Menschen mit Diabetes müssen bei Getränken nicht auf alles verzichten, aber die Wahl beeinflusst den Blutzucker. Wasser und ungesüßte Getränke sind die einfachste Standardwahl, weil sie keine Kohlenhydrate liefern. Zuckergesüßte Getränke und Fruchtsäfte heben den Blutzucker an und eignen sich nicht zum regelmäßigen Durstlöschen. Eine Ausnahme ist die Unterzuckerung, wenn schnell verfügbare Kohlenhydrate nötig sind.
Geeignete Durstlöscher
Leitungs- und Mineralwasser sind die erste Wahl. Auch ungesüßter Tee, Kräuter- und Früchtetee sowie Kaffee ohne Zucker zählen zu den geeigneten Durstlöschern. Wer Wasser etwas Geschmack geben möchte, kann Kräuter wie Minze oder ein paar Fruchtstücke hineingeben, ohne Zucker oder Sirup zuzusetzen.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt rund 1,5 Liter pro Tag als allgemeine Orientierung für die Flüssigkeitszufuhr. Die Patientenempfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft für Typ-2-Diabetes nennen 1,5 bis 2 Liter täglich. Diese Mengen sind Orientierungen, keine verbindliche Vorgabe für jede Person. Bei Begleiterkrankungen wie einer Nieren- oder Leberschädigung kann eine andere Trinkmenge gelten. Wer unsicher ist, sollte die persönliche Trinkmenge mit dem Behandlungsteam besprechen.
Zuckerhaltige Getränke
Limonaden, gesüßte Eistees, Energydrinks, Kaffee mit Zucker und Tee mit Honig liefern Kohlenhydrate und können den Blutzucker anheben. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft empfiehlt Menschen mit Typ-2-Diabetes, die Zufuhr solcher Getränke zu minimieren. Für zuckerreiche Erfrischungsgetränke nennt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung einen Zuckergehalt von ungefähr 80 bis 100 Gramm pro Liter. Das ist eine grobe Einordnung, kein Wert für jedes einzelne Produkt.
Der praktische Rat lautet, diese Getränke nicht zum regelmäßigen Durstlöschen zu wählen. Statt auf Produktnamen zu vertrauen, lohnt der Blick auf die Zutatenliste: Auch aromatisiertes Wasser kann Zucker enthalten. Die Rezepturen unterscheiden sich von Marke zu Marke, und manche Produkte tragen Bezeichnungen, die nach Frucht klingen, aber überwiegend Zucker liefern.
Saft und Schorle
Fruchtsaft ist ein Grenzfall. Er enthält von Natur aus Zucker und Kohlenhydrate, kann aber auch Nährstoffe liefern. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft ordnet Obstsäfte neben zuckergesüßten Getränken als ungünstig für den Blutzuckerspiegel ein. Saft ist deshalb kein gleichwertiger Durstlöscher zu Wasser.
Eine Saftschorle kann eine Alternative sein, wenn jemand nicht auf Saft verzichten möchte. Die Quellen legen aber kein einheitliches Mischungsverhältnis fest. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt ein Verhältnis von einem Teil Saft zu drei Teilen Wasser, diabetesDE empfiehlt eine stärkere Verdünnung von einem Teil Saft zu vier oder fünf Teilen Wasser. Daraus lässt sich keine universelle optimale Saftmenge ableiten. Wer Saft trinkt, sollte die Portion klein halten und die Schorle nicht als Ersatz für Wasser über den Tag verteilt trinken.
Smoothies gehören ebenfalls nicht zu den alltäglichen Durstlöschern. Sie enthalten oft viel Frucht und damit Kohlenhydrate. Ganzes Obst hat gegenüber Saft den Vorteil, dass es mehr Ballaststoffe liefert, die die Aufnahme des Zuckers verlangsamen können.
Milch und Pflanzendrinks
Milch ist kein kalorien- oder kohlenhydratfreier Durstlöscher.
