Zucker Erhöht

Erhöhter Zucker

Zu hoch, kann es ratsam sein, die Insulinmenge zu erhöhen. Aber auch eine schwerere einfache Erkältung oder Gelenkentzündung kann den Blutzucker erhöhen. Adrenalin, Cortisol und Schilddrüsenhormone können neben Glucagon auch zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels beitragen.

Mentaler Stress als Auslöser von Blutzucker-Schwankungen? (185

Blutzuckerfluktuationen sind ein weit verbreitetes Krankheitsbild bei der Therapie von Diabetikern. Viele Patientinnen und Ärzte glauben, dass psychische Belastungen den Blutzuckerspiegel von Menschen mit Zuckerkrankheit beeinträchtigen können. Für die meisten Diabetiker und ihre Pfleger ist es jedoch schwer einzuschätzen, wie hoch die Wirkung auf den Zuckerspiegel ist.

Man geht davon aus, dass Natur und Ausmaß der seelischen Beanspruchung eine wichtige Rolle spielt und auch die individuellen Differenzen von Belang sind. Die Auswirkungen von psychischer Beanspruchung auf die Blutzuckerkontrolle bei Diabetikern haben wir in einer Vielzahl von wissenschaftlichen Studien erforscht; die Ergebnisse werden im Nachfolgenden kurz beschrieben. Das Ergebnis bezieht sich ausschließlich auf rein psychische Beanspruchung und kann nicht auf andere Beanspruchungen wie physische Beanspruchung (Sport) oder gemischte physikalisch-psychologische Beanspruchungen (z.B. Schmerzen) übertragbar sein.

Unbestritten ist, dass bei Menschen mit chronischem psychischem Druck der Zuckerkrankheit im Vergleich zu Menschen ohne chronischem Druck eher ein statistischer Faktor ist. Das betrifft zum Beispiel Betroffene mit Depressionen, Tod eines Angehörigen, Mobbing am Arbeitsplatz in der Arbeit oder Erwerbslosigkeit. Dabei ist zu beachten, dass es natürlich einzelne Differenzen gibt und in Einzelfällen kann auch bei chronischem psychischem Streß eine gute Anpassung erfolgen.

Wissenschaftliche Studien haben darüber hinaus ergeben, dass chronisch belastete Menschen infolge schlechterer Anpassung vermehrt an diabetischen Spätfolgen und auch an Herz-Kreislauf-Erkrankungen erkranken. Bei Diabetikern und Depressionen ist die Therapie von Diabetikern oft weniger erfolgreich. Zum Beispiel wird bei depressiven Diabetikern die Einnahme von Medikamenten oder die Injektion von Insulin öfter übersehen.

Es ist auch möglich, dass bei chronischer Beanspruchung die Maßnahmen zur gesunden ErnÃ?hrung und körperlichen AktivitÃ?t von den Betroffenen weniger gut durchgesetzt werden. Daher ist nicht klar, ob chronischer psychischer Stress selbst zu einer Verschlechterung der Diabeteskontrolle beiträgt oder ob das verschlechterte Diabetesmanagement bei Depressionen für die Verschlechterung der Haltung ausschlaggebend ist.

Zur Beantwortung dieser Frage haben wir Diabetespatienten unter gesteuerten Umständen einer akute psychische Beanspruchung unterworfen. Abb. 2: Blutzuckerverlauf nach einer Essensmahlzeit Der Belastungstest wurde 75 min nach der Verabreichung einer Standardmahlzeit durchlaufen. Die Blutzuckermessung am Kontrolltermin ist in blauer Farbe angegeben, mit dem Zuckeranstieg nach der Essensausgabe.

Nach 3 Std. nach der Essensausgabe ist der Zuckerspiegel wieder so hoch wie vor der Essensausgabe. Die Glukosespiegel waren auch in den ersten 30 min nach dem Belastungstest sehr vergleichbar, aber es gab eine Verspätung beim Glukoseverlust nach der Verabreichung am Tag des Stresses. Damit die Beeinflussung durch eine Speise ausgeschlossen ist, haben wir die Patientinnen während des Fastens akut psychisch belastet.

Das Ergebnis wurde mit einem Tag ohne psychische Belastung abgeglichen. An einem " Tag des Stresses " wurden die Patientinnen vor einer Zuhörerschaft und einer laufenden Video-Kamera während eines Interviews begutachtet. Bei der Belastungsprobe wurden neben dem Zucker auch die Werte für die Blutdruckmessung und den Pulsschlag ermittelt. Die deutliche Steigerung von Druck und Pulsschlag während des Tests zeigte, dass die Patientinnen und Patienten wirklich angespannt waren.

