieren. Diese Kontrolle ersetzt keine Eigenentscheidung durch eine Tabelle oder einen Vergleichswert. Der Beitrag ist zugleich keine Anweisung, verordnetes Insulin eigenmächtig zu verzögern oder auszulassen: Welches konkrete Vorgehen bis zur Klärung richtig ist, muss unverzüglich mit dem Diabetesteam oder der Apotheke geklärt werden.

Wenn schon falsch dosiert wurde

Besteht der Verdacht, dass bereits eine falsche Dosis angewendet wurde, greift der persönliche Notfallplan, ergänzt durch professionelle Hilfe. Art und Zeitpunkt einer möglichen Fehldosis sowie mögliche Beschwerden lassen sich allgemein nicht beurteilen und erfordern eine individuelle Einschätzung durch geschultes Personal oder den Rettungsdienst. Bei Bewusstlosigkeit oder wenn nicht sicher ist, dass eine Person schlucken kann, gilt: 112 rufen und der betroffenen Person nichts in den Mund geben. Diese Vorgehensweise beschreibt auch die deutsche Diabetes-Notfallinformation von diabinfo. Bei sicherer Schluckfähigkeit nennt dieser Beitrag weder zusätzliche Nahrung noch zusätzliches Insulin oder Wartezeiten als allgemeine Kompensation; maßgeblich bleiben der persönliche Notfallplan und die unverzügliche professionelle Einschätzung.

Kernaussagen

Die folgenden Punkte fassen die zentralen Unterscheidungen dieses Beitrags noch einmal zusammen, ersetzen aber nicht die ausführlichen Erläuterungen in den vorherigen Abschnitten. Sie dienen als schnelle Orientierung, bevor Packung, Etikett und Pen im Einzelfall geprüft werden, und sollten stets im Zusammenhang mit den dort genannten Quellen gelesen werden, etwa der S3-Leitlinie zur Therapie des Typ-1-Diabetes und dem EMA-Leitfaden zu hochkonzentrierten Insulinen.

  • Drei Informationen getrennt halten: Verordnete Einheiten, die Konzentrationsangabe in Einheiten pro Milliliter und der konkrete Pen sind unterschiedliche Angaben, die nie gegeneinander verrechnet werden sollten.
  • U100, U200, U300 nur als Kennzeichnung lesen: Diese Kürzel benennen Konzentrationen laut deutscher Leitlinie mit Stand 2023, nicht Dosierungen und keine aktuelle vollständige Marktübersicht.
  • Fertigpen bestimmt die Anwendung: Beim richtigen, vorgesehenen Pen wird die Dosis direkt in Einheiten an der Anzeige eingestellt, ohne eigene Umrechnung, aber ausschließlich innerhalb der Produkt- und Gerätegrenzen.
  • Keine Spritzenentnahme aus hochkonzentrierten Fertigpens: Für U200-, U300- und vergleichbare Fertigpens gilt ein striktes Verbot der Entnahme mit einer Insulinspritze wegen Überdosierungsgefahr.
  • Bei Unklarheit sofort professionell klären: Passen Angaben nicht zusammen, soll nicht geraten oder anhand dieses Beitrags über Produkt, Dosis oder Zeitpunkt entschieden werden. Der Beitrag ist keine Anweisung, Insulin eigenmächtig zu verzögern oder auszulassen; das konkrete Vorgehen muss unverzüglich mit Diabetesteam oder Apotheke geklärt werden.

Weiterführende Orientierung

Diese Kernaussagen bündeln nur, was in den vorangehenden Abschnitten ausführlich begründet wurde; sie sind kein Ersatz für den Blick in die jeweilige Gebrauchsinformation. Die S3-Leitlinie zur Therapie des Typ-1-Diabetes, das BfArM-koordinierte Sicherheitsmaterial und der EMA-Leitfaden zu hochkonzentrierten Insulinen erläutern die hier getrennten Produkt-, Geräte- und Konzentrationsgrenzen. Wer die Kennzeichnungen E, Einheiten/ml, U100, U200 und U300 als getrennte, produktbezogene Informationen behandelt und nicht als Grundlage für eigene Berechnungen, kann Packung, Etikett und Pen vor jeder Anwendung sicher abgleichen und bei Unklarheiten Diabetesteam oder Apotheke einbeziehen.