Pflanzliche Alternativen wie Hafer-, Mandel- oder Sojadrink unterscheiden sich stark im Zuckergehalt. Manche Sorten sind ungesüßt, andere enthalten zugesetzten Zucker. Beim Vergleich helfen die Zutaten- und Nährwertangaben auf der Packung. Wer Milch oder Pflanzendrinks regelmäßig trinkt, sollte die Kohlenhydrate in die tägliche Bilanz einrechnen.
Light- und Zero-Getränke
Light- und Zero-Getränke enthalten keine oder kaum Kalorien und liefern in der Regel keine nennenswerten Kohlenhydrate. Wer von einem zuckerhaltigen Getränk auf eine zuckerfreie Variante umsteigt, senkt damit die Zucker- und Kohlenhydrataufnahme aus dem Getränk. Das macht diese Getränke aber nicht automatisch zu einem notwendigen oder gesundheitlich überlegenen Ersatz für Wasser.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hält Lightgetränke für weniger empfehlenswert, unter anderem weil sie die Gewöhnung an süßen Geschmack fördern können. Die American Diabetes Association empfiehlt Wasser gegenüber sowohl zuckerhaltigen als auch nicht-nutritiv gesüßten Getränken. Die Weltgesundheitsorganisation hat 2023 eine Empfehlung gegen die Nutzung nicht-zuckerhaltiger Süßstoffe zur langfristigen Gewichtskontrolle ausgesprochen; diese Empfehlung gilt ausdrücklich nicht für Menschen mit bereits bestehendem Diabetes. Die langfristigen Wirkungen von Süßstoffen auf Gewicht und Gesundheit sind in den Empfehlungen nicht einheitlich bewertet. Wasser bleibt die erste Wahl.
Alkohol mit Vorsicht
Alkohol ist kein Getränk zur Flüssigkeitsversorgung. Er kann den Blutzucker beeinflussen und birgt ein Risiko für verzögerte Unterzuckerungen, besonders bei Menschen, die Insulin spritzen oder insulinfreisetzende Medikamente einnehmen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung formuliert bevölkerungsbezogen, dass es für die Gesundheit am besten sei, keinen Alkohol zu trinken. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft beschreibt geringe Mengen als mit einer guten Stoffwechseleinstellung vereinbar und verweist auf die 2024 nach unten korrigierte allgemeine Mengenempfehlung von unter 27 Gramm Alkohol pro Woche als risikoarm. Diese Angabe ist kein Trinkziel, keine Sicherheitsgarantie und keine individuelle Empfehlung. Alkohol sollte nicht täglich konsumiert werden. Wer trinkt, sollte die eigene Therapie und persönliche Situation mit dem Behandlungsteam besprechen.
Unterzuckerung: die Ausnahme
Bei einer Unterzuckerung kann ein zuckerhaltiges Getränk sinnvoll sein, weil schnell verfügbare Kohlenhydrate den Blutzucker anheben. Die American Diabetes Association beschreibt für viele Betroffene eine allgemeine Regel: 15 Gramm schnell verfügbare Kohlenhydrate, nach 15 Minuten erneut messen. Als mögliche Quelle nennt sie eine halbe Tasse Saft oder normale, nicht zuckerfreie Limonade. Auch diabetesDE nennt gezuckerte Getränke oder Saft als mögliche Hilfe und empfiehlt eine erneute Messung nach 15 Minuten.
Diese Ausnahme darf nicht mit der alltäglichen Getränkewahl verwechselt werden. Der benötigte Kohlenhydratbetrag kann je nach Person, Alter und Therapie abweichen. Eine individuelle Dosierung lässt sich hier nicht vorgeben. Bei Bewusstlosigkeit darf keine Flüssigkeit eingeflößt werden; dann ist sofortige Notfallhilfe nötig. Wer regelmäßig Unterzuckerungen hat, sollte das konkrete Vorgehen mit dem Behandlungsteam klären.