Zwar haben sich die Belastungshormone während des Vorstellungsgesprächs deutlich erhöht, aber der Zuckerspiegel hat sich durch die psychologische Beanspruchung überhaupt nicht geändert (Abb. 1). Diese Studie haben wir mit den selben Ergebnissen bei Typ-1- und Typ-2-Diabetikern durchführt. Man kann daher davon ausgehen, dass eine akuter psychischer Streß von 15 bis 30 min. beim Fasten keinen Einfluß auf die Blutzuckerkontrolle hat, ungeachtet der Art des Diabetes.

Ist das Zusammenspiel von Essen und Stress von Bedeutung? Das oben beschriebene Ergebnis steht im Gegensatz zu den Erfahrungswerten von Diabetikern, die häufig von einer stressbedingten Blutzuckersteigerung sprechen. Deshalb haben wir weitere Studien gemacht und wollten eine Interaktion zwischen Stress und Essen nachweisen. Das wichtigste Stresshormon (Cortisol) aus der Nebennierendrüse wird nach einer hochkohlenhydratreichen Ernährung besser ausgeschüttet als beim Fasten.

So kann es sein, dass geistige Belastungen erst nach einer Essensausgabe zu einem Anstieg des Blutzuckers führen. Deshalb haben wir Diabetiker nach einer Essensausgabe akut psychisch belastet. Wir haben festgestellt, dass bei Typ 1 Diabetikern akuter psychologischer Streß den Blutzuckerabfall nach den Mahlzeiten verzögert (Abb. 2).

Allerdings betrug der Blutzuckeranstieg aufgrund von psychischem Stress nur 1,4mmol/l. Die Wirkung von psychischem Stress auf den Zuckerspiegel ist daher davon abhängig, ob eine Speise genommen wurde oder nicht, ist aber auf jedenfall nicht sonderlich stark. Beim Typ-2-Diabetes konnten wir auch nach einer Essensausgabe keinen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel zeigen.

Nach jeder Essensmahlzeit betonten wir die Patientinnen 75 min mit 50 g Kohlenhydrate. Ein anderer Zeitpunkt von Mahlzeiten und Stress kann einen größeren Einfluss auf die Blutzuckerkontrolle haben. Zusammengefasst kann jedoch davon ausgegangen werden, dass sowohl bei Typ-1- als auch bei Typ-2-Diabetikern keine deutlichen Erhöhungen des Blutzuckerspiegels durch akuten psychischen Stress auftreten.

Führen hohe psychologische Belastungen zu einem Anstieg des Blutzuckers? Zur weiteren psychologischen Entlastung der Betroffenen fuhren wir 20 Patientinnen und Patienten mit Typ-1-Diabetes in den Europa-Park Rust. Innerhalb von 15 min waren die Patientinnen auf zwei Bahnen ("SilverStar" und "Eurosat") unterwegs (Abb. 3). Die Herzfrequenz der Patientinnen erhöhte sich während der Achterbahnfahrt auf 158 Herzschläge pro Min., so dass die Patientinnen offenbar sehr beansprucht waren.

Auch hier konnten wir keinen signifikanten Einfluss auf den Blutzuckerspiegel sowohl beim Fasten (Abb. 4) als auch nach dem Essen nachweisen. Der Blutzuckerspiegel war während der Fahrt nach der Verpflegung etwas niedriger als während des Tages ohne Stress. Abb. 3: Wir haben uns gefragt, ob wir unsere Patientinnen und Patienten nicht zu wenig belastet haben.

Deshalb haben wir 20 Patientinnen und Patienten in Europas höchstgelegene stahlerne Berg- und Talbahn - den Silberstern im Europa-Park Rust - geschickt. Abb. 4: Roller Coaster im Fastenzustand Im Fastenzustand hatte der Druck der Fahrt mit der Berg- und Talfahrt keinen Einfluß auf den Zuckerspiegel, obwohl die Pulsfrequenz auf 170/min anstieg. Bei Diabetikern ist es klar, dass chronische psychische Belastungen den Blutzuckerspiegel steigern können.

Weil selbst ein ausgeprägter akuter psychischer Druck den Zuckerspiegel nicht oder nur geringfügig erhöht, scheint ein anderer Faktor als der psychologische zu sein. Für chronisch psychisch belastete Menschen ist es daher von entscheidender Bedeutung, auch in Not- und Sorgenfällen ein optimales Diabetesmanagement zu gewährleisten.

Genauso wie die richtige Tabletteneinnahme und die Leistung der Insulin-Therapie sind auch das Ernährungs- und Bewegungsverhalten von Bedeutung. Im Falle einer akute und kurzfristige psychologische Belastung sollten Menschen mit Zuckerkrankheit auf eine eventuelle Interaktion mit ihren Speisen achten. Ob wiederholter psychischer Stress zu einem Anstieg des Blutzuckers führt, ist derzeit unklar.

Dieser Frage wollen wir in einer zukünftigen Planstudie bei Typ-1- und Typ-2-Diabetikern nachgehen.